Einzelhandel

Die Bottroper Innenstadt ist besser als ihr Ruf

Mensing-Geschäftsfüherr André Gunselmann in einem Besprechungsraum in dem Bottroper Mensing-Haus. Im Hintergrund hängt ein Portrait des Firmengründers Wilhelm Mensing.

Mensing-Geschäftsfüherr André Gunselmann in einem Besprechungsraum in dem Bottroper Mensing-Haus. Im Hintergrund hängt ein Portrait des Firmengründers Wilhelm Mensing.

Foto: Olaf Fuhrmann / Funke Foto Services GmbH

Bottrop.  Mensing-Geschäftsführer André Gunselmann sieht die Stadt nicht so schlecht, wie sie teils gemacht wird. Ein Interview über Stärken und Schwächen.

Seit Jahrzehnten ist das Modehaus Mensing eine feste Größe in der Bottroper Innenstadt. Das Traditionsunternehmen ist aber auch in sieben weiteren Städten in NRW und Niedersachsen vertreten. Ein Gespräch mit André Gunselmann (55), geschäftsführender Gesellschafter der Mensing-Holding, über die Bottroper Innenstadt aus der Sicht des Geschäftsmanns und darüber, wie sich der stationäre Einzelhandel gegen die Konkurrenz aus dem Internet behaupten kann.

Wie schätzen Sie die Situation der Bottroper Innenstadt ein?

Aus meiner Sicht gibt es die Neigung, die Stadt ganz schnell schlecht zu reden. Aber das deckt sich nicht mit unseren Erfahrungen. Die Innenstadt ist besser als sie vielfach dargestellt wird. Das können wir an unseren eigenen Zahlen sehen. Im den Jahren zwischen 2014 und 2017 haben wir unseren Umsatz um 30 Prozent gesteigert. In diesem Zeitraum haben wir in Bottrop investiert und den Ladenbau modernisiert. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass die Stadt Potenzial hat. Unsere Kundendaten sagen uns, dass viele Kunden von auswärts zu uns kommen. Die Kaufkraft ist dementsprechend ausreichend für ein belebtes Stadtzentrum.

Die Moses-Insolvenz aber war ein Rückschlag?

Das fing ja schon mit Karstadt an, natürlich ist ein 10.000-Quadratmeter-Leerstand mitten in der Stadt nicht wünschenswert. Aber Moses war ja nur ein Strohfeuer und mein Eindruck ist, dass der Blick auf die Stadt dadurch noch schwärzer geworden ist. Nur: Nach dem Moses-Aus hat sich ja im Vergleich nichts verändert zu der Zeit nach dem Karstadt-Aus. Wir hätten uns für die Belebung der Innenstadt ergänzende Sortimente gewünscht. Schön wäre ein Anbieter von Unterhaltungselektronik oder noch ein Sportartikelhändler in der Stadt. Aber wir haben auch keine Angst vor textilen Konkurrenten wie TK Maxx oder Adler. All das sind ja Namen, die schon mehrfach gefallen sind. Und noch einmal, das Potenzial in der Stadt ist da, man muss es nur richtig machen.

Was heißt denn richtig machen?

Möchte man heute noch Menschen zum stationären Einkauf bewegen, muss man ein emotionales Erlebnis bieten.. Wir sind beim Design und bei der Ausstattung unseres Modehauses auf die Stadt eingegangen. Das ist ja nicht nur das Bergbau-Thema, sondern auch unser Green-House, das den grünen Teil der Stadt symbolisieren soll. Dieses Eingehen auf die Stadt, dieses Individuelle versuchen wir an allen Standorten umzusetzen. In unserem neuen Haus in Velbert geht es um das Thema Schlüssel, da Velbert die Stadt der Schlösser und Schlüssel ist. In Rheine haben wir uns das Leitmotiv Städtereisen ausgesucht. Die Kunden merken eben, dass wir uns mit unseren Standorten auseinandersetzen. Unsere Store-Manager sind in den Standorten aktiv und integriert. Wir sehen uns mit unseren acht Häusern nicht als Filialist, sondern als Modehaus am jeweiligen Standort.

Ist das auch eine Möglichkeit, sich in Zeiten des Internethandels eine Nische zu schaffen?

Online läuft vor allem das Einzelteilgeschäft. Wer eine Bluse oder etwas bestimmtes sucht, der findet dies im Internet. Dort ist die Auswahl logischerweise viel größer als vor Ort. Aber unser Ziel ist es, den Menschen einen individuellen Look zu zeigen. Sie sollen typgerecht beraten werden. Dabei geht es auch um das persönliche Gespräch. Inzwischen stehen viele Kolleginnen und Kollegen auch mit Kundinnen und Kunden per Whats-App in Kontakt. Trifft dann ein Stück ein, was passend sein könnte, schickt sie ein Foto. Nur ist das alles kein Hexenwerk, eine gute Verkäuferin hat das schon immer so gemacht, früher hatte sie dafür einen Karteikasten mit Adressen und Notizen. Als Einzelhändler verkaufen wir erst ganz am Schluss Kleidung. Vorher schaffen wir ein Einkaufserlebnis inklusive Atmosphäre, Getränkeangebot, Verweilgelegenheiten – und vor allem geschultem und emphatischem Personal. Wir möchten ein Erlebnis bieten, das es im Internet so nicht gibt.

Wird der Internethandel die Städte denn nicht weiter verändern, vielleicht weg von Handel hin zu mehr Wohn- und Dienstleistungsangeboten?

Es ist schwierig, so weit in die Zukunft zu blicken. Es wird Veränderungen geben, aber ich glaube nicht, dass am Ende nur noch die ganz großen Zentren und Filialisten überleben. In meiner Wahrnehmung ist es sogar eher so, als hätten die großen Formate aktuell auch die größeren Probleme. Auf die Menschen wirkt das oft beliebig und austauschbar. Wir konzentrieren uns auf die Mittelstädte. Dort haben die Menschen eine emotionale Nähe zu ihrem Wohnort. In die großen Städte werden wir nicht gehen, dann müssten wir unser Konzept verändern. Wichtig ist, dass sich die Menschen in der Stadt wohlfühlen und ihnen attraktive Angebote gemacht werden.

Mit dem Feierabendmarkt, dem Super-Samstag oder anderen Veranstaltungen, geht das in die Richtung, die Sie meinen?

Ja, eindeutig, der Feierabendmarkt ist eine Bereicherung für die Stadt. Solche Veranstaltungen geben den Menschen in der Stadt ein gutes Gefühl, es stärkt die Verbundenheit mit ihrer Stadt. Und wer sich seiner Stadt verbunden fühlt, der geht am Ende hier einkaufen. Es gibt viele gute Initiativen etwa von Holger Czeranski und Dennis Bröhl hier in der Stadt. Aber auch was Oliver Helmke mit der Gastromeile angestoßen hat, macht die Stadt attraktiver und stärkt das Wir-Gefühl.

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