Traditionsverein

Der neue Chef der Plattdütschen kann alles – nur kein Platt

Oliver Rüdel wurde im Januar zum neuen Vorsitzenden der Plattdütschen ut Waold und Hei  gewählt.

Foto: Heinrich Jung

Oliver Rüdel wurde im Januar zum neuen Vorsitzenden der Plattdütschen ut Waold und Hei gewählt. Foto: Heinrich Jung

Bottrop.   Oliver Rüdel wurde im Januar zum neuen Vorsitzenden der Plattdütschen ut Waold und Hei gewählt. Der Traditionsverein wird dieses Jahr 65.

Die Plattdütschen ut Waold und Hei kommen 2017 ins Rentenalter – und wollen noch mal so richtig durchstarten. „Wir brauchen Nachwuchs“, sagt Oliver Rüdel, der im Januar als Vereinsvorsitzender die Nachfolge von Thomas Schulte-Zweckel angetreten hat, des langjährigen Vereinsvorsitzenden und Karnevalspräsidenten. Das Programm des Fuhlenbrocker Traditionsvereins soll jünger, die Vorbereitung und Planung auf mehr Schultern verteilt werden. Und die Plattdütschen sind jetzt bei Facebook.

Das ist Christoph Emschermann zu danken: „Wir haben ein jüngeres Mitglied für den Vorstand gewinnen können“, freut sich Oliver Rüdel über den Neuzugang, der obendrein noch IT-Spezialist sei und auch schon die Homepage des Vereins aufgemöbelt hat. Er wurde zum neuen Karnevalspräsidenten gewählt und wird die Plattdütschen erstmals in der kommenden Session anführen. Dafür soll ein junges Prinzenpaar her: „Eine junge Prinzessin haben wird schon ausgeguckt, jetzt brauchen wir nur noch den Prinzen“ , sagt Rüdel, der anders als sein Vorgänger keinesfalls die Doppelfunktion Vorsitz und Präsident übernehmen wollte.

Eigentlich wollte er nicht mal Vorsitzender werden, hat dann aber schließlich aus Überzeugung Ja gesagt. „Das Durchschnittsalter ist 65“, sagt der 53-Jährige mit Blick auf die anderen Mitglieder, 69 das älteste Vorstandsmitglied. Und im übrigen setzt er mit seinem Engagement nun auch eine Familientradition fort. 1952 war nämlich sein Vater einer der Mitgründer der Plattdütschen. Als Kind hat Oliver Rüdel viele Martinszüge miterlebt, aber dann war lange Pause – bis 2009. Da besuchte er erstmals wieder eine Veranstaltung der Plattdütschen und blieb dabei. Ein Glück, dass eine frühere „Vorschrift“ für die Mitgliedschaft inzwischen gelockert wurden: „Ich kann kein Platt“, gesteht Rüdel. Seit 2010 sitzt er in verschiedenen Funktionen im Vorstand, zuletzt als „Säckelmester“ (Schatzmeister).

Eine Arbeit, die der Verein inzwischen teilweise einem Steuerberater übergeben hat. „Die Aufgabe ist so komplex geworden“, klagt er über die vielen Paragrafen, Vorschriften und Abgaben, die von Laien kaum noch zu durchschauen seien. Ein Problem, mit dem im übrigen alle Vereine zu kämpfen hätten. Dazu kommt noch die übrige Bürokratie, die nötig ist, damit eine Veranstaltung überhaupt stattfinden darf. „Wir sind alles Ehrenamtliche“, sagt Oliver Rüdel und denkt an benötigten Anträge und Genehmigungen.

Im Herbst wird gefeiert

Gegründet wurden die Plattdütschen ut Waold und Hei 1952 mit der Idee, für Hilfsbedürftige da zu sein. „Wir verfolgen das Ziel, an den Stellen zu helfen, an denen die Not am größten ist“, heißt es auf der Homepage. Die wichtigsten Projekte sind heute Karneval und Osterfeuer – wohl das größte in Bottrop, sicher aber das höchste – auf der Halde Haniel, das jedes Jahr 800 bis 1200 Besucher auch aus der Umgebung anlockt. Rüdel hofft, dass das Feuer auf der Halde bleiben kann, auch wenn der Bergbau geht. Die Feier zum 1. Mai im Fuhlenbrock, ein weiterer Höhepunkt im Jahr neben Plattdütschem Gottesdienst.

Der soll in diesem Herbst in St

. Bonifatius auch dazu genutzt werden, um das 65-jährige Vereinsbestehen würdevoll zu feiern. „Plattdütsch war mal Amtssprache“, schmunzelt Oliver Rüdel, der heute nicht der einzige im Verein ist, der kein Platt kann. „Vielleicht können wir ja bei der VHS einen Kurs initiieren.“ Keine schlechte Idee, wo man doch Nachwuchs mobilisieren möchte. . .

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