Brandstiftung

Feuer in Bochum-Stiepel: Die Angst geht um im „Königreich“

Gisbert Gathmann vor den Heuresten, die das Feuer am Wochenende von den 80 Ballen hinterlassen hat. Er muss jetzt zusehen, wie er sie entsorgt bekommt.

Gisbert Gathmann vor den Heuresten, die das Feuer am Wochenende von den 80 Ballen hinterlassen hat. Er muss jetzt zusehen, wie er sie entsorgt bekommt.

Foto: Gernot Noelle

Bochum-Stiepel.  Die beiden Feuer auf zwei Bauernhöfen in Bochum-Stiepel haben Spuren hinterlassen – auch emotional. Das Leben geht weiter, doch die Angst bleibt.

Die Rauchschwaden sind verschwunden, auch die letzten Glutnester inzwischen erloschen. Doch die beiden Feuer am Wochenende auf zwei Bauernhöfen bleiben Gesprächsthema Nummer Eins in Bochum-Stiepel. Vor allem natürlich auf den Höfen selbst. „Es ist beängstigend zu wissen, dass da jemand herumturnt und zündelt“, sagt Gisbert Gathmann, einer der beiden Betroffenen.

Landwirte in Bochum-Stiepel leben nach den Brandanschlägen in Angst

30 Heuballen, die neben der Pferdepension seiner Frau an der Haarstraße lagerten, gingen am Samstagabend in Flammen auf. „Das Futter hätte für den halben Winter gereicht“, sagt Gisbert Gathmann. „Jetzt müssen wir zukaufen.“ Fassungslos blickt der 48-Jährige auf die Wiese, wo die Heureste liegen. „Das sieht aus wie auf einem Schlachtfeld.“

An Schlaf ist kaum zu denken

An Schlaf ist seit Samstagabend kaum zu denken. „Man hat jetzt Angst, dass weiter gezündelt wird“, gewährt Gisbert Gathmann einen Einblick in seine Gemütslage. Feinde habe er keine, sagt er. Im Gegenteil. „Wir haben tolle Nachbarn, kommen mit allen gut aus.“ So habe Landwirt Nico Strunk von nebenan mit seinem Radlader geholfen, die brennenden Heuballen auseinander zu ziehen, schildert Gathmann.

Und er selbst rückte als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Stiepel am Sonntagmittag mit aus, um den Brand am benachbarten Hof von Guido Schulte-Schüren zu löschen. Dort, auf der anderen Seite der Königsallee, war der Schaden am Ende um einiges höher als bei Gathmann. Von 800 Strohballen konnten lediglich 90 vor den Flammen in Sicherheit gebracht werden. Um diese macht sich Guido Schulte-Schüren nun natürlich Sorgen, Nicht, dass sie auch noch angezündet werden.

Brand war erst nach 24 Stunden gelöscht

Das Leben muss auch auf seinem Hof weitergehen. Die Rinder und Hühner wollen versorgt werden, am Samstag beginnt der Verkauf von Tannenbäumen. Und doch lässt sich der Brand von Sonntagnacht, der erst 24 Stunden später gelöscht war, nicht so einfach aus den Klamotten schütteln.

Betroffene sind versichert – immerhin

„Ich habe so gut wie gar nicht geschlafen“, sagt Rita Schulte-Schüren, die Mutter. Seit 1971 lebt sie auf dem Hof. „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Sie, vor allem aber ihr Sohn Guido, haben nun, zum normalen Betrieb, alle Hände voll zu tun: „Ich telefoniere schon rum, um von anderswo Stroh zu bekommen“, sagt der 47-Jährige. Versichert ist er, ebenso wie Nachbar Gisbert Gathmann.

Auch die Entsorgung kostet

Den Schaden beziffert Guido Schulte-Schüren grob auf 35.000 Euro. Hinzu kommen noch die Kosten für die Entsorgung. Die Summe kann sich also durchaus noch verdoppeln.“ Mit der Versicherung müsse er nun klären, „ob ich schon aufräumen darf“.

Ein ungutes Gefühl bleibt

Auch bei Guido Schulte-Schüren bleibt das ungute Gefühl, dass wieder etwas passieren kann. „Das hatte ich auch vor eineinhalb Jahren, als es weiter unten in Stiepel brannte.“ Ende Juli 2018 fingen 500 Strohballen am Hof Balte an der Brockhauser Straße Feuer, neben der Kosterbrücke. Der damals betroffene Landwirt Schmalenbeck rückte Sonntagnacht mit seinem Teleskoplader zur Haarstraße aus, um auf dem Hof von Guido Schulte-Schüren zu helfen. Die Gemeinschaft funktioniert also. Und sie wird jetzt, nach den aktuellen Bränden, noch wachsamer sein. „Denn das wird noch nicht das Ende gewesen sein“, befürchtet Gisbert Gathmann.

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