Gedenken

Schüler geben russischen Zwangsarbeitern ihre Namen zurück

Jugendliche der Goethe- und Hildegardis-Schule arbeiten im dritten Jahr gemeinsam mit dem VDK an einem Erinnerungsprojekt. Auf dem Blumenfriedhof geht es um die hier bestatteten russischen Zwangsarbeiter.

Jugendliche der Goethe- und Hildegardis-Schule arbeiten im dritten Jahr gemeinsam mit dem VDK an einem Erinnerungsprojekt. Auf dem Blumenfriedhof geht es um die hier bestatteten russischen Zwangsarbeiter.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Bochum-Innenstadt.  In einem Projekt mit dem VDK werden auf dem Blumenfriedhof in Bochum Gedenkstelen aufgestellt. Die Jugendlichen recherchierten drei Jahre lang.

Auf dem Blumenfriedhof gibt es ein Gräberfeld russischer Zwangsarbeiter. Insgesamt 307 Frauen und Männer sind hier beerdigt. Der Bochumer Kreisverband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) arbeitet bereits im dritten Jahr gemeinsam mit Schülern der Hildegardis- und der Goethe-Schule an einem besonderen Projekt zur Erinnerungskultur. Im Zuge dessen wollen die Protagonisten dort zwei Gedenkstelen aufstellen, und zwar am Volkstrauertag (17. November). Der Bezirk Mitte entscheidet darüber in seiner Sitzung am Donnerstag (24.).

Akribische Recherche

Die Jugendlichen recherchierten akribisch, gemeinsam mit der Bildungsbeauftragten des VDK, Ringa Kaczmirzak, zu den dort bestatteten Toten, deren Grabstätte bislang keinerlei Hinweise auf ihre Namen und Herkunft aufweist. Sie sammelten Informationen über die VDK-Hauptverwaltung in Kassel und nahmen Einblicke in die Bücher der Bochumer Friedhofsverwaltung.

Es ist den Schülern tatsächlich gelungen, diese Informationen in Erfahrung zu bringen, so dass nunmehr die Möglichkeit besteht, den Verstorbenen ihre Namen zurückzugeben. Ulrich Wicking ist Kreisvorsitzender des VDK: „Es gibt Listen darüber, wo die Menschen geboren wurden, wann sie gestorben sind. Dies alles haben die Jugendlichen zusammengetragen.“

Projekt Friedenspolitik

Er war es, der vor drei Jahren gemeinsam mit dem Bochumer Historiker Bernd Faulenbach den Wunsch hegte, die Gedenkkultur zu ändern, und ging auf Schulen zu. Zunächst auf das neue Gymnasium und die TKS. „Dann konzentrierten wir und auf die Goethe- und Hildegardis-Schule, die in Nachbarschaft zum Blumenfriedhof sind.“ Die Schulen waren angetan und riefen in Kooperation Projektkurse zu den Themen Zwangsarbeiter, Kriegsgräber und Friedenspolitik ins Leben. Besonders engagierten sich in den Jahren die Lehrer Ursula Fries (Hildegardis), Tobias Osmann (Goethe) und nun Manuel Mink von der Hildegardis-Schule, die jetzt wieder die Federführung übernommen hat.

Vorgesehen sind zwei Gedenkstelen aus Kortenstahl, aus dem auch das Terminal besteht. Sie sind jeweils zwei Meter hoch und einen Meter breit. Die Namen der 307 Menschen sowie ihre Geburts- sowie Sterbedaten werden auf 60 kleineren Messingplatten eingefräst und dann auf den zwei Stahlplatten befestigt.

Modell entwickelt

Im letzten Jahr entwickelten die Schüler ein Modell für die Stelen. Das THW hat sich bereit erklärt, das Fundament herzustellen. Die Stelen selbst entstehen in der Lehrwerkstatt von Thyssen-Krupp in Höntrop.

Ulrich Wicking ist zuversichtlich, dass der Bezirk Mitte seinem Antrag zustimmen wird, die beiden Stelen am Gräberfeld des Blumenfriedhofes aufzustellen.

Die beiden so gestalteten Stelen sollen möglichst bis zum Volkstrauertag an dem Gräberfeld aufgestellt werden. Die für die Fundamente erforderliche statische Berechnung ist durch ein Fachbüro bereits erstellt und der Friedhofsverwaltung übersandt worden. Die eigentliche Aufstellung der Stelen erfolgt nicht durch die Stadtverwaltung, sondern wird durch den VDK beauftragt.

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