Brutaler Raub

Nach Überfall auf Seniorin: Leiter des Altenheims schockiert

Viele ältere Menschen sind wehrlos, wenn sie bestohlen werden. Kommt Demenz dazu, wird es sehr schwierig, die Täter zu identifizieren, wie im Fall des Bochumer Raubs.

Viele ältere Menschen sind wehrlos, wenn sie bestohlen werden. Kommt Demenz dazu, wird es sehr schwierig, die Täter zu identifizieren, wie im Fall des Bochumer Raubs.

Foto: Oliver Berg

Bochum.   Nachdem eine Seniorin im Altenheim überfallen wurde, spricht der Leiter vom Anstieg der Diebstahlfälle. „Wir können die Bewohner nicht schützen.“

Es ist 14 Uhr, Zeit der Dienstübergabe, am Mittwochnachmittag, als ein Mann in das Caritas-Seniorenzentrum St. Franziskus in Riemke kommt, um zu stehlen. Eine 89-Jährige sieht ihn vor ihrer Zimmertür und spricht ihn an, er geht aber wortlos weg. Später stellt sie fest, dass ihre Handtasche durchwühlt, aber nichts geklaut wurde.

Der Mann geht weiter in das Zimmer einer 80-Jährigen, hockt sich vor sie, als wolle er mit ihr sprechen, und reißt ihr plötzlich die Kette vom Hals, das Armband vom Handgelenk. Als er flüchtet, nimmt er noch mehr Schmuck mit.

Mitarbeiter sind geschult

„Schockiert“ ist Franz-Albert Bömkes, dass die Bereitschaft steigt, so etwas am Tag zu tun. Er leitet das Seniorenzentrum und weiß, dass „solche Dinge immer wieder passieren können“. Die Einrichtungen seien nicht abgeschlossen, jeder könne rein-, jeder könne rausgehen, auch „wenn er etwas Böses im Schilde führt“.

Bömkes hat das Gefühl, dass solche Taten zunehmen. „Wir können unsere Bewohner leider nicht vollständig schützen.“

Seine Mitarbeiter sind darauf geschult, unbekannte Besucher anzusprechen: „Hallo, ich kenne Sie nicht, wen wollen Sie denn besuchen?“ Kommt dann kein Name, ist der Besucher schnell verdächtig. Die Dienstanweisung lautet aber auch: niemals den Helden spielen. Das Personal soll sich nicht in den Fluchtweg eines möglichen Diebs stellen und selbst Gefahr laufen, verletzt zu werden.

Keine Diebstähle in SBO-Einrichtungen

Frank Hillebrand, Prokurist der Senioreneinrichtungen in Bochum (SBO), kann sich „an keinen Diebstahl erinnern“, seitdem er dabei ist; das heißt: seit elf Jahren. Die vier Häuser der SBO liegen nicht mitten in der Stadt, eher in Wohngebieten und aufgrund ihrer Bauart sei eine „Anonymisierung nicht gegeben“.

Die Einrichtungen sind in Wohngruppen aufgeteilt, wenn jemand „da mitten im Raum steht, fällt das auf“. Kontrollmechanismen gebe es nicht. „Wir mussten uns noch nie mit der Thematik beschäftigen.“ Er sei nun allerdings alarmiert durch den Vorfall in St. Franziskus.

Schließfächer in jedem Zimmer

Dort weist Franz-Albert Bömkes die Bewohner immer wieder darauf hin, keine Wertgegenstände offen in ihren Räumen liegen zu lassen. „Es gibt Schließfächer in jedem Zimmer.“ Bargeld gehöre ebenso wenig wie kostbarer Schmuck aufs Zimmer; die Einrichtung verwalte kostenlos Konten für ihre Bewohner. Alles könne bargeldlos bezahlt werden.

Manch älterer Bewohner wolle aber seine Sachen um sich haben, „weil es das letzte ist, was bleibt“. Bömkes und seine Mitarbeiter können da nur warnen.

Der Diebstahl am Mittwoch fand auf der Gerontologie statt, auf der viele Patienten mit Demenz oder anderen psychischen Beeinträchtigungen leben. Besonders schlimm sei da nicht der materielle Schaden, „sondern das Gefühl: Jemand hat meine Tasche durchwühlt“ – ein Einschnitt in die Intimsphäre.

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