WAZ-Interview

Für neuen Polizeichef hat Kampf gegen Einbrecher Priorität

Polizeipräsident Jörg Lukat vor dem Präsidium an der Uhlandstraße.

Polizeipräsident Jörg Lukat vor dem Präsidium an der Uhlandstraße.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum.  De Kampf gegen Wohnungseinbrecher bleibt auch unter dem neuen Polizeipräsidenten Jörg Lukat oberstes Behördenziel. Das sagte er im WAZ-Interview.

Erstmals seit Jahrzehnten sitzt wieder ein gelernter Polizeibeamter auf dem Chefsessel der Bochumer Polizei. Die WAZ traf den neuen Polizeipräsidenten Jörg Lukat (56) am Montagnachmittag in seinem Büro an der Uhlandstraße zum Interview. Es ist das erste, das er seit Amtsantritt im Juni den Medien gab. Zuletzt hatte der frühere Streifenpolizist das Referat „Einsatz in besonderen Lagen“ in der Polizeiabteilung des Innenministeriums geleitet.

WAZ: Herr Lukat, was haben Sie heute Vormittag schon alles gemacht?

Jörg Lukat: Ich war bei der Lagebesprechung: Was ist übers Wochenende passiert? Dann war ich bei mehreren Besprechungen mit leitenden Polizeibeamten. Es kam keine Langeweile auf. Die Mittagspause ist auch irgendwie durchgegangen.

Sie sind in Herten aufgewachsen und leben auch heute noch dort. Welches Bild haben Sie von Bochum gehabt?

Hier hat meine Tochter studiert. Ich war schon sechsmal im Starlight Express. Bochum ist eine Stadt, die polizeieinsatzmäßig aus Sicht des Innenministeriums sehr professionell wahrgenommen wurde aufgrund der hier handelnden Personen. Und es ist eine Stadt, die eine Erstliga-Fußballmannschaft verdient hat.

Was haben Sie bisher gelernt seit Ihrem Amtsantritt?

Mir war nicht so präsent, wie vielfältig die Tätigkeiten eines Behördenleiters sind. Eine Ahnung hatte ich schon, aber die Wirklichkeit sieht etwas anders aus. Etwa beim Thema Personal: Woher kommt es und wie wird es gerecht verteilt?

Was sehen Sie als Behördenziel Nr. 1 an?

Die Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls steht weiter ganz oben. Das ist für das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung exorbitant wichtig.

Die Kriminalitätsquote sinkt, aber das Sicherheitsgefühl der Menschen sinkt trotzdem auch. Wie erklären Sie sich das?

Die subjektive Sicherheit spiegelt nicht zwingend auch die Kriminalitäts- und Einsatzlage. Es hängt von der Wahrnehmung des Einzelnen ab, wie er bestimmte Anlässe bewertet und er sich deshalb sicher oder unsicher fühlt. Als Faktor dazu kommt die Präsenz bestimmter Delikte in den Medien – etwa die Übergriffe an Silvester 2015/16 vor dem Kölner Hauptbahnhof – und wie darüber berichtet wird.

Wurmt es Sie, dass aufgrund juristischer Zwänge viele Tatverdächtige kurz nach der Festnahme wieder laufen gelassen werden müssen?

Als Polizist in einem demokratischen Rechtsstaat weiß man, warum Normen gesetzt wurden. Es gibt Grenzen in einem Rechtsstaat. Und das ist auch richtig so. Ansonsten könnte jeder Grenzen setzen wie er wollte. Und dann sind wir im Bereich des Faschismus.

Stört es Sie, dass an sehr vielen Brücken und Hauswänden von Unbekannten die Buchstaben „ACAB“ („All cops are bastards – „Alle Polizisten sind Bastarde“) aufgesprüht worden sind?

Man muss aufpassen, dass man nicht langsam abstumpft, weil man es so häufig sieht. Gleichwohl steckt eine völlige Respektlosigkeit dahinter gegenüber Kolleginnen und Kollegen, die eine sehr gute Polizeiarbeit machen.

Wie erklären Sie sich das?

Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Es betrifft ja zum Beispiel auch die Feuerwehr und den Rettungsdienst. Nicht einmal in Freibädern ist man in der Lage, das soziale Miteinander ausüben zu können. Das gibt zu denken.

Was sind die vornehmsten Tugenden eines guten Polizeipräsidenten?

Ein Behördenleiter sollte je nach Situation ein guter Zuhörer, Moderator oder Entscheider sein. Eines sollte er aber immer sein: aufrichtig und berechenbar.

Empfehlen sie Schulabgängern den Polizeiberuf?

Auf jeden Fall. Das ist ein unglaublich vielfältiger Beruf. Er öffnet viele Chancen und ist immer ganz nah bei den Menschen. Ich selbst schaue auf 40 Jahre zurück und bin dankbar, was ich alles erleben durfte.

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