Straßenverkehr

Schülerin (17) fürchtet sich vor ihrem einsamen Schulweg

Diesen Weg über die trostlose Darpestraße muss die Schülerin gehen.

Diesen Weg über die trostlose Darpestraße muss die Schülerin gehen.

Foto: Bernd Kiesewetter

Bochum.   Eine Schülerin hat Angst vor ihrem Schulweg zu Fuß. Mehrfach sei sie von Männern belästigt worden. Sie wünscht sich einen Bus – aber vergeblich.

Eine 17-jährige Schülerin hat Angst vor ihrem Schulweg. Angst, auf dem Gehweg von Männern anzüglich angequatscht, verfolgt oder belästigt zu werden. Sie will deshalb die Fußwegstrecke lieber mit einem Einsatzwagen der Bogestra fahren. Doch das wird abgelehnt.

Die Schülerin wohnt in Hamme und geht in Weitmar zur Schule, in Stufe 11. Anders als morgens fährt sie nachmittags immer allein mit dem Bus nach Hause. Je nach Verbindung braucht sie 55 bis 80 Minuten. Sie nutzt die Linie 368. Den letzten Teil des Heimwegs muss sie zu Fuß laufen, gut zehn Minuten über die ebenso laute wie trostlose Darpestraße. Diese verläuft unmittelbar parallel zur A40. Wohl fahren ständig Autos über die Darpestraße, aber Fußgänger sieht man dort selten. „Ziemlich verlassen“ sei die Straße, sagt die Schülerin. „Bei dieser Strecke ist es mir schon häufig passiert, dass mich wildfremde Männer angesprochen oder verfolgt haben. Man fühlt sich hilflos, man läuft ganz allein dort entlang.“ Ein Umweg über eine andere Straße sei viel zu weit.

Stadtwerke-Pförtner gab der Schülerin Schutz

Der letzte Vorfall ereignete sich Ende Mai. „Zwei Männer verfolgten mich in ihrem schwarzen Mercedes, blieben dann stehen und warteten, bis ich an ihnen vorbei laufen würde.“ Dann habe der Mercedes langsam in ihre Richtung zurückgesetzt. Zum Glück sei sie in der Nähe des Stadtwerke-Betriebshofes gewesen. „Ich konnte dort nach Hilfe fragen, welche mir auch gestellt wurde. Nachdem der an der Anmeldung arbeitende Mann nach dem schwarzen Mercedes geguckt hatte, sind die beiden anderen Männer schnell weggefahren.“ Mit Vollgas.

Die Stadtwerke bestätigen den Vorfall. „Die junge Frau wirkte sehr aufgebracht und fühlte sich belästigt.“ Um die 40 Jahre alt und eher dunkelhäutig seien die beiden Unbekannten gewesen, sagt die Schülerin.

Bereits vor rund einem halben Jahr sei sie auf der Darpestraße von einem Mann verfolgt worden. Passiert ist dann aber nichts. Als sie 14 Jahre gewesen sei, hätten einmal drei unbekannte Männer sie mit anzüglichen Anspielungen bedrängt. Sie sei dann in ein dortiges Möbelhaus gegangen, um sicher zu sein. Ihre Mutter habe sie dort abgeholt.

Bogestra wird Fahrplan-Angebot nicht erweitern

Zwar fährt über die Darpestraße dreimal am Tag ein Einsatzwagen der Bogestra-Linie 368. Doch den letzten Bus am Nachmittag erwischt die Schülerin aus Zeitgründen nicht. Bereits vor einem Jahr hatte sie die Bogestra angeschrieben und gebeten, den Fahrplan um eine Fahrt am späteren Nachmittag zu erweitern, damit ihr Schulweg sicherer wird. Die Bogestra lehnte aber ab. Das gilt auch heute noch „Es ist keine Ausweitung des Angebotes geplant“, sagt ein Unternehmenssprecher auf WAZ-Anfrage. Die „Basis-Erschließung“ für die in diesem Bereich lebenden Anwohner sei ausreichend.

Weitere Kinder müssen diesen Weg nutzen

„Ich bin nicht das einzige Kind, welches diesen Weg bestreiten muss“, sagt die Schülerin, deren Eltern berufstätig sind und sie nicht von der Bushaltestelle abholen können. Sie selbst müsse zwar nur noch ein Jahr die Darpestraße entlanggehen, dann mache sie einen Führerschein. „Dennoch sträubt sich alles in mir, wenn ich daran denke, dass meiner siebenjährigen Nachbarin auf dem Nachhauseweg von der Bushaltestelle dasselbe widerfahren könnte, oder meiner Freundin von gegenüber, die diese Strecke noch mindestens drei Jahre laufen wird. Und die beiden sind noch lange nicht alle.“

Die Polizei rät: Bei ähnlichen Vorfällen wie den geschilderten sofort 110 rufen.

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