Flucht

Geschichten von Flucht, Hoffnung und dem Ankommen

Pfarrerin Eva-Maria Ranft mit den Skulpturen der elf Frauen aus ihrer Ausstellung. Jede hat ihre eigene Geschichte, es gibt aber Parallelen.

Pfarrerin Eva-Maria Ranft mit den Skulpturen der elf Frauen aus ihrer Ausstellung. Jede hat ihre eigene Geschichte, es gibt aber Parallelen.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Bochum-Querenburg.  Eine Ausstellung im Thomaszentrum zeigt die Geschichte von elf Frauen die nach Deutschland flohen. Sie kommen aus Preußen, Togo und Syrien.

„Das haben wir doch alles auch schon durchgemacht. Es ist schrecklich, dass das jetzt nochmal passiert.“ So oder so ähnlich haben sich viele Frauen 2015 in Eva-Maria Ranfts Gruppe des Frauenreferats geäußert. Gerade kamen viele Flüchtlinge nach Deutschland, die Solidarität vieler Menschen war groß, von Teilen der Bevölkerung gab es offene Kritik, manche ließen ihrem Hass gegen das angeblich Fremde freien Lauf.

Ausstellung zeigt Gemeinsamkeiten

Die erwähnten Frauen fühlten sich den Menschen eher verbunden als Fremd. „Die Mitglieder in meiner Gruppe sind schon etwas älter. Einige sind nach oder während des Zweiten Weltkriegs selbst geflüchtet“, erklärt Ranft.

Sie ist Pfarrerin und Urheberin der Ausstellung „Wie meine Hoffnung überlebt hat.“ In sieben Kapiteln erzählt sie die Geschichte von elf Frauen. Fünf deutsche, sechs aus anderen Ländern. Sechs sind Christinnen, fünf Muslimas. Alle waren in ihrem Leben auf der Flucht. „Ich wollte aufzeigen, wie sich die Geschichten ähneln“, erklärt Ranft.

Ausstellungs-Planung läuft seit 2017

Vor zwei Jahren hat sie mit der Arbeit angefangen. Führte Gespräche mit den Frauen aus Bochum, Bosnien, dem Kongo und Syrien, nahm die Interviews auf, übersetzte einige Dialoge und verschriftlichte sie. „Dabei war mir wichtig, die Frauen nicht als Opfer darzustellen“, sagt Eva-Maria Ranft, „die Frauen haben ihre Schicksale selbst in die Hand genommen, haben sich gegen widrige Umstände durchgesetzt.“ Auch die Konzeption der Ausstellung hat einen verbindenden Charakter.

Exponate erzählen Geschichten

Die verschiedenen Kapitel stehen unter einer bestimmten Überschrift: Erstarrt, Fremd oder Würde sind drei davon. Darunter die Geschichten der Frauen als Zitate. Jeweils auf deutsch steht dort beschrieben, was sie erlebten. Die Flucht der hochschwangeren Amira Katnaji aus Syrien über Kroatien, Erika Stüters Weg nach Deutschland, der nur gelang, weil ihre Mutter russisch sprach und Moniques nicht enden wollende Tortur aus dem Kongo, über die Türkei ins Ruhrgebiet.

Oder die Parallelen der Geflüchteten Wesal I. und Ursula Freitag, die beide über das Meer flohen. Die eine über das Mittelmeer, die andere in einem leckenden Boot über die Ostsee. Die Geschichten der Frauen aus Syrien und Lybien werden zusätzlich auf Arabisch erzählt Moniques Flucht auf Lingála „Jede der Frauen hatte irgendetwas, dass ihr auf ihrem Weg Kraft gegeben hat.“. Bei einigen war es der Glaube, entweder an den Koran oder die Bibel, Ursula Freitag - aus Ostpreußen zunächst nach Dänemark, dann nach Bochum geflohen - half das Tanzen und Emi aus dem Togo hörte immer wieder ein ganz bestimmtes Lied.

Frauen sollen sichtbar gemacht werden

„Ziel der Ausstellung war es vor allem, die Frauen sichtbar zu machen. In der Öffentlichkeit standen meist junge Männer im Vordergrund, aber die Frauen machen nochmal andere Erfahrungen.“ Viele reisen alleine mit ihren Kindern oder hochschwanger. Viele berichten von sexuellen Übergriffen oder Misshandlungen während der Flucht. „Jede Frau hat aber auch von Menschen berichtet, die sie auf der Flucht unterstützt haben - unabhängig von Kultur und Religion.“ Ohne diese ganzen Menschen, hätte die Ausstellung im Thomaszentrum so womöglich gar nicht stattfinden können.

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