Stadtteil-Check

Im Bochumer Gleisdreieck pulsiert das pralle Leben

Marc Mauer von der Initiative Bochumer City, Stephan Oesterwalbesloh vom „Cotton Club“ und Dirk Steinbrecher von der ISG Bermuda-Dreieck (v.l.) begleiten das Leben in der City seit vielen Jahren.

Marc Mauer von der Initiative Bochumer City, Stephan Oesterwalbesloh vom „Cotton Club“ und Dirk Steinbrecher von der ISG Bermuda-Dreieck (v.l.) begleiten das Leben in der City seit vielen Jahren.

Foto: Ingo Otto

Innenstadt.   Beim Stadtteil-Check landet die Innenstadt im Mittelfeld. Während Shoppen und Kneipenbummel natürlich top sind, nervt viele die Parkplatzsuche.

Unser Gleisdreieck: Das Quartier zwischen Hauptbahnhof und Bergbaumuseum ist die Heimat von nur etwa 9000 Menschen – denn die allermeisten besuchen die City eher zum Arbeiten, zum Shoppen und für den ausgelassenen Kneipenbummel. Rund drei Millionen Gäste zählt allein das Bermuda-Dreieck pro Jahr.

Im Stadtteil-Check unserer Zeitung belegt das Gleisdreieck einen gesunden Mittelplatz: Die Bewohner selber geben ihrem Stadtteil die Gesamtnote 2,43. Nimmt man die Bewertungen aller 13 Kategorien, nach denen wir unsere Leser gefragt haben, zusammen, liegt das Gleisdreieck auf Platz 15 aller 30 Bochumer Stadtteile.

Zentraler kann man nicht wohnen

Immerhin gleich dreimal bekommt das Gleisdreieck die Bestnote: Beim Thema Nahverkehr (1,5), bei der medizinischen Versorgung (1,72) und beim gastronomischen Angebot (1,82) hat die City gegenüber allen anderen Stadtteilen die Nase weit vorn. Für Dirk Steinbrecher von der Immobilien- und Standortgesellschaft Bermuda-Dreieck (ISG) ist das wenig überraschend: „Zentraler als hier kann man nicht wohnen – und besser angebunden auch nicht“, meint er.

Auch die Auswahl an Ärzten ist in der City riesig: „Zu drei Krankenhäusern kann man zu Fuß laufen“, sagt Stephan Oesterwalbesloh, Geschäftsführer vom „Cotton Club“.

Radfahren auf dem Ring

Gleichwohl: Zu verbessern gibt es immer etwas. So setzt sich Juwelier Marc Mauer, Vorsitzender der Initiative Bochumer City (IBO), schon lange für eine fahrradfreundliche Innenstadt ein. „Der Ring ist zum Fahrradfahren gänzlich ungeeignet“, meint er. „Doch ihn deswegen von den Pkw nur einspurig befahren zu lassen, damit die Radfahrer mehr Platz bekommen, ist auch keine Lösung.“

Auch gastronomisch sieht Mauer Verbesserungsbedarf: „Ein guter Mittagstisch fehlt“, meint er. „Vielleicht passt die geplante neue Markthalle da gut rein.“

Topnote für Einkaufsmöglichkeiten

Beim Thema „Einkaufsmöglichkeiten“ bekommt das Gleisdreieck eine gute Note (2,08). Für Steinbrecher nachvollziehbar: „Das Angebot von inhabergeführten Geschäften mit individueller Beratung ist groß“, meint er. „Dies unterscheidet die City vom Ruhrpark, wo es fast nur Ladenketten gibt“, ergänzt Mauer. Dass auch die Innenstadt vom Boom der Ein-Euro-Läden nicht verschont geblieben ist, sei laut Mauer zwar schade, aber letztlich nachvollziehbar: „Eine solche Entwicklung wird von den Kunden selbst voran getrieben, und die Nachfrage ist offensichtlich da“, meint er. Und die Anzahl der Leerstände halte sich – verglichen mit anderen Städten – im Rahmen. „Das war schon schlimmer“, meint Oesterwalbesloh.

Deutlicher Rüffel beim Parken

Einen deutlichen Rüffel bekommt das Gleisdreieck bei der Parkplatzsituation (Note 4,6) – vor allem deshalb, weil das Parken nirgends gratis ist. Marc Mauer kann die Kritik nicht verstehen: „Im Ruhrpark sind die Parkplätze auch nicht kostenlos. Die zahlen dort die Händler“, meint er. Doch seien die Parkgebühren in der Innenstadt vergleichsweise moderat: „Im Vergleich zu anderen Städten wie Essen und Dortmund sind wir günstig“, sagt Oesterwalbesloh. „Und viele Geschäfte bieten einen Nachlass auf die Parkgebühren an.“

Kinderspielplatz soll auf den Husemannplatz

Das sieht Marco Trass anders. Der 34-jährige Inhaber einer EDV-Firma wohnt seit sechs Jahren an der Huestraße im fünften Stock. „Die Parkplatzsuche ist schwierig“, meint er. Eine Dauerparkkarte teilt er sich mit seinem Vater. „Ich habe schon vor Ewigkeiten eine eigene beantragt, aber das dauert wohl noch.“

Auch bei der Kinderfreundlichkeit belegt das Gleisdreieck einen hinteren Platz (Note 3,39). Das kann Marco Mauer verstehen: „Ein Spielplatz auf dem Husemannplatz ist im Zuge des großen Umbaus ein erklärtes Ziel“, sagt er. „Da ist uns der Ruhrpark weit voraus.“

Bei der Sauberkeit (3,74) und bei der Sicherheit (3,11) schneidet das Gleisdreieck in unserem Check mäßig ab. Dirk Steinbrecher bleibt da gelassen: „Verglichen mit den vielen Kneipenbesuchern passiert doch relativ wenig“, meint er. „Und es gibt fast keine Türsteher. Bei jedem Dorffest gibt es mehr Ärger als bei uns.“

Anwohner will in ruhigere Gegend ziehen

Marco Trass schaut indes schon länger nach einer neuen Wohnung – diesmal eher in weniger zentraler Lage. „Als Student ist es natürlich super, mitten in der City am Bermuda-Dreieck zu wohnen“, meint er. „Doch bei der weiteren Lebensplanung, gerade wenn die Familie wächst, wäre eine etwas ruhigere Gegend schon schöner.“

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Die Stadtteil-Redaktion vertieft aktuell die Einzelergebnisse unseres Stadtteil-Checks.

An der Leserbefragung hatten sich zwischen Ende September und Mitte November 2018 insgesamt 5535 Leserinnen und Leser beteiligt, indem sie für ihren Stadtteil Schulnoten in 13 Kategorien vergaben – von der medizinischen Versorgung bis zur Parkplatzsituation. Zu allen Analysen.

Das Gleisdreieck wurde von 135 Teilnehmern bewertet. Zu den Noten von Gleisdreieck.

Wir greifen Aspekte aus der Beurteilung auf und fragen Sie: Wie liebenswert ist Ihr Stadtteil? Warum leben Sie gerne hier? Wo gibt es Defizite? Ihre Meinung ist weiterhin gefragt! Teilen Sie sie uns mit und
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