Straßenkunst-Festival

Für Urbanatix reisen Künstler aus Süddeutschland nach Bochum

Im Trainingszentrum „Open Space“ an der Bessemerstraße proben die Urbanatix-Tänzer für die neue Staffel des Streetart-Festivals im November in der Jahrhunderthalle.

Im Trainingszentrum „Open Space“ an der Bessemerstraße proben die Urbanatix-Tänzer für die neue Staffel des Streetart-Festivals im November in der Jahrhunderthalle.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Bochum.  Das Bochumer Urbanatix-Festival gewinnt an Strahlkraft. Aus Süddeutschland reisen Künstler an, um in der Jahrhunderthalle als Tänzer aufzutreten.

Samstag um 4 Uhr früh Abfahrt mit dem Flixbus in Saarbrücken. Mittags Ankunft in Bochum. Training, Schlafen, Training. Am späten Sonntagabend zurück ins Saarland. Montagmorgen Uni. Und das jede Woche. „Ist schon heftig“, sagt Sara Sbaih und schnauft kräftig durch. Dann lacht sie: „Für Urbanatix mache ich das gern. Da gebe ich 100 Prozent.“

Urbanatix: Das ist seit 2010 ein Gütesiegel für die Straßenkunst im Ruhrgebiet. Dabei weckt das Bochumer Festival längst auch Interesse im gesamten Bundesgebiet – und mancherorts den Wunsch, gleichfalls im Scheinwerferlicht zu stehen. Streetart-Künstler weit über das Revier und NRW hinaus bewerben sich. So wie Sara Sbaih, die aus dem Saarland anreist, um bei den Proben im Trainingszentrum „Open Space“ an der Bessemerstraße dabei zu sein.

Studentin aus dem Saarland verpasst keine Probe

Über eine frühere Tanzlehrerin in ihrer Heimatstadt Stuttgart hatte Sara den Kontakt geknüpft. Obwohl sie seit 2018 in Saarbrücken Jura studiert, gehören die Wochenenden Urbanatix. Stress? Na klar! Schlafdefizit? Chronisch! Neue Eindrücke? Viel mehr als den Bahnhof und das Open Space kennt sie von Bochum bisher nicht. Und doch ist die grazile Tänzerin „überglücklich, es bis hierher geschafft zu haben. Ich verpasse keinen Termin. Das ist mein Traum“.

Von Samstag auf Sonntag schläft sie bei Maren Wittig, wie Sara eine Tänzerin voller Herzblut und Leidenschaft, die für Urbanatix nicht nur pendelt, sondern umgezogen ist. Die 25-Jährige stammt aus Konstanz am Bodensee. Als Tanztherapeutin arbeitete sie in Stuttgart, trat eine Weltreise an – und war im Frühsommer in Bochum zu Gast, um am Casting für die neue Urbanatix-Staffel teilzunehmen. Mit Erfolg. Maren wurde ausgewählt. Kurzerhand entschloss sie sich, nach Bochum zu ziehen. „Ich wollte immer schon nach NRW“, sagt sie. „Hier ist der Hotspot der urbanen Tanzszene. Anders als bei uns gibt’s hier sogar Fördergelder des Landes.“

Tänzerin zog aus Konstanz nach Bochum

Seit September lebt Maren Wittig in einer Wohngemeinschaft am Bergbaumuseum. Sie unterrichtet an der Ruhr-Uni und in einer Essener Tanzschule. Die Freizeit nimmt Urbanatix ein. „Eine supertolle Gemeinschaft. Meine Erwartungen werden mehr als erfüllt“, schwärmt sie. Und: „Alles ist nicht so teuer wie in Konstanz. Die Lebenshaltungskosten sind hier deutlich preiswerter.“

Urbanatix-Macher und -Regisseur Christian Eggert hält große Stücke auf seine beiden Neulinge. „Überhaupt hatten wir noch nie so viele neue Künstler wie diesmal.“ 14 der 40 Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind erstmals dabei. Nachwuchs ist für die Produktion existenziell wichtig, weiß Eggert: „Viele Kreative verlassen das Ruhrgebiet.“ Urbanatix zeige, dass es auch in die andere Richtung geht. Sara und Maren aus Süddeutschland liefern dafür den Beweis.

Mit „X“ feiert Festival seinen zehnten Geburtstag

Derweil gehen die Proben in den Endspurt. Am 6. November beginnt die neue Staffel in der Jahrhunderthalle. Der Titel „X“ (römisch 10) steht für eine erfolgreiche Dekade des Streetart-Festivals, das als letzter Überlebender des Kulturhauptstadtjahres 2010 im Ruhrgebiet gilt. Nach dem spektakulären „Road Trip“ 2018 wollen die Hobbykünstler mit den Profis aus aller Welt zum Jubiläum einen weiteren Schritt nach vorn gehen. Das Bühnenbild mit einer Stufen-Pyramide mit LED-Verblendungen für großflächige Projektionen werde neue Maßstäbe setzen, verheißt Eggert. „Das gab es in dieser Form noch nie.“

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