Finanzierungswege

Unternehmen lassen sich durch Internet-Schwarm finanzieren

Auf der Weinmesse wurde „Glück auf Küwee“ das erste Mal als Wein aus Bochum präsentiert. Finanziert wurde er durch Crowdfunding.

Auf der Weinmesse wurde „Glück auf Küwee“ das erste Mal als Wein aus Bochum präsentiert. Finanziert wurde er durch Crowdfunding.

Foto: FUNKE Foto Services

Bochum.   So genanntes Crowdfunding wird immer beliebter. Auch in Bochum. Doch nur den wenigsten gelingt es, ausreichend Projekt-Unterstützer zu finden.

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Drei Tage lang muss Jürgen Socha noch zittern. So lange läuft seine Crowdfunding-Kampagne auf www.kickstarter.com noch. Sie soll ihm 20.000 Euro einbringen, finanziert durch den „Schwarm“. Schwarmfinanzierung, so wird Crowdfunding im Allgemeinen ins deutsche übersetzt. Auf dieser und vielen ähnlichen Plattformen kann jeder Internetnutzer Projekte finanziell unterstützen und ihnen so zur Geburt verhelfen. Die Auswahl dabei ist riesengroß, es gibt praktisch nichts, was es nicht gibt: Theater, Musik, Gastronomie, Kreatives, Soziales. Oder eben Design, wie bei Jürgen Socha. Im Sommer 2014 hatte der 63-Jährige, der seit den 1980er- Jahren Handy- und Laptoptaschen entwarf, in Bochum ein neues Unternehmen explizit für Damenhandtaschen gegründet, das seinen Namen trägt.

Viele scheitern

Leicht, robust und dabei formschön, das ist sein Ansatz. Jetzt, so schreibt er auf kickstarter.de, möchte er die Plattform nutzen, um die Marke „noch größer, noch stärker und noch internationaler zu machen“. Die Produkte seien zu schnell ausverkauft, um nachzuproduzieren brauche es Kapital. Zwei Unterstützer hat er bisher, die 150 Euro spendeten. Zum Dank dafür bekommen sie eine Taschen. Allerdings nur, wenn innerhalb der verbleibenden Zeit die fehlenden 19.850 Euro zusammen kommen. Falls nicht, bekommen sie ihr Geld zurück. Das ist das Grundprinzip, nach dem die Plattformen betrieben werden.

Die Zahl der Projekte aus Bochum, die sich dort präsentieren, ist überschaubar. Von denen, die es wagen, scheitern viele. Zum Beispiel Víctor García Pavón, der auf www.starnext.de für sein Projekt „Sincubierto“, den Aufbau eines Vertriebs veganer südamerikanischer Teigtaschen warb. Zwischen dem 6. Juni und dem 8. August kamen 1225 Euro zusammen, 10.000 Euro wären Fundingziel gewesen.

Oder „Freizeitcafé – das wirklich soziale Netzwerk.“ Im Juni als Homepage (www.freizeitcafe.com) an den Start gegangen, hat sich das Projekt zum Ziel gesetzt „Freizeithungrigen in Bochum und ganz NRW konkrete Freizeit- und Treffmöglichkeiten abseits der virtuellen Welt zu zeigen und lokales Miteinander zu fördern“, sagt Christian Gera, Kopf des Unternehmens. Bereits seit fünf Jahren gibt es den gleichnamigen Blog, jetzt warb er um die Unterstützung des Schwarms, um die Plattform noch schneller noch größer zu machen und eine App entwickeln zu können. Innerhalb von 55 Tagen kamen von den 16.785 veranschlagten Euro 50 zusammen. „Ich glaube, wir waren trotz 300.000 monatlicher Blognutzer einfach noch nicht bekannt genug“, sagt der 35-jährige gelernte Fachwirt für Marketing. „Unsere Zeit kommt erst noch, wir versuchen es wieder. “

Produkt muss auch „sexy sein“

Einer, der alles richtig gemacht hat ist Oliver Daniel Sopalla. Im April und Mai diesen Jahres warb er gemeinsam mit zwei Freunden als „Kinder des Ruhrgebiets“ zweieinhalb Wochen auf startnext.de für „Weine für das Ruhrgebiet – verfeinert mit Kohle und Stahl“. „Wir sind eine Gruppe von Wein-Enthusiasten aus dem Ruhrgebiet und haben uns auf den Weg gemacht, Deutschlands größte Metropolregion mit unserer Begeisterung für Wein anzustecken“, heißt es in der Projektbeschreibung. Die erste Charge des neuen Weins wurde durch 140 Unterstützer, die knapp 6000 Euro gespendet hatten (angepeilt waren 3000) finanziert. „Die Sache an sich muss schon eine gewisse Magie haben“, sagt Sopalla. „Die Zielgruppe darf nicht zu eng sein, das Produkt muss eine gewisse Sexyness haben, die zur Zielgruppe passt. Und das wichtigste ist, das Projekt nicht einfach nur online zu stellen, sondern aktiv Leute zu mobilisieren.“ Sopalla muss es wissen, der gelernte Betriebswirt ist zugleich Geschäftsführer des Marketing Club.

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