WAZ-Interview

Constantin Buschmann (33) und die Zukunft der Brabus-Gruppe

Constantin Buschmann steht mit 33 Jahren an der Spitze der Brabus-Gruppe.

Constantin Buschmann steht mit 33 Jahren an der Spitze der Brabus-Gruppe.

Foto: Thomas Gödde

Bottrop.   Nach dem plötzlichen Tod des Vaters und Firmengründers leitet dessen Sohn Constantin Buschmann das weltweit agierende Bottroper Autobau-Unternehmen.

Brabus-Geschäftsführer Constantin Buschmann empfängt die Interviewgäste in seinem Büro. Bis vor wenigen Monaten hat in diesem Zimmer noch sein Vater Bodo, der Gründer des weltweit aktiven Automobiltuners, gearbeitet. Nach dessen plötzlichem Tod hat der 33-Jährige die Geschäftsführung übernommen. Im Gespräch mit WAZ-Redakteur Matthias Düngelhoff erzählt Constantin Buschmann auch, was unter dem Markennamen Brabus künftig möglich ist und wie sich sein Leben verändert hat, seit er die Verantwortung für das Unternehmen trägt.

Wie geht es Ihnen?

Constantin Buschmann: Mir geht es gut. Wir haben in den letzten Monaten hier sehr viel geschafft, und ich freue mich sagen zu können, dass wir nach dem bedauernswerten Tod meines Vaters alle gemeinsam in die richtige Richtung gegangen sind. Durch gute Planung und das Glück, auf eine solche Situation gut vorbereitet gewesen zu sein, konnten wir unsere Pläne und Ziele weiter verfolgen.

Was hat sich für Sie geändert?

Mein Vater und ich haben ja bereits vorher Jahre gemeinsam in der Geschäftsführung gearbeitet. Wenn man so will, habe ich lediglich den Stuhl gewechselt, die Themen, die mich vorher beschäftigt haben, beschäftigen mich auch jetzt noch. Wir hätten ja aber irgendwann sowieso vor der Situation gestanden. In drei Jahren, so sah der Plan aus, hätte sich mein Vater zurückziehen wollen. Selbstverständlich hätte ich es gern gesehen, wenn er dann seine Freizeit endlich hätte genießen können und er noch als Ansprechpartner da wäre.

Große Fußstapfen

Sie werden nun sicher unweigerlich mit Ihrem Vater verglichen.

Ich glaube, es ist grundsätzlich wichtig, eigene Fußstapfen zu hinterlassen. Die meines Vaters sind tatsächlich groß. Aber der Vergleich stört mich nicht. Mein Vater war meiner Meinung nach einer der besten Manager der Welt, und ich habe viel von ihm gelernt. Jetzt ist es an mir, das umzusetzen.

Das führt zu der Frage, ob Sie Dinge ändern werden?

Ich hatte zu vielen Dingen eine Meinung und die habe ich jetzt auch noch. Da hat sich nichts geändert, nur weil sich meine Position im Unternehmen geändert hat. Möglich, dass ich allein aufgrund der Altersdifferenz einige Dinge anders gesehen habe als mein Vater. Aber vieles sehe ich eben genauso. Will man es in Zahlen ausdrücken, stimmten wir bestimmt zu 80 Prozent überein. Brabus war bisher ein exzellent geführtes Unternehmen. Jetzt von den Prinzipien abzuweichen, die uns erfolgreich gemacht haben, dafür gibt es keinen Grund. Zumal ändert sich ein Unternehmen nicht, indem man sich an einen anderen Schreibtisch setzt und auf einen Knopf drückt.

Frontmann des Unternehmens

Sie haben zwei Schwestern, welche Rolle spielen die im Unternehmen?

In die Entscheidungsfindung, wie das Unternehmen strukturiert ist, wie die Familie beteiligt ist und welche Rolle sie spielt, sind alle eingebunden. Aber wir haben uns entschieden, dass ich der einzige bin, der aktuell auftritt und im operativen Geschäft ist. Das heißt nicht, dass meine Schwestern nicht irgendwann eine Rolle spielen können, doch im Unterschied zu mir haben sie derzeit einen anderen Lebensmittelpunkt. Wir sind ein Familienunternehmen, das ist eine Stärke. Aber es heißt nicht, dass immer ein Familienmitglied an der Spitze stehen muss. Das ist ganz klar auch abhängig von der Leistung. Ich bin ja auch erst in den Geschäftsführerkreis berufen worden, nachdem ich mich an anderen Stellen bewährt habe, etwa im Vertrieb. Angefangen habe ich damals mit dem Teileverkauf über Ebay. Und neben mir sind ja noch Ulrich Gauffrés und Stefan Hosters in der Geschäftsführung, die Brabus seit langem kennen. Neu berufen haben wir nun Christian Draser, er verantwortet den Bereich Automotive, ist also zuständig für all die Dinge, die wir im Auftrag der Industrie fertigen. Er bringt 25 Jahre Erfahrung von der Daimler AG mit.

Welche Neuigkeiten werden Sie denn demnächst vorstellen?

In diesem Jahr haben wir auf der Boot in Düsseldorf gemeinsam mit unserem Partner Axopar aus Finnland das Brabus Shadow vorgestellt, ein Boot mit 800 PS. Die auf 20 Stück limitierte Produktion war in zwei Wochen ausverkauft. Das hat uns auch ein wenig überrascht. Da arbeiten wir nun an einem Nachfolger. Im Bereich Automobil ist für uns die neue G-Klasse von Mercedes wichtig. Da warten wir auf das Topmodell, den G 63. Unsere Version stellen wir im September in Monaco vor. Für uns ist die G-Klasse ein wichtiges Modell. Außerdem arbeiten wir an der neuen A-Klasse.

Verschiedene Technologien

Der Name Brabus findet sich künftig auch auf Booten. Wo wäre er noch denkbar?

Unser Kerngeschäft ist das Automobil. Nichtsdestotrotz sind weitere Brabus-Produkte denkbar. Doch für uns sind drei Punkte wichtig: Technik, Luxus und Individualisierung – all das finden Sie bei unseren Autos und auch bei dem Boot. Wenn diese drei Punkte gegeben sind, ist zunächst einmal vieles denkbar. Dabei müssen wir uns aber immer im Klaren darüber sein, wo wir herkommen und wo der Schwerpunkt liegt. Übrigens sind die Kunden bei uns oft deckungsgleich. Wer sich für eines unserer Supercars interessiert, interessiert sich oft auch für Boote.

Der Markt verändert sich, alternative Antriebe sind ein großes Thema. Was bedeutet das für Brabus?

Wir haben uns in den letzten 40 Jahren immer wieder mit neuer Technologie beschäftigt. Das waren in den 70er- und 80er-Jahren vielleicht andere, doch auch da mussten wir uns umstellen und waren vorne mit dabei. Schon vor fünf oder sechs Jahren haben wir eine elektrische E-Klasse entwickelt, angetrieben durch vier Motoren in den Radnaben. Wir beobachten die aktuelle Entwicklung und reagieren auf das, was im Markt ist. Und mit Smart Brabus sind wir ja auch im Bereich E-Autos aktiv. Ich glaube auch nicht, dass sich so schnell jetzt eine neue Technologie durchsetzt. Denkbar sind in zehn bis 20 Jahren verschiedene Technologien, je nach Anwendung. Es gibt ja auch noch die Wasserstofftechnologie, Vorteil ist da eine bestehende Infrastruktur. Und grundsätzlich ist das Thema Individualisierung ja – anders als Tuning – unabhängig vom Antrieb.

Kaufmann aus Leidenschaft

War eigentlich von vornherein klar, dass Sie irgendwann die Geschäftsführung übernehmen würden?

Ich bin jetzt 33 Jahre alt. Selbstverständlich gab es irgendwann dann auch die Frage, was ich tun möchte. Und irgendwann war dann klar, dass ich es machen möchte. Ich habe in Witten Wirtschaftswissenschaften studiert. Es gibt da ja den alten Spruch, wer nichts wird, wird Wirt, der greift bei mir nicht. Ich habe mich bewusst zu diesem Studium entschlossen, weil es mir hier im Unternehmen hilft. Ich bin Kaufmann aus Leidenschaft.

Leidenschaft ist ein gutes Stichwort. Haben Sie ein Lieblingsauto?

Mein Lieblingsauto ist und bleibt die G-Klasse, der große Geländewagen von Mercedes. Da kommt ja jetzt ein neues Modell und ich denke schon, dass wir damit sehr gute Geschäfte machen. Es ist nach wie vor eines der besten Autos, das ich kenne. Außerdem fahre ich sehr gerne Pagode. Das ist einer der besten Oldtimer zum Fahren, es gibt kaum etwas Schöneres für einen sonnigen Sonntag.

Bekenntnis zum Standort

Schrauben Sie selbst?

Die normalen Dinge, die gemacht werden müssen, kann ich. Doch wenn es ans Eingemachte geht, überlasse ich es unseren Spezialisten.

Ihr Vater hat seine Herkunft immer sehr betont, sich auch als eine Art inoffizieller Botschafter Bottrops gesehen.

Ich bin in Bottrop aufgewachsen, habe mein ganze Leben hier verbracht und wohne auch jetzt noch hier. Entsprechend fühle ich mich mit meiner Heimatstadt verbunden. Ich schätze sie, weil ich glaube, dass wir hier vieles tun können, von dem sich andere Städte eine Scheibe abschneiden können. Wir sind als Unternehmen auch mit dieser Ruhrgebietsmentalität groß geworden und sie sollte weiterhin Bestandteil unserer Unternehmenskultur sein. Im Juni haben wir bei uns auf dem Gelände den Brabus-Family-Day ausgerichtet für unsere Mitarbeiter und deren Familien. Rund 600 Leute waren da und wir haben gemeinsam den Tag verbracht und abends alle zusammen die Fußball-WM-Partie gegen Schweden verfolgt. Da war die Stimmung ja noch gut (lacht).

Was heißt das für den Standort auf dem Eigen?

Wir haben da viele Pläne für die Zukunft, wir werden an der ein oder anderen Stelle auch mit Augenmaß modernisieren. Aktuell sprechen wir mit potenziellen Partnern über neue Projekte, so dass auch eine Erweiterung denkbar ist, Flächenreserven haben wir noch. Im Oktober treffen sich außerdem unsere sämtlichen Händler aus aller Welt bei uns. Da planen wir Veranstaltungen in Bottrop, aber auch in anderen Teilen der Region. Zwei Tage lang geht es da um Schulungen, Probefahrten und Produktneuheiten.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben