Bochum kulinarisch

WAZ-Testesser lassen auf der Gourmet-Meile nichts anbrennen

Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum.  Noch bis Sonntag werden bei „Bochum kulinarisch“ die Öfen angeheizt. Wie hat's geschmeckt? Sind die dargebotenen Speisen ihren Preis wert? Fünf WAZ-Leserbeiräte waren als Testesser unterwegs und haben kritisch in die Töpfe und Pfannen der Gastronomen geschaut.

„Darauf ein Bier!“ Hugo Fiege höchstpersönlich kredenzt den Beiräten nach getaner Arbeit fünf frisch gezapfte Helle. Die WAZ-Leserinnen und -Leser nehmen einen tiefen Schluck. „Tut gut nach dem vielen Essen“, sagt Dietmar Vogt.

Bochum tischt auf. Seit Mittwoch steht der Boulevard wieder unter Volldampf. Zum 24. Mal heizt die Créme de la Créme der heimischen Gastronomie unter freiem Himmel die Öfen an. Schon zur Eröffnung herrschte reger Andrang. Und die Wettervorsage für die folgenden Feier-Tage könnte kaum verheißungsvoller sein: Bis Sonntag werden Zehntausende über die Flaniermeile bummeln und es sich an und in den Zelten der 17 Lokale (so viele wie nie) aus Bochum, Hattingen und Witten schmecken lassen.

Lange Wartezeiten

Klar: Essen ist Geschmackssache. Doch: Sind die Speisen bei „Bochum kulinarisch“ ihren Preis wert? Gibt es Tops, gibt es Flops? Die WAZ bat ihre Leserbeiräte zur Kostprobe. Im Juni war der neue Beirat gegründet worden. Aus über 100 Bewerbungen (Danke an alle, die mitgemacht haben!) wurden zehn Leserinnen und Leser ausgewählt. In den nächsten zwei Jahren stehen sie der Redaktion mit Rat und Tat, Ideen und Kritik zur Seite.

Fünf Leserbeiräte standen am Mittwochnachmittag zum ersten WAZ-Einsatz bereit. Zum Auftakt des Schlemmfestivals betätigten sich Katja Irrmischer, Wolfgang von Lengerke, Ulrike Mähl, Philipp Rentsch und Dietmar Vogt als Testesser. Jeder Leserbeirat hatte die Aufgabe, an jeweils drei bis vier zuvor ausgelosten Ständen ein Gericht zu bestellen und zu bewerten. Der Plan, den Mampf-Marathon binnen einer Stunde zu bewältigen, ging schief. Dazu waren die Schlangen und Wartezeiten vor manchen Zelten zu lang. Mit Verspätung war das Nasch-Werk am frühen Abend gleichwohl vollbracht. Alle 17 Restaurantangebote waren dem WAZ-Leser-Chech unterzogen worden.

Wer prüfen will, ob die Leserbeiräte bei ihren subjektiven Bewertungen richtig liegen: „Bochum kulinarisch“ ist von Donnerstag bis Samstag von 12 bis 24 Uhr, am Sonntag (Familientag) von 12 bis 21 Uhr geöffnet.

Testesserin Ulrike Mähl 

Tucholsky: Filetpfanne für 7,50 €, Preis ok für die Menge, aber die Speisen sind nicht gewürzt, laff, die Kartoffeln nicht kross sondern in Fett durchweicht. Sehr lange Wartezeiten.

Altes Brauhaus Rietkötter: Nordischer Vorspeisenteller zwar lecker, für 8,50 € aber zu teuer. Viel Salat-Garnitur, Bedienung nordisch herb, kurze Wartezeit.

Takeshi: Oushi Zushi 6,50 €, sehr gut, frisch, mittlere Wartezeit, sehr freundliches Personal. Portion hatte eine ausreichende Größe. Sehr zu empfehlen!

Testesser Dietmar Vogt 

Waldesruh: Die Kalbsbratwürstchen mit Stielmus sind ein Gaumenschmaus, aus meiner Sicht ein voller Erfolg. Jedoch sollte man den Senf bei diesem Gericht getrost weg lassen.

Pablo: Das Schweinefilet im Serrano-Mantel ist auf den Punkt gebraten, gefällige Anordnung auf dem Teller, spanische Mentalität. Dieser Stand ist ein Muss.

Diergardts Kühler Grund: „Kalbsfrikadellen auf dem Laufsteg“ bestellt. Viele Passanten verfolgen mich mit ihren Augen. Das liegt wohl an der kreativen Anordnung mit liebevoll gemachtem Kartoffelsalat und zwei Sorten Senf.

Testesserin Katja Irrmischer 

Strätlingshof: Perfekt gegartes, sehr leckeres Fleisch, jedoch für eine solche Veranstaltung erheblich zu teuer. Nur ein Fischgericht zur Auswahl.

Caruso: Sehr ansprechende Aufmachung mit mit großen Rosensträußen. Große Bandbreite an Geschmacksrichtungen. Sehr gutes Essen zu einem sehr vernünftigen Preis.

Kümmel Kopp: Zu kleine Portion für einen relativ teuren Preis. Auswahl jedoch sehr gut.

Herr B.: Etwas für den verwöhnten Gaumen. Außergewöhnliche Kreationen, sehr schön angerichtet. Man ist selbst hier um perfekten Service bemüht. Auswahl guter Weine.

Testesser Wolfgang von Lengerke 

Haus Kemnade: Das Fischfilet Pangasius (auf der Karte wurde Wels angeboten) ist glasig und perfekt, würzige Panade, zu empfehlen für Gäste mit Sinn für Fisch ohne allzu hohen Anspruch, beachtlicher Preis (8 €).

Vitrine: Gebratene Putenstreifen und Scampis 6,50 €, Fleischklöße und Pilzrahmsauce 6,50 €, Tagliatelle, leckere Sauce, gute Pilze: gute Grundlage, um satt zu werden. Ehrliches Angebot, empfehlenswert.

Oekey: Tolle Ente, gerade richtig zartrosa, frisches Gemüse: feinschmeckertauglich, mein Favorit!

Testesser Philipp Rentsch 

Livingroom: Exzellent zubereitete Jakobsmuscheln mit einer passenden Madras-Curry-Sauce; geschmackvolle Saltimbocca von der Truthahnbrust auf Risotto. Zu beanstanden gibt es hier nichts.

Orangerie am Stadtpark: Geschmacklich gibt es wenig auszusetzen. Die Würstchen sind nahezu perfekt gebraten. Nur vom versprochenen Knoblauchanteil beim Kartoffelpüree ist kaum etwas zu schmecken.

Hoppe`s sinn.esslust: Mit reichlichen Beilagen wie Garnelen und Kirschtomaten treffen die Linguinen meinen Geschmack.

Gasthaus Weiß: Pluspunkt an den schnellen Service, der einen optisch durchwachsenen, aber gut temperierten und geschmacklich einwandfreien Blaubeer-Pfannekuchen bietet.

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