Tag der Architektur

Neun spannende Gebäude in Bochum öffnen sich für Besucher

Riesige Ausmaße, nämlich 215 mal 85 Meter, hat die ehemalige Industriehalle des Bochumer Verein und von Thyssenkrupp an der Oberen Stahlindustrie. Nach einem umfangreichen Umbau nutzt sie nun der Technische Betrieb der Stadt als zentraler Betriebshof. Am Samstag (29.) ist die umgebaute Halle zu besichtigen.

Riesige Ausmaße, nämlich 215 mal 85 Meter, hat die ehemalige Industriehalle des Bochumer Verein und von Thyssenkrupp an der Oberen Stahlindustrie. Nach einem umfangreichen Umbau nutzt sie nun der Technische Betrieb der Stadt als zentraler Betriebshof. Am Samstag (29.) ist die umgebaute Halle zu besichtigen.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum.  Am Wochenende (29./30.) wird der 24. Tag der Architektur ausgetragen. Neun spannende Gebäude in Bochum können dann besichtigt werden.

Ein bisschen mulmig ist Familie Ebbert schon zu Mute. Wie wird das sein, wenn sie am Sonntag zum Tag der Architektur ihr Haus für fremde Besucher öffnen? 170 Gebäude in ganz Nordrhein-Westfalen präsentieren sich am Samstag/Sonntag (29./30. Juni) der Öffentlichkeit, allein neun davon in Bochum. Darunter ist das renovierte Haus aus den 1930er Jahren der Familie Ebbert in Querenburg.

Ein gelungener Spagat

„Räume prägen“ heißt in diesem Jahr das Motto des Tages der Architektur. Für die Ebberts hieß das: Ihr Haus, zu dem Dielenböden und die originale Bleiverglasung gehören, sollte seine Geschichte behalten. Aber es sollte auch an die heutigen Anforderungen angepasst werden. Am Ende ist ihnen dieser Spagat mit Bravour gelungen. Ein Beleg dafür ist der Gewinn des Bochumer Klimaschutzaward und die nach wie vor „klassische“ Anmutung des Gebäudes.

Eigentlich ist Thiemo Ebbert ja beruflich vorbelastet, was das Bauen und Umbauen betrifft. Er ist selbstständiger Architekt. Am Ende aber ist er auch privater Häuslebauer. Und eine seiner wichtigen Erkenntnisse nach dem achtmonatigen Umbau an der Heintzmannstraße 170: „Wir haben tatsächlich keine Katastrophe erlebt“. Und das kann nicht jeder sagen, der ein Haus baut oder umbaut. Wichtig für die Ebberts ist, dass es am Ende gelungen ist, „das alte Haus mit ein wenig Mehraufwand so zu gestalten wie es jetzt geworden ist“.

Dämmung ist kaum zu sehen

Dazu gehört, dass die vorgenommene Dämmung der Wände auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist. Die Fenster sind nicht, wie es bei einer herkömmlichen Dämmung geschehen würde, nach „hinten gerückt“. Möglich sei dies geworden, so der Bauherr, u.a. weil Fensterbänke aus Formstein genutzt wurden und weil die Schlagläden erhalten geblieben sind. Mit Wärmepumpe, wassergeführtem Kamin und Wohnraumlüftung unterbietet das Haus die Energieeinsparverordnung um 30 Prozent. Und es ist jetzt nach achtmonatiger Umbauphase auch tatsächlich fertig, nachdem in diesen Tagen Handwerker noch die letzten Arbeiten erledigt haben.

Aber es gibt – wie immer – nicht nur Privates zu sehen am Tag der Architektur. Die Palette der Immobilien erstreckt sich über eine Vielzahl von Funktionen und Eigentumsverhältnissen – nämlichen von Wohnungen und Wohnhäusern bis hin zu öffentlichen Räumen, wie etwa dem ProDi-Forschungsbau am Gesundheitscampus.

Gesundheitscampus ist komplett

Von einem „Forschungsgebäude der Spitzenklasse“ spricht Marcus Hermes, Geschäftsführer des BLB NRW, das das Zentrum für Protein-Diagnostik (ProDi) für die Ruhr-Uni erstellt hat. Damit werde der nächste Meilenstein auf dem Gesundheitscampus erstellt. Und zugleich wird ein Schlusspunkt gesetzt. Als Eingangsgebäude zum Gesundheitscampus NRW vollendet die Immobilie die „White-City“ des städtebaulichen Masterplans, der das Ergebnis eines Wettbewerbs aus dem Jahre 2010 war. Die weißen Fassaden verbinden die gesamten Gebäude auf dem Gesundheitscampus NRW zu einer städtebaulichen Einheit.

Dokumentation der Geschichte

Nicht von morgen, sondern von gestern ist ein anderes spannendes Gebäude: der Zentrale Betriebshof des Technischen Betriebs der Stadt. Der nämlich ist seit kurzem zu Hause in einer 215 mal 85 Meter große Halle; einer historischen Immobilie, die einst dem Bochumer Verein gehörte, in der bis vor einigen Jahren Thyssenkrupp noch Weichen hergestellt hat und die eine wechselhafte, nicht immer ruhmreiche Geschichte hat. Die Mendritzki-Gruppe als Eigner des Gebäudes und Vermieter an die Stadt will diese wechselvolle Historie des Standorts gemeinsam mit der Stadt in einer Ausstellung dokumentieren. Darin sollen herausragende Ereignisse wie der Deutsche Katholikentag und große Sportveranstaltungen wie Boxkämpfe und Turnfest, die in der Halle ausgetragen wurden, ebenso gezeigt werden wie das Schicksal von Zwangsarbeitern.

Geschichten wird es an jedem der neun Standorte in Bochum zum Tag der Architektur zu erzählen geben. In allen Gebäuden werden Hausherren und/oder Architekten darüber Auskunft geben:

1. Web-Individualschule, Gerhard-Mortier-Platz 4, Besichtigungszeit: Sa. (29.), 14-17 Uhr und So. (30.), 11-14 Uhr

2. Lagerhalle mit Büro Amtmann-Ibing-Straße 6, Besichtigungszeit: Sa. (29.), 10-16 Uhr

3. ProDi Forschungsbau Gesundheitscampus 4, Besichtigungszeit: Sa. (29.), 14-17 Uhr

4. Kita Melanchthon Königsallee 40, Besichtigungszeit: Sa. (29.), 12-14 Uhr

5. Praxis für Frauenheilkunde Huestraße 30, Sa. (29.), 12-15 Uhr

6. Zentraler Betriebshof des Technischen Betriebs der Stadt Bochum Obere Stahlindustrie 4, Sa. (29.), 11-14 Uhr

7. EBZ Bochum Schulungs- und Forschungszentrum Springorumallee 20, Sa. (29.), 10-14 Uhr

8. Neubau eines Mehrfamilienhauses An der Schalwiese 17, Sa. (29.), 11-16 Uhr

9. Renovierung eines 30er-Jahre-Hauses Heintzmannstraße 170 So (30.), 14-17 Uhr

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben