Bühne

Steven Kings „Misery“ als Bühnenstück im Theater Rottstraße

Allein mit seinen Ängste und der unberechenbaren Krankenschwester Annie: Maximilian Strestik in der Rolle des Schriftstellers Sheldon.

Allein mit seinen Ängste und der unberechenbaren Krankenschwester Annie: Maximilian Strestik in der Rolle des Schriftstellers Sheldon.

Foto: Thorsten Schnorrbusch / RS 5

Bochum.  Im Bochumer Theater Rottstraße 5 bringt Remo Philipp Steven Kings Psychothriller „Misery“ auf die Bühne. Geboten wird ein spannender Theaterabend.

Das Wort „Misery“ bedeutet im Deutschen soviel wie Elend, Not, Misere. Und in einer solchen Misere steckt Schriftsteller Paul Sheldon, nachdem er mit dem Auto schwer verunglückt, in die Hände von Krankenschwester Annie Wilkes gerät. Die Rede ist hier von Stephen Kings berühmtem Roman „Misery“, der 1987 erschienen, jetzt im Theater Rottstraße 5 seine Premiere als Bühnenfassung feierte.

Lage scheint aussichtslos

Die Story ist spätestens seit dem Film mit Kathy Bates und James Caan hinlänglich bekannt. Paul liegt bewegungsunfähig im Haus von Annie, die seine Verletzungen pflegt. Annie ist Pauls größter Fan, sie liebt seine Bücher über Misery Chastain, doch als Annie sich das neueste, gerade erschienene Misery-Buch kauft, wird sie wütend, da Paul seine Heldin am Ende sterben lässt. Sie zwingt ihn, sein neuestes Manuskript zu verbrennen und wird immer unberechenbarer. Schnell wird klar, dass Paul es mit einer Psychopathin zu tun hat und seine Lage scheint aussichtslos.

Platz in der Gesellschaft

Regisseur Remo Philipp verzichtet auf jegliches Bühnenbild in seiner Inszenierung. Schwaches Licht, zwei Schauspieler, eine Handvoll Requisiten genügen, um Stephen Kings Geschichte lebendig werden zu lassen. Rosalia Warnke, eine junge Schauspielschülerin der Folkwang Universität, ist die bedrohliche Annie. Zwischen Sanftmut und unkontrollierten Gewaltausbrüchen hält Warnke die Balance und zeichnet das Bild einer zutiefst gestörten, aber auch sehr verletzlichen Frau, die keinen Platz in der Gesellschaft findet.

Lebensbedrohliche Lage

Ihr zur Seite steht Maximilan Strestik. Körperlich reduziert ist sein Spiel, seine Figur hat keine Bewegungsmöglichkeiten. Dennoch findet er stets den richtigen Ausdruck, um Sheldons Schmerzen und dessen Notlage zu zeigen. Dabei bleibt sein Paul über weite Strecken ruhig und analytisch, ein Mensch, der trotz der lebensbedrohlichen Lage kühlen Kopf behält.

Retterin und Trösterin

Regisseur Remo Philipp lässt sich einiges einfallen, um Atmosphäre zu erzeugen. So werden die Szenen permanent mit einer bedrohlichen Soundcollage unterlegt, auf die man hätte auch verzichten können. Das Spiel der Darsteller braucht keine ständige akustische Untermalung. Auch die dunkle Lichtstimmung gerät allzu schummrig, man kann die Gesichter der Darsteller ab der zweiten Reihe kaum erkennen. Originell ist die Idee, Pauls Romanfigur Misery Chastain als seine Muse, Retterin und Trösterin auf der Bühne leibhaftig werden zu lassen.

Am Ende viel Applaus für einen spannenden Theaterabend.

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