Vor Gericht

Ex-Tschetschenien-Kämpfer schlug sich mit Drogenhandel durch

Der Angeklagte zwischen seinen Verteidigern Kathrin Klaiber und Siegmund Benecken vor dem Landgericht in Essen.Foto:Jörn Hartwich

Der Angeklagte zwischen seinen Verteidigern Kathrin Klaiber und Siegmund Benecken vor dem Landgericht in Essen.Foto:Jörn Hartwich

Bottrop / Essen.   59-jähriger Mann aus Bottrop muss für fünf Jahre ins Gefängnis. Fahnder fanden Heroin, Waffen und Bargeld. Der Hinweis kam aus der Nachbarschaft.

Als Fahnder im November die Wohnung eines 59-jährigen Bottropers durchsuchten, trafen sie auf Heroin, Bargeld und Waffen. Am Freitag ist der Drogenhändler zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.

Es war der Hinweis einer Anwohnerin, die die Polizei auf die Spur des groß gewachsenen Mannes mit den grauen Haaren brachte. In dessen Wohnung an der Prosperstraße gingen ständig Leute ein und aus, hieß es. Und zwar solche, die sonst an einem nahen Supermarkt herumlungern würden.

Polizei stößt auf durchgeladene Schreckschusspistole

Der Tipp war ein Volltreffer. Auf dem Wohnzimmertisch, in einer

Schublade, hinter einem Kissen auf dem Sofa, in einer Jackentasche: überall fand sich Heroin. Und nicht nur das. Die Polizei stieß auf eine bereits durchgeladene Schreckschusspistole, auf Munition und auf zahlreiche Messer. Alles griffbereit. „Die Wohnung war wie eine Festung“, sagte Richterin Jutta Wendrich-Rosch bei der Urteilsbegründung. Bargeld war ebenfalls versteckt – knapp 10.000 Euro.

Der Angeklagte war Anfang der 2000er-Jahre nach Deutschland gekommen. Vorher hatte er im Tschetschenien-Krieg auf Seiten der Rebellen gekämpft, bei den Auseinandersetzungen in dieser Zeit auch beide Elternteile verloren.

Der Flucht nach Deutschland folgt der Abstieg

Er sei ein hochintelligenter Mann, hieß es von seinen Verteidigern. Er habe eigentlich Regisseur werden wollen, das Studium durch den Krieg aber abbrechen müssen. Nach seiner Flucht nach Deutschland dann der Absturz. Fortan bestimmte Heroin den Tagesablauf des heute 59-Jährigen. Seinen Konsum finanzierte er durch den Verkauf.

Im Prozess vor dem Essener Landgericht hatte der Angeklagte ein Geständnis abgelegt, seine Lieferanten allerdings verschwiegen. Wegen seiner hochgradigen Abhängigkeit muss er einen Teil der Strafe in einer geschlossenen Therapieeinrichtung verbringen.

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