Kultur

Kunst zwischen Kult in „Allerhand“

Hella Witt betrachtet einige Objekte der neuen Ausstellung mit Arbeiten von Georg Overkamp, Horst Art und Frank Gebauer im Schaufenster von „Allerhand aus zweiter Hand“ auf dem Eigen.

Foto: Labus / FUNKE Foto Servises

Hella Witt betrachtet einige Objekte der neuen Ausstellung mit Arbeiten von Georg Overkamp, Horst Art und Frank Gebauer im Schaufenster von „Allerhand aus zweiter Hand“ auf dem Eigen. Foto: Labus / FUNKE Foto Servises

Bottrop.  Kunst aus erster Hand: DasSecond-Hand-Kaufhaus „Allerhand aus zweiter Hand“ auf dem Eigen zeigt jetzt Objekte, Skulpturen und Zeichnungen von Georg Overlamp, Horst Art und Frank Gebauer. Einiges ist auch außerhalb der Öffnungszeiten im Schaufenster zu sehen.

Wer derzeit das Kaufhaus „Allerhand aus zweiter Hand“ betritt, weiß zunächst nicht so genau, wohin der Blick wirklich schweifen soll. Denn die Objekte und Skulpturen, die Georg Overkamp und zwei seiner Künstlerkollegen dort zeigen, fügen sich durchaus ein in den Dschungel der Dinge, die einst in Bottroper Haushalten zu finden waren.

Denn so manche Vase aus Rubinglas aus den Sixties, Deko-Stücke der Nierentisch-Ära, bis hin zum wandfüllenden Wohnzimmerensemble im spätesten Jugendstil wurden auch als Objekte in Ehren gehalten. Jedenfalls so lange, bis sie in den Regalen von Martina Peukert landeten. Zum Glück, muss man sagen. Denn Vieles aus den ersten drei Nachkriegsjahrzehnten ist heute Kult - wenn es das Glück hatte, nicht auf dem Sperrmüll zu landen.

Kunst im Schaufenster

Auch der Bottroper Georg Overkamp setzt sich mit alten oder gebrauchten Dingen auseinander. Er verfremdet sie, setzt sie in neue Kontexte. So zum Beispiel ein alten Wanderschuh, der er als Skulptur neu goss und deren Gipsformen er nun als korrespondierendes „Bild“ in einen Rahmen fügte. Alte Ständer von verblichenen Wohnzimmerstehlampen werden ebenso zum Objekt, wie Holzstämme, die der Pfingststurm Ela herunter riss.

Ein maskenhaftes Gesicht aus Gips wächst aus einem groben Stamm. Eine andere Skulptur erinnert an einem Mann mit aufgerissenem Hemd. Overkamp verarbeitet dafür nur den Spalt, den die Natur dem Stamm zufügte. Fast surreal kommen langgestreckte Figuren daher. Mann und Frau, als Unterleib-Torso: mit Lack verstärktes Papier auf Holz reicht aus, den fragilen Beinen Stabilität zu verleihen.

Aber auch seine Kollegen Frank Gebauer und Horst Art sind in „Allerlei aus zweiter Hand“ vertreten. Art verwandelt zum Beispiel Fragmente von Häkeldeckchen in fragile Blumen und auch Gebauer verarbeitet Dinge, die ursprünglich einem gänzlich anderen Zwecke dienten. So wird zum Beispiel aus einer alten Farbenpalette der Resonanzboden einer Geige.

Ebenso frisch kam der musikalische Mix der Combo KaHtonGG daher, die mit Folk, Rock und Blues fast in der Zeit blieben, die auch den Schwerpunkt im Kaufhaus „Allerhand“ bildet. Die Formation mit Harald Bormann, Alfred Bohnen, Gero Wallenfang, Klaus Frintrop und Georg Overkamp ist bei Bottroper Oldie-Fans nicht unbekannt.

Einige Arbeiten von Overkamp, Art und Gebauer sind übrigens auch nach Geschäftsschluss zu sehen. Denn „Allerhand“-Inhaberin Martina Peukert räumte kurzerhand eines ihrer Schaufenster für die Ausstellung „eigenART“ frei.

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