Raupenplage

Eichenprozessionsspinner: Starker Befall auch am Movie Park

Jetzt spinnen sie ihre Nester: Raupen des Eichenprozessionsspinners in Bäumen am Radweg der Bottroper Straße.

Jetzt spinnen sie ihre Nester: Raupen des Eichenprozessionsspinners in Bäumen am Radweg der Bottroper Straße.

Foto: Olaf Fuhrmann / Funke Foto Services GmbH

Kirchhellen.  Überall in Kirchhellen hängen die Nester, die Reizungen und Allergien auslösen können. Die Stadt Bottrop stöhnt: Es ist noch schlimmer als 2018.

Im Dorf sind sie derzeit gefühlt überall, die Raupen des Eichenprozessionsspinners. Derzeit spinnen sie sich in ihre Nester ein. Der Kontakt mit ihnen kann Reizungen und Atembeschwerden auslösen. Der Befall im Juni 2018 war schon schlimm, aber diesmal ist es noch heftiger, meldet der Fachbereich Umwelt.

Rot-weißes Absperrband mit der Aufschrift „Ordnungsamt Bottrop“ signalisiert in diesen Tagen: Hier sind die Viecher auch. An der Kreuzung Bottroper/Hauptstraße warnen Hinweisschilder, der großen Eiche besser nicht zu nahe zu kommen. Am Movie Park ist entlang der Warner-Allee die Eichenallee am Parkplatz Lohbraucksweg einen Kilometer lang abgesperrt.

Warnschilder am Movie Park aufgestellt

Auch unmittelbar am Haupteingang hängen die Nester über den Köpfen der Besucher. „Im Park selbst haben wir Warnschilder für unsere Besucher aufgestellt“, sagt Parksprecherin Ann-Katrin Dölken.

Dass es die Raupen und ihre Nester sogar an den Austragungsort der Bauernolympiade auf de Hof Steinmann geschafft haben, liegt am Klima, sagt Kai-Uwe Dahm vom Fachbereich Umwelt und Grün: „Besonders starke Populationen gibt es, wenn im Spätsommer bei der Eiablage trockenes Wetter mit wenig Wind herrscht. Das war 2018 der Fall.“ Der milde März hat ein Übriges getan, seufzt Dahm: „Für die Raupen kam die Wärme zum richtigen Zeitpunkt.“

Klagen und gute Ratschläge

Und so häufen sich in Kirchhellener Gruppen in sozialen Medien die Klagen: „Wir haben seit Wochen Hautausschläge.“ „Die Stadt kommt nicht nach.“ „Abgesperrt ist nichts.“.

Und die guten Ratschläge: Abstand halten. Cortisonsalbe hilft. „Abfackeln das Mistzeug.“ Oder auch: „Versuchs mal mit Haarspray.“

Stadt Bottrop: Wir sind „etwas überfordert“

Stimmt der Vorwurf, die Stadt komme nicht nach bei der Beseitigung der Nester? Ja, gibt Dahm zu. „Es ist richtig, dass wir mit dem starken Auftreten des Eichenprozessionsspinners etwas überfordert sind.“ Wie letztes Jahr arbeitet der Fachbereich eine Prioritätenliste ab. „An Kindergärten, Schulen oder Spielplätzen geben wir die Absaugung der Raupen an ein Fachunternehmen in Auftrag.“ Die wiederum sagen derzeit: Ab auf die Warteliste. Dahm: „Diese Betriebe haben natürlich im Augenblick gut zu tun und können auch nicht sofort reagieren.“

An Wegen, Plätzen, in Parks und Grünanlagen sperrt die Stadt die betroffenen Flächen mit Flatterband ab und warnt mit Hinweisschildern. Mehr geht nicht, sagt Dahm: „Eine Absaugung ist hier aus zeitlichen und finanziellen Gründen nur in Ausnahmefällen möglich.“

Problemfall Bottroper Straße

Besonders stark befallen ist wie im vergangenen Jahr die Bottroper Straße zwischen Glaserhüttenheide und Brabecker weg. Hier säumen die Eichen den Radweg zur Gregorschule.

Nester auch in Reichweite von Kindern

Zudem sind die Nester in diesem Jahr nicht nur oben am Baumstamm, sondern auch unten in Reichweite von Kindern, sagt SPD-Ratsherr Markus Kaufmann. Das Problem: Die Stadt kann hier nicht selbst tätig werden, weil für die Bottroper Straße der Landesbetrieb Straßen NRW tätig ist. Und auch der steckt schon im Auftragsstau, sagt Peter Beiske, Sprecher der Bochumer Niederlassung. Die Stadt hat den Landesbetrieb, sagt Dahm, „auf die Gefahrensituation aufmerksam gemacht.

Markus Kaufmann, selbst Garten- und Landschaftsbauer, hat sich letzten Juni selbst einen Spezialsauger besorgt und nach eigenen Angaben bis zu 200 Nester abgesaugt. Er will auch dieses Jahr wieder angreifen, stößt aber auf Widerstand bei seinen Mitarbeitern. Trotz Schutzkleidung und Masken „haben die reichlich Angst vor den Raupen bekommen“, berichtet er. Ein Mitarbeiter habe ein halbes Jahr über Kurzatmigkeit geklagt.

Gift hat gut funktioniert

Aber es gibt auch eine gute Nachricht. In diesem Jahr hat die Stadt im Mai vorsorglich an besonders gefährlichen Stellen Gift auf befallene Bäume gesprüht. Das hat „gut bis sehr gut“ funktioniert, sagt Dahm: „Die behandelten Bäume sind weitestgehend frei von Raupen.“

Stadt Bottrop sprüht Gift gegen Eichenprozessionsspinner
Stadt Bottrop sprüht Gift gegen Eichenprozessionsspinner

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