Benimmkurs

Jugendliche lernen Tischmanieren beim Drei-Gänge-Menü

Gediegen: Die Atmosphäre stimmt bei der „Arbeitsprobe“ nach dem Benimm-Kurs bei Wibbecke.

Gediegen: Die Atmosphäre stimmt bei der „Arbeitsprobe“ nach dem Benimm-Kurs bei Wibbecke.

Foto: Socrates Tassos

bochum-Oberdahlhausen.   Ein Benimm-Kurs geht beim Drei-Gänge-Menü in die praktische Erprobung. Malteser und Mehrgenerationenhaus bitten Schüler bei Wibbecke zu Tisch.

„Zwei haben schon einmal im Restaurant gegessen“, meint Roland Rehage schmunzelnd. „Aber das ist eine harmonische Gruppe, das geht sicher gut.“ Der ehrenamtliche Benimm-Trainer schickt zehn Jungs zwischen 15 und 22 Jahren in den „Slalom“ eines Drei-Gänge-Menüs im Landhaus Wibbecke auf dem Kassenberg. Sie sind im Mehrgenerationenhaus der Ifak angesprochen und ausgeguckt worden, in einem Benimm-Kurs der Malteser die Grundlagen und nun den letzten Schliff für den „perfekten Auftritt“ zu bekommen. Und für eine Bewerbung.

Immer noch gilt: Damen zuerst

Ayşe Ertürk, Leiterin der Einrichtung am Stadtteilzentrum Dahlhausen, ist mit dabei – und die einzige Frau. „Gilt immer noch, die Damen zuerst“, räumt Rehage an der festlich gedeckten Tafel ein. Zuerst kommt heute die Spargelcremsuppe, dann Hähnchen mit Gemüse und Pilzen, außerdem ein Dessert. Drei verschiedene Gläser stehen vor jedem Platz, verschiedene Bestecke für die Gänge.

„Rotwein aus dem großen Glas, Weißwein aus dem kleinen, angefasst wird nur am Stiel und mit drei Fingern“, erklärt Roland Rehage. Tatsächlich werden Trauben- und Apfelsaft eingeschenkt, aber aus eigens vorbereiteten Weinflaschen. Manche sind noch nicht volljährig oder Muslim.

Noch einmal umziehen

Die Atmosphäre ist entspannt, doch die Jungs geben sich Mühe. „Ein bisschen Kitzel ist ja auch dabei, extra noch ‘mal nach Hause zu gehen, sich umzuziehen und zu stylen“, findet Marion Wiemann vom Malteser Hilfsdienst. Der bietet die Benimm-Kurse inzwischen mit 20 ehrenamtlichen Trainer in der ganzen Diözese Essen an. 350 Jugendliche und junge Erwachsene sind regelmäßig dabei.

„Die Anregung kam sogar aus unserer Malteser-Jugend. Wir machen schon einiges für junge Menschen, was so gar nicht bekannt ist“, beschreibt Marion Wiemann. „Höflichkeit und Freundlichkeit öffnen Türen“, erklärt sie vor dem Essen, „und ein Zertifikat über den Kurs macht sich außerdem auch gut in der Bewerbungsmappe.“

Schmatzen ist hierzulande verpönt

Ein paar Grundregeln steuert auch Ayşe Ertürk bei. „Mancher hält es für unhöflich, seinen Gegenüber bei Tisch direkt anzusehen. Und Schmatzen beim Essen ist hier nun einmal verpönt.“

Ihre Erfahrungen mit dem Kurs in Zusammenarbeit mit den Maltesern sind „super, gerade wenn die Jugendlichen auf dem Sprung in Richtung Beruf sind. Und außerdem: Das macht auch noch richtig Spaß“.

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