Trendwende bei Selbstpflückern

Konrad Enbergs zeigt seine Pflückausbeute, Papa Hermann Josef schaut zu.

Konrad Enbergs zeigt seine Pflückausbeute, Papa Hermann Josef schaut zu.

Foto: omas Gödde / FUNKE Foto Services

Jahrelang ist die Zahl der Selbstpflücker auf den Erdbeerfeldern in Bottrop geringer geworden. Jetzt registrieren die Bauern eine Trendwende.

Der Anteil an Erdbeerfans, die ihre süßen Köstlichkeiten eigenhändig vom Feld pflücken, ist seit mehreren Jahren in Kirchhellen und Bottrop rückläufig. Das heben hiesige Landwirte mit Blick auf die Selbstpflücksaison hervor. Sie erkennen jedoch aktuell eine Trendwende. „Die eigene Ernte kommt wieder. Schließlich ist die Qualität derzeit super und es gibt wenig Schöneres, als bei gutem Wetter im Freien auf dem Feld unterwegs zu sein.“

Kunden pflücken weniger, aber öfter

Zudem würden die Kunden weniger an Kilogramm mitnehmen, dafür aber vermehrt auf den Höfen vorbeischauen. „Früher waren es zwei bis drei Kilo, die daheim eingekocht wurden. Nun ist es in der Regel ein Kilo oder eine Schale, deren Inhalt frisch auf den Tisch kommt“, erklärt Hermann-Josef Enbergs, der seinen Hof am Mühlenpatt hat. Die typische Hausfrau, die Marmelade aus Erdbeeren macht, gebe es nur noch selten.

Aktuell kämen vor allem alte Leute und junge Familien vorbei, die aus der Visite ein kleines Event machen würden. „Das ist nichts Schlechtes, wir freuen uns sogar darüber. Wir hoffen nur, dass sich noch mehr Erdbeerliebhaber für die Saison begeistern lassen.“ Diese ginge bei Enbergs noch bis Anfang Juli, für den Kilopreis von 3,90 Euro kämen Liebhaber von süßen Früchten ganz auf ihre Kosten.

Tiefpunkt ist überschritten

Auch Ulla Steinmann vom Hof Steinmann, dessen Team ein Selbstpflückfeld am Marienhospital und eines an der Gladbecker Hornstraße bewirtschaftet, bemerkt einen Wandel. „Es findet in den vergangenen Jahren ein Umschwung statt. Häufig nehmen Besucher nur noch kleine Mengen mit, dafür schauen sie häufiger bei uns vorbei. Vor drei oder vier Jahren gab es einen besonderen Tiefpunkt. Der Stand hat sich mittlerweile jedoch wieder stabilisiert.“ Die Flächen würden aus diesem Grund vorerst nicht geschlossen, aber auch nicht vergrößert.

Gruppen erhalten Erdbeerinfos

Ulla Steinmann hebt hervor: „Wir laden Kindergarten-Gruppen oder Schulklassen dazu ein, sich bei uns zu melden und ein eigenes Bild von den Feldern zu machen. Infos und Wissenswertes rund um die Erdbeere gibt es dann direkt vor Ort.“ Ein Besuch wäre in dieser Saison noch rund drei Wochen möglich.

„Versorgungspflücker nehmen ab, Erlebnispflücker nehmen zu. Vielen Eltern geht es vor allem darum, den Kindern etwas zu bieten und die Natur näher zu bringen“, erklärt Landwirt Eberhard Schmücker. Auch er glaubt, dass das Tief der vergangenen Jahre jetzt überwunden ist. „Das Pflücken kommt aktuell in anderer Form wieder. Wir versuchen uns darauf einzustellen, entsprechend dauert die Saison auch länger als sonst.“ Aus drei Wochen könnten nun fünf oder sechs Wochen werden.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben