Schwarm

Neue Heimat für Bottroper Bienenvolk vom Pflaumenbaum

30.000 Nachbarn weniger: Christoph Gläßer freut sich, dass der Schwarm aus seinem Vorgarten ein neues Zuhause hat.

30.000 Nachbarn weniger: Christoph Gläßer freut sich, dass der Schwarm aus seinem Vorgarten ein neues Zuhause hat.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Das Bienenvolk, das sich im Pflaumenbaum eines Bottroper Privatmannes niedergelassen hatte, lebt jetzt am Waldpädagogischen Zentrum.

Sie sind weg. Christoph Gläßers rund 30.000 neue Nachbarn sind wieder ausgezogen. Nicht ganz freiwillig, das muss Gläßer gestehen. Er lacht. Dass es den Honigbienen, die sich an seinem Pflaumenbaum niedergelassen hatten, jetzt besser geht, ist gewiss. „Sie wären sonst sicher gestorben“, sagt Gläßer.

Denn die kleine Tierchen haben nur Proviant für ein paar Tage, wenn sie sich aus dem ursprünglichen Volk verabschieden. „So lange sie keine passende neue Behausung finden, können sie sich nicht ernähren“, erzählt Gläßer. Weil sich kein Imker bei ihm gemeldet hat, rief er beim Bottroper Imkerverein an.

Imkerverein holt Tiere ab

Und der kam noch am Mittwochnachmittag, in Person von Dorothea Klümper, vorbei. „Vorher hatte ich noch nie gesehen, wie so ein Volk eingefangen wird“, berichtet Gläßer, der Bottrops erste Öl-Mühle betreibt. Klar hatte er sich informiert, „aber in live ist es doch noch mal etwas anderes“.

Wie sie es gemacht hat, beschreibt Klümper so: „Ich habe habe eine großen Eimer unter den Baum gestellt und die Bienen abgeschüttelt, so dass sie in den Eimer gefallen sind.“

Große Schutzvorkehrungen waren nicht vonnöten. „Die Bienen stechen ja eigentlich nicht. Nur, wenn sie sich in der Kleidung oder den Haaren verfangen“, berichtet die Imkerin. Also hatte sie vorher eine Jacke angezogen und einen Hut aufgesetzt.

Ist ein Großteil der Bienen erst einmal im Eimer, ist das Schwerste schon geschafft. „Ich habe den Bottich dann mit einem engmaschigen Gitter bedeckt und gehofft, dass die Königin schon drin ist“, schildert Klümper den Vorgang. Nur die Arbeiterinnen passen durch die Bedeckung und folgen ihrer Königin dann in den Eimer.

„Nach etwa eineinhalb Stunden war der Eimer voll und rund 98 Prozent aller Bienen eingefangen“, sagt Gläßer, der sich freut, dass seine kleinen Vorgartenbewohner jetzt ein neues Zuhause haben. Angst gestochen zu werden, hatte aber nicht. „Die waren ganz friedlich“, sagt er.

Ein Dutzend Schwärme eingesammelt

Die neue Heimat des Honigbienen-Schwarms ist jetzt im Übrigen das Waldpädagogische Zentrum. Dort leben bereits einige andere Völker. In diesem Jahr hat der Bottroper Imkerverein nämlich bereits ein Dutzend Schwärme aus dem Stadtgebiet abgeholt.

„Dass einem Imker die Hälfte seiner Bienen abhanden kommt, passiert ganz schnell“, weiß Klümper. Weil der Schwarm dann unterwegs keine geeigneten Höhlen, beispielsweise hohle Baumstämme, findet, versucht er sich dann irgendwo anders niederzulassen.

Streit um ein Volk kann es übrigens nicht geben, betont Klümper. „Wenn ein Volk gesichtet wird und ein Imker in der Nähe ist, dann gehört es ihm. Ist kein Imker im Umfeld, ist das Volk herrenlos. Das ist sogar im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert“, schildert sie. „Jeder darf das Volk dann einfangen.“

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