Bestattungen

Neu in Bochum: Begraben unter Bäumen inmitten der Natur

Die Partnergräber, in die zwei verrottbare Urnen übereinander eingelassen werden, sind in unmittelbarer Nähe zum Weitmarer Holz platziert. Zugedeckt sind sie mit Pultsteinen, die beschriftet werden können.

Die Partnergräber, in die zwei verrottbare Urnen übereinander eingelassen werden, sind in unmittelbarer Nähe zum Weitmarer Holz platziert. Zugedeckt sind sie mit Pultsteinen, die beschriftet werden können.

Foto: Gero Helm

Bochum.   Wer sich naturnah bestatten lassen wollte, musste bislang nach Hagen oder Herten. Nun ist in Bochum-Weitmar eine Beisetzung unter Bäumen möglich.

Mit knapp 2400 Bestattungen rechnet Bochums Friedhofsverwaltung in diesem Jahr. Erstmals können Bestatter den Angehörigen von Verstorbenen eine „naturnahe Beisetzung von Urnen“ anbieten. Was bislang nur in Herten und Hagen möglich ist – eine letzte Ruhestätte inmitten einer naturbelassenen Waldlage – gibt es von sofort an auch auf dem Friedhof Weitmar.

Pilotprojekt in Weitmar

„Mit dem Pilotprojekt kommen wir den Wünschen der Bochumer entgegen“, sagte Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) bei der Vorstellung des Pilotprojekts.. Anders als etwa Herten habe sich die Stadt nicht für einen Friedwald entschieden.

„Wir nutzen die Infrastruktur des Friedhofs mit Trauerhalle, Toiletten, Busanbindung und bieten gleichzeitig die Nähe zu Wald und Natur“, so Roland Wrobel, Leiter Friedhöfe und Krematorium im Technischen Betrieb. Er ist überzeugt, dass die Stadt mit dem neuen Bestattungsangebot den Nerv der Zeit trifft.

Ähnlich sieht es Jochen Hopmann von den Naturfreunden Linden/Dahlhausen, die sich schon lange für eine naturnahe Bestattungsmöglichkeit stark gemacht haben: „Wir sind sehr zufrieden mit dieser Lösung. Ich bin überzeugt, dass die jetzt zur Verfügung stehenden Plätze schon bald nicht mehr reichen.“

Zunächst 96 verrottbare Urnen können in Weitmar in die Erde gelassen werden. 48 Plätze, zu denen ein mit gehäckseltem Holz belegter Weg führt, sind für Reihengräber vorgesehen – je 16 werden um drei Naturbasaltsteine geschart.

Anonyme Bestattung möglich

„Wer möchte, der kann an der Stele eine Platte mit Namen und Daten des Verstorbenen anbringen“, so Wrobel. Pflicht sei dies aber nicht. Auch eine anonyme Bestattung ist möglich. Gleichwohl gebe es mittlerweile die Erkenntnis, dass viele Menschen nicht anonym beerdigt werden möchten – allerdings soll der Pflegeaufwand möglichst gering sein.

Und das gilt für die naturbelassene Bestattungsvariante, die zudem günstiger ist als viele andere Formen. Während ein Reihengrab nicht vorab gekauft werden kann, ist dies beim Partnergrab, bei dem zwei Urnen übereinander platziert sind, möglich. Die 24 vorgesehenen Plätze für je zwei Urnen sind noch näher als die Reihengräber an das Weitmar Holz heran platziert – mitteln im Wald. Bedeckt werden sie mit einem Pultstein. Auf dem dürfen Namen und Daten graviert werden. Kerzen, Blumen oder anderer Schmuck sind nicht erlaubt.

Stadt wartet Nachfrage ab

Sollte die Nachfrage nach der naturbelassenen Bestattung groß sein, können nicht nur in Weitmar weitere Grabstellen geschaffen werden. Auch in anderen Stadtteilen soll es dann dieses Angebot geben. „In Langendreer bietet sich eine zentrale Fläche auf dem Friedhof an“, so Friedhofs-Chef Wrobel. Auch für Nord und Mitte seien bereits geeignete Friedhöfe und Stellen ermittelt worden.

„Wir warten jetzt erst einmal ab, wie dieses Angebot ankommt“, so Roland Wrobel. Die erste Bestattung steht jedenfalls bereits an. Und auch bei der Besichtigung am Dienstag haben Besucher bereits angekündigt, sich frühzeitig einen Platz sichern zu wollen.

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