Kreativ werden

Farbenfrohe „BOSteine“ machen immer mehr Menschen Laune

 Tobias Mönninghoff mit seinem „Herbert-Grönemyer-Stein“.

 Tobias Mönninghoff mit seinem „Herbert-Grönemyer-Stein“.

Foto: #BOSteine

Bochum.  „BOSteine“ sind kleine Kunstwerke auf Kieselsteinen. „Finden, freuen, posten“, lautet das Motto. Mancher kann gar nicht mehr davon lassen.

„Hey, was liegt denn da?! Das ist ja niedlich!“ – So oder ähnlich reagieren immer mehr Menschen, wenn ihnen unvermittelt einer der bunten „BOSteine“ unterkommt. Was neuerdings immer öfter der Fall ist, weil sie immer öfter überall in der Stadt zu finden sind. Aber was hat es mit dem farbenfrohen Phänomen, das Menschen „einfach so“ ein Lächen ins Gesicht zaubert, genau auf sich?

Die Spurensuche führt ins Internet, genauer gesagt auf die Website der Facebook-Gruppe „BOSteine“.

Rasant gewachsen

Im Info ist deren Profil prägnant beschreiben: „Eine nicht kleine Gruppe bemalt Steine, um anderen und dadurch auch sich und eventuell seinen Kindern eine Freude zu machen.“ Wobei „klein“ es gar nicht mehr so richtig trifft, denn tatsächlich erfreut sich die noch junge FB-Gemeinschaft ungebremsten Zuspruchs. „Wir existieren erst seit dreieinhalb Woche, haben aber rasanten Zulauf. Aktuell steht die Seite bei 700 Mitgliedern“, sagt Tobias Mönninghoff, einer der Administratoren. „Mir als ,Künstler’ ist es eine Freude diese Gruppe mit zu betreuen“, sagt der Angestellte des Bergmannsheils, der privat gern seiner kreativen Ader frönt.

In den USA entstanden

Mönnighoff kann erklären, warum die „BOSteine“ so gut ankommen. Auch wenn die Idee, Kiesel zu bemalen und sie überall auszulegen, keine ureigene Bochumer Sache ist. „Die Amis haben es vorgemacht, dann hat’s die deutsche Küste erwischt, dann wurden in Essen die ,PottSteine’ aktiv. Da konnten wir einfach nicht anders und haben die ,BOSteine’-Gruppe bei Facebook aktiviert“, sagt Mönninghoff.

Und so funktioniert’s: Erwachsene, aber auch Kinder verwandeln Kieselsteine in individuelle Kunstwerke. Zum Bemalen eignen sich gut Acrylfarben oder Acrylstifte, weil sie wasserfest sind. Alle anderen Farben müssen mit Klarlack versiegelt werden, sonst ist das Kunstwerk nach dem nächsten Regen nicht mehr zu erkennen. Die Motive sind so bunt wie die Welt: auf manchen Steinen prangen Gebirgs- oder Südseelandschaften, auf anderen lacht die Sonne.

Schön und glatt

Wieder andere tragen verspielte Muster aus Spiralen oder Quadraten, von einem lächelt „Charlie Chaplin“ an Betrachter an. Mönnighoff selbst hat einen „Herbert-Grönemeyer-Stein“ vollendet. Tatsächlich sind alle Steine, jeder für sich, nicht nur Kunstwerke en miniature, sondern echte Unikate: kein „BOStein“ gleicht dem anderen. Schön und glatt und handlich aber sind sie alle.

Vor der Verbreitung werden die Fundstücke auf der Rückseite mit „#BOSteine“ getaggt. Und wo kann man sie dann finden? „Auf unserer FB-Seite werden Hinweise gegeben“, sagt Tobias Mönninghoff, „dann kann man sich auf die Suche machen.“ Allerdings werden die Fundorte nicht zentimeterscharf per GPS verraten, sondern nur ungefähr: „Im Gebüsch neben der Pommesbude an der Wittener Straße in Altenbochum“, wäre so eine Beschreibung. Schließlich gehören das Suchen und die Freude, zu finden, unbedingt zur Idee der „BOSteine“ dazu.

Werbung nicht erwünscht

Die Frage, was das Ganze soll, ist unzulässig, weil sie sich von selbst beantwortet: das Kolorieren, Auswildern und Gefundenwerden macht Laune. Ganz einfach. „BOSteine tragen Kreativität hinaus in den öffentlichen Bereich, jeder kann und darf mitmachen. Leute finden sie und sind happy“, sagt Tobias Mönninghoff.

Kleine Kunst, ganz groß

Einzige Einschränkung: Werbung oder politische Symbole/Parolen, bitte nicht! „Die Steine sollen Freude bringen, da passt so etwas nicht“, sagt Mönninghoff.

Kleine Kunst ganz groß also. Und: die BOSteine verschaffen ein Gemeinschaftserlebnis in der analogen Welt, von Bochumern auf Bochums Straßen halt. Für ein Phänomen, das im Internet entstand, ist das schon mal eine ganze Menge, oder?

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