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Geplanter Badesee in Kirchhellen: Gutachten liegen bald vor

Die Abbaugrube oberhalb der Hiesfelder Straße (verläuft am unteren Bildrand) soll geflutet und zu einem Badesee werden. Im Hintergrund ist der Heidesee zu erkennen (Luftbild von 2017).

Die Abbaugrube oberhalb der Hiesfelder Straße (verläuft am unteren Bildrand) soll geflutet und zu einem Badesee werden. Im Hintergrund ist der Heidesee zu erkennen (Luftbild von 2017).

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Kirchhellen.  Die Stadt Bottrop bereitet das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren für den Töttelbergsee vor. Bis zum Badebetrieb-Start vergehen noch Jahre.

Bestes Sommerwetter, und die Ferien nahen. Wie schön wäre es da, im grünen Norden der Stadt einen See zu haben, in dem das Baden erlaubt ist, samt Strand und Liegewiese. Dies alles soll nach Willen der Stadt am Töttelberg ja auch kommen. Allerdings dürften bis zum Start des Badebetriebs an der Hiesfelder Straße noch einige Jahre ins Land gehen. „Im Moment bereiten wir das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren vor“, sagt Stefan Beckmann, Fachbereichsleiter Umwelt und Grün, zum Stand der Dinge.

Grundstücke gehören bereits der Stadt Bottrop

Die Grundstücke, die für den Betrieb des geplanten, dann knapp 15 Hektar großen Badesees notwendig sind, sind seit 2016 im Besitz der Stadt. Sie liegen nördlich vom geschützten Heidesee, in dem das Schwimmen verboten ist. „Für das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren sind umfangreiche Gutachten zu erstellen“, erläutert Beckmann. Dazu zählten zum Beispiel eine Umweltverträglichkeitsprüfung, eine Artenschutzuntersuchung sowie eine Untersuchung hinsichtlich der zu erwartenden Wasserqualität. „Diese sind alle relativ weit fortgeschritten, so dass wir davon ausgehen, dass in Kürze die ganzen Gutachten vorliegen werden“, so der Fachbereichsleiter. „Wir beabsichtigen den Ausschuss für Stadtplanung und Umweltschutz im Frühherbst über die Inhalte zu informieren“, voraussichtlich in der Oktober-Sitzung.

Wasserrechtliches Verfahren für Badesee soll noch 2019 starten

Beckmann hofft, dann im Laufe des Jahres mit dem wasserrechtlichen Verfahren anfangen zu können. Das sei relativ aufwändig, unter anderem würden auch die Bürger beteiligt. „Das Ganze wird ein bis zwei Jahre dauern.“ Das Verfahren sei notwendig, weil in der ursprünglichen Genehmigung kein See vorgesehen war; vielmehr sollte der Bereich der Kiesgrube verfüllt werden.

Die Firma Lore Spickermann kiest jetzt noch aus. „Teilweise wird noch Ton abgebaut, um die erforderlichen Tiefen zu erreichen“, so Beckmann weiter. „Anhand eines ökologischen Gutachtens erfolgt die Böschungsgestaltung.“ Bei vorgesehenen Anlagen wie einem Sanitärgebäude oder dem Parkplatz kommt noch ein Bebauungsplan ins Spiel.

Erst nach Abschluss des wasserrechtlichen Verfahrens gebe es Rechtssicherheit für den See. Vorher schon einen Betreiber zu finden, ist nach Beckmanns Einschätzung unmöglich. Dabei seien unterschiedliches Konstellationen vorstellbar: Neben der Stadt könnte der Regionalverband Ruhr einsteigen oder private Betreiber.

Nicht zuletzt muss der künftige Badesee ja auch noch geflutet werden. „Das ist im Moment rechtlich noch nicht möglich.“ Bis Mitte der 2020er Jahre werde es bis zum Schwimmvergnügen am Töttelberg sicherlich dauern – eine genaue Prognose möchte Beckmann aber nicht abgeben.

Das Lange Warten auf einen Badesee: Blick zurück

Als Bottrop und Kirchhellen 1976 heirateten, schloss man auch einen Ehevertrag. Ein wesentlicher Bestandteil der neuen Ehe war die Schaffung und Anlegung eines Badesee der ehemaligen großen Landgemeinde Kirchhellen. Geplant war unter anderem der Töttelbergsee, der den sommerlichen Druck auf den neuen Heidhofsee oder die doch recht gefährlichen, mit klarem Wasser gefüllten unzähligen Kirchhellener Baggerseen nehmen sollte.

Dabei gab es für den Raum Kirchhellen schon in den 1960er-Jahren ehrgeizige „Wasserpläne“, als der Kreis Dinslaken mit finanzieller Unterstützung des Landes einen Bereich der Kirchheller Heide erwarb. Hier war der „Wannsee des Reviers“ geplant. Zwischen Kirchhellen und Dinslaken sollte ein rund zwei Quadratkilometer großes Gewässer entstehen. Es war sogar ein „zweites Wedau“ im Gespräch, denn es war sogar ein Regattastrecke konzipiert. Doch dieses Vorhaben wurde nie in die Tat umgesetzt.

Mitte der 1970er Jahre wird der Heidhofsee eingeweiht

Ab 1973 übernahm dann der damalige KVR – heute RVR- diese Grüne Lunge im Herzen des Reviers, erwarb im Laufe der Jahre weitere angrenzende Waldgebiete, um daraus den Forststützpunkt Heidhof zu bilden. Die „Seenpläne“ blieben, dann Mitte der 1970er Jahre konnte zunächst der Heidhofsee eingeweiht werden, später kam der rund 30 Hektar große Heidesee hinzu. Zuvor hatten Kirchhellener und Dorstener Unternehmen diese Bereiche aber ausgekiest, den Kies und Sand aus Kirchhellen waren in verschiedenen Industriezweigen sehr begehrt.

Der heimische Bergbau sorgte dann ab 1990 für eine „Erweiterung“ der Kirchhellener Seenplatte. So entstanden durch vorher berechnete Bergsenkungen in der Heide zwei weitere Wasserflächen, die aber die Biotoplandschaft durchaus bereichern. Auf die vor 43 Jahren angekündigte Bottroper „Hochzeitsbeigabe“ - den Badesee – warten die Kirchhellener indes immer noch.

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