Fridays for Future

Bottroper Schüler demonstrieren am Freitag für Klimaschutz

Die Bottroper Fridays-for-Future-Gruppe bereitet die Demonstration vor. Im Bild: Nico Zieleinski, Jessica Lee, Sven Hermens, Vanessa Piontek und Jannis Baltes.

Die Bottroper Fridays-for-Future-Gruppe bereitet die Demonstration vor. Im Bild: Nico Zieleinski, Jessica Lee, Sven Hermens, Vanessa Piontek und Jannis Baltes.

Foto: Thomas Gödde

Bottrop.   Die Demonstration der jungen Klimaschützer beginnt um 12 Uhr auf dem Berliner Platz. Im Spielraum gibt es ab 15 Uhr eine Podiumsdiskussion.

Bottroper Schüler wollen am kommenden Freitag, 15. März, für den Klimaschutz demonstrieren und die Schule schwänzen. „Die Stifte nieder und die Fäuste hoch“, fordert Sven Hermens, Sprecher der örtlichen Fridays-for-Future-Bewegung. Auf den Termin haben sich die jungen Klimaschützer weltweit verständigt hat, um ein geschlossenes und deutliches Zeichen zu setzen. Erstmals findet eine solche Demonstration nun auch in Bottrop statt.

Nach dem Vorbild der jungen Schwedin Greta Thunberg gehen in Deutschland jeden Freitag Schüler auf die Straße, um für besseren Klimaschutz zu demonstrieren. Manchmal schwänzen bis zu 50.000 Schüler alleine in Deutschland gleichzeitig die Schule. Ihre Forderung lautet: „Rettet unsere Zukunft!“ Am Freitag um 12 Uhr sammelt sich die Demonstration in Bottrop am Berliner Platz. Es wird fest eingeplante Reden und Kulturbeiträge geben. Darüber hinaus erhält jeder interessierte Schüler die Möglichkeit, seine Forderungen und Meinungen vor der Menge auszudrücken.

Am Scheideweg zwischen Leben und Sterben

„Wir rufen sämtliche Schüler und Studenten aus Bottrop auf, an diesem Freitag die Arbeit niederzulegen, um für unsere gemeinsame Zukunft zu demonstrieren“, sagt Vanessa Piontek (15), eine der Organisatorinnen des Bündnisses. Sie ist Oberstufenschülerin des Heinrich-Heine-Gymnasiums. Im Anschluss an die Demonstration, die international unter dem Zeichen der Verkehrswende stehen soll, laden die Bottroper Schüler um 15 Uhr zu einer Podiumsdiskussion in den Spielraum an der Prosperstraße ein. Über den Klimaschutz werden dort Politiker, Lehrer, Schüler und Wirtschaftsvertreter debattieren.

„Wir meinen es wirklich ernst und das wollen wir auch nach außen tragen.“, stellt Piontek entschlossen fest. „Unsere Forderungen sind ganz klar: Wir wollen besseren und günstigeren ÖPNV, den Kohleausstieg 2025 und erhebliche Investitionen in erneuerbare Energien und Zukunftstechnologien. Die Notwendigkeit der Fridays-for-Future-Bewegung sei nicht mehr von der Hand zu weisen, meint Sven Hermens. Den Rekordsommer in 2018 bezeichnet er als deutliche Mahnung der Natur. Hermens: „Wir stehen an einem Scheideweg, an dem wir uns jetzt entscheiden müssen zwischen Leben oder Sterben.“

Schüler halten Kohleausstieg jetzt für zwingend nötig

Für die Entscheidungen der Bundesregierung fehlt den Bottroper Schülern jedes Verständnis. In ihren Augen braucht es in den nächsten Jahren zwingend einen Kohleausstieg. Im einer internen Umfrage haben sich die Schüler auf die Forderung nach 2025 als Datum für den endgültigen Kohleausstieg geeinigt. „Das schließt für uns natürlich ein, dass die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Denn die benötigte Braunkohle aus anderen Ländern zu importieren, nachdem sie hier nicht mehr abgebaut werden darf, wäre ein unlogischer Schritt“, findet Gymnasiast Jannis Baltes.

Die NRW-Landesregierung solle sich für einen flächendeckend verfügbaren Nahverkehr stark machen. Gerade außerhalb der Großstädte sei dieser absolut unattraktiv. Dies führte dazu, dass ein riesiger Anteil der Menschen auch für Strecken, auf denen das eigentlich nicht nötig sein sollte, das Auto nutzen. Der Nahverkehr müsse zudem erheblich günstiger werden. Stattdessen erhöhe die Bahn jährlich die Preise und Azubis sollen für eine Monatskarte ab August 2019 80 Euro bezahlen. „Man stelle sich den Azubi mal vor, der genug verdient, um selbstständig zu leben in eigener Wohnung und sich dann monatliche Mehrausgaben von 80 Euro für ein solches Ticket leisten kann. Den gibt es de facto nicht“, urteilt Azubi Sven Hermens. „Deshalb ist die Frage nach Klimaschutz auch immer eine soziale Frage. Denn wenn sich die durchschnittliche Bevölkerung gar nicht leisten kann, umweltfreundlich zu leben, erreichen wir nie etwas“, meint er.

Kritik am Land fürs Vorgehen im Hambacher Forst

Die jungen Klimaschützer kritisieren die Landesregierung auch für ihr Vorgehen im Hambacher Forst scharf. Es müsse endlich Schluss sein mit der Vertreibung der Menschen aus den umliegenden Dörfern und der Abholzung der Wälder. Die Braunkohle sei am Ende und man brauche den Tagebau Hambach nicht mehr länger auszuweiten, üben die Schüler Kritik.

Die Jugendlichen haben noch einen ganz konkreten Vorschlag: Firmen sollten für ihren Schadstoffausstoß bezahlen müssen. Dazu sollten Firmenchefs „möglichst teuer“ beispielsweise bei der Europäischen Union ein Zertifikat erwerben müssen. Das soll die Firmenchefs dazu anhalten, verstärkt in Umweltschutzmaßnahmen zu investieren. Die daraus gewonnenen zusätzlichen Gelder in der Staatskasse sollten ausschließlich für klimapolitische Maßnahmen und Forschung an Zukunftstechnologien verwendet werden.

Kritik am Schulschwänzen dient nur der Diffamierung

Auf die Konfrontation mit dem Vorwurf, es ginge den meisten da nur ums Schulschwänzen, regieren die Vertreter des Bottroper Schülerbündnis gelassen: Das seien nichts weiter als haltlose Versuche sie zu diffamieren, damit man sich nicht mit unseren Inhalten auseinandersetzen müsse. „Wir können froh sein, dass sich Greta damals für diese Art von Protest entschiedenen hat, weil wir ansonsten wahrscheinlich nicht weltweit eine ganze Generation auf den Straßen hätten“, findet Vanessa Piontek lobende Worte auf die Galionsfigur der Bewegung. Gut 50 Jahre nach den Protesten der 68er Generation stehe nun endlich wieder eine ganze Jugend gegen Verantwortungslosigkeiten in der Politik gemeinsam auf .

„Ich schließe meine Rede zu diesem Thema immer am liebsten mit dem Vergleich, als würde die Politik ihr eigenes Haus anzünden und dann ein Nickerchen in dem brennenden Haus machen. Nur dass sie eben nicht ihr eigenes Haus anzünden, sondern die Häuser ihrer Kinder und Enkel“, gibt Sven Hermens zu Protokoll. Dass die Jugendlichen für ihren Protest die Schule schwänzen sei auch ein gerechtfertigter Ausdruck zivilen Ungehorsams, finden die Bottroper Schüler. Von den Lehrern erhalten die meisten Unterstützung.

Jugendliche wollen Generationswechsel in Regierung

Ihre Freiheit sei in Gefahr. Ihr Planet werde zerstört, das Internet werde zensiert und rassistische wie sexistische Gewalt nehme zu, kritisieren die Schüler. Sie stehen für eine freiheitliche und demokratische Gesellschaft ein, die die Lebensgrundlagen für alle sichere und die Würde für Natur, Umwelt und Tier wahre, versichern sie. Sie seien fest davon überzeugt, dass sie nicht aufzuhalten seien, wenn sie weiterhin geschlossen zusammenstehen. Die Zeiten wandelten sich. Lange genug hätten dieselben alten Köpfe regiert, fordern sie einen Generationswechsel in den Regierungen.

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