Kultur

Tierisch gute Dichterlesung im Barocksaal von Schloss Beck

Elsbeth Müller von der Historischen Gesellschaft und Peter Pawliczek vom Heimatverein Kirchhellen bei der Lesung mit Musik im Schloss Beck.

Elsbeth Müller von der Historischen Gesellschaft und Peter Pawliczek vom Heimatverein Kirchhellen bei der Lesung mit Musik im Schloss Beck.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Kirchhellen.  „Allerlei Viecherei“ hieß das Motto der Dichterlesung mit Musik. Wieder einmal hatten Heimatverein und Historische Gesellschaft ein volles Haus.

Wer Literatur in einem stilvollen Ambiente erleben will, kommt zur jährliche Dichterlesung ins Barockschloss Beck. Bereits zum 17. Mal traf man sich auf Einladung der Historischen Gesellschaft und dem Verein für Orts- und Heimatkunde Kirchhellen am Dienstagabend zur traditionellen Lesung mit Musik Die Veranstaltung sei längst zu einem Selbstläufer geworden, stellte Peter Pawliczek nicht ohne berechtigtem Stolz im prall gefüllten Festsaal fest.

Zusammen mit Elsbeth Müller hatte Pawliczek für das zweieinhalbstündige Programm Zitate, Gedichtzeilen, Textausschnitte und Spruchweisheiten zum Thema „Allerlei Viecherei“ zusammengetragen und in Kategorien eingeteilt. Tierbezüge finden sich nicht nur in der klassischen Literatur, sondern auch in Musik, Fabeln, Märchen, Zirkus und vielen Redensarten, die „die Spatzen von den Dächern pfeifen.“

Am Anfang war die falsche Schlange

Selbstverständlich begannen die Moderatoren ganz am Anfang, mit der Bibel, dort taucht bereits beim Sündenfall im Paradies die „falsche“ Schlange auf, es gibt Tauben, Hirten und Schafe, Ochs und Esel. In Fabeln zeigen Tiere menschliche Schwächen auf,beispielsweise die Anfälligkeit für Schmeicheleien in „Der Rabe und der Fuchs“.

Den Tieren werden menschliche Eigenschaften zugewiesen: Esel sind dumm, Füchse schlau,Gänse eingebildet, Bienen fleißig, Schnecken lahm. In Märchen sind Tiere häufig vertreten, man denke an die Bremer Stadtmusikanten, Aschenputtel , Rotkäppchen oder der Wolf und die sieben Geißlein, wobei die Moderatoren den aktuellen Bezug zur Kirchhellener „Wolfsplage“ einflochten.

Ausdrucksstarke Bilder

Unsere Alltagssprache enthält ausdrucksstarke Bilder mit Tieren, es gibt den bunten Hund, die dumme Sau, das falsche Pferd, man „lässt die Katze aus dem Sack, gibt Butter bei die Fische, lässt die Hühner lachen oder hat den Tiger im Tank.“

Dichter aller Zeiten haben die Beziehung des Menschen zum Thema gemacht. Rilkes „Panther“ macht angesichts der Tierhaltung heute noch betroffen. Selbst zum früheren Bergbau gibt es den traurigen literarischen Bezug, das Pferd ist ein „Kumpel“ in Paul Zechs „Ballade vom Grubenpferd“. Die Moderatoren wechselten von Vorträgen und Lesungen zu witzigen und bissigen Dialogen, bei denen sie sich „die Würmer aus der Nase zogen“.

Textsichere Gäste

Auch das Publikum wurde wie immer aktiv einbezogen. Man sang begeistert „Auf zum fröhlichen Jagen“oder intonierte Sprechgesänge „auf der Mauer, auf der Lauer...“oder „ich wollt`ich wär`ein Huhn“. Textsicher ergänzten die Gäste Sprichwörter und Redensarten wie „ Eulen nach …, Elefant im …., Perlen vor …. oder den Letzten beißen ...“ Tiere gaben Fernsehserien ihren Namen: Lassie, Fury, Flipper.

Für die passende und stilvoll abgestimmte musikalische Untermalung sorgten erneut Diethild und Klaus aus Aachen, Anke Schmidt und Erich Schüttauf vom Zupforchester Kirchhellen an der Mandoline sowie Annabell Dornieden am Klavier Am Ende der „tierisch“ guten Veranstaltung wurde gemeinsam das Lied „Abendstille überall“ gesungen und das traditionelle Glas Rotwein, das „Kröseken“ kredenzt.

Zum Abschluss ein Zitat vom Mark Twain: „Weil Gott vom Affen enttäuscht war, schuf er den Menschen. Danach verzichtete er auf weitere Experimente.“

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