Jubiläum

Publikum feiert das Festkonzert der Bochumer Symphoniker

Steven Sloane leitetet die Symphoniker bei der „Tristan“-Ouvertüre.

Steven Sloane leitetet die Symphoniker bei der „Tristan“-Ouvertüre.

Foto: Klaus Pollkläsener

Bochum.   Die Bochumer Symphoniker überzeugten mit ihrem Festkonzert zum 100. Geburtstag. Dabei boten sie dem Publikum auch einen Überraschungsgast.

100 Jahre Bochumer Symphoniker - die vielen Aktivitäten rund um das Goldjubiläum haben die Verantwortlichen im Anneliese-Brost-Musikforum in den letzten Wochen ganz schön auf Trab gehalten. Vorläufiger Höhepunkt der Feierlichkeiten war das Festkonzert am Montagabend (20. Mai) im so gut wie ausverkauften Großen Saal. Es bewies, was das Haus und das Orchester für Bochum bedeuten: einen Pluspol im Musikgeschehen des Revier!

Das Programm entsprach exakt jenem, das vor 100 Jahre - übrigens auf den Tag genau am 20. Mai 1919 - geboten worden war. Damals erklangen im Theater an der Königsallee Richards Wagners Ouvertüre zu „Tristan und Isolde“, die 4. Sinfonie A-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy (“Italienische“) und Sergej Rachmaninows Sinfonie Nr. 2 e-moll, uraufgeführt 1908, vor 100 Jahren also ein eher neutönerisches Werk.

Drei berühmte Stücke

Auch wenn das Orchester inzwischen viel größer ist (rund 80 Musikerinnen und Musiker) als damals (46 Musiker, nur Männer), so dürfte die Programmfolge bereis vor 100 Jahren exemplarisch gewesen sein. Denn alle drei Kompositionen bieten, jede auf ihre spezifische Art, einem Orchester die Möglichkeit, zu glänzen. Der Gestus der Musik ist letztlich romantisch, aber die individuelle, kompositorische Ausführung dieser drei berühmten Stücke könnte unterschiedlicher nicht sein.

Die „Tristan“-Ouvertüre dirigierte Steven Sloane mit jener ruhigen Spannkraft, die dieses Schlüsselwerk der Moderne zwischen Raserei und Trauer verlangt. Noch packender gelang die „Italienische“, die ohne Dirigent auskam, weil Konzertmeister Raphael Christ das Orchester im Stil des Sturm und Drangs durch die so heitere wie kraftvolle Komposition führte. Großartig der homogene Klang, besonders betörend im 3. Satz, wo auf eine Einlassung der Hörner die Streicher mit samtigem Tutti antworten. Stark gespielt!

Nach der Pause bot sich eine Überraschung, denn am Pult für die Rachmaninow-Sinfonie stand niemand anders als Gabriel Chmura! Der Vorvorgänger von Steven Sloane führte die BoSy von 1982 bis 1987 und war anlässlich des Jubiläums gern an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. Wie oft hatte sich der Maestro damals eine eigene Spielstätte für sein Orchester gewünscht! Jetzt war es soweit. Abgeklärt und mit großer Übersicht, doch immer mit dem nötigen Druck führte der 73-jährige Chmura das Orchester durch die 60-minütige Sinfonie, ein melodramatisches Werk mit vielen Knalleffekten.

Der Rest war Jubel, Gejohle, Getrampel. Das Publikum feierte sein Orchester mit stehenden Ovationen. Ein denkwürdiger Abend!

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