Oldtimer

Der 911er: Sehnsuchtsauto für Generationen

Traumautos und Traumjob. Nico Karpinski (22) gehört zur Mechaniker-Mannschaft von Mittelmotor.

Traumautos und Traumjob. Nico Karpinski (22) gehört zur Mechaniker-Mannschaft von Mittelmotor.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Bochum.  Auf den ersten Blick ist es eine Autowerkstatt, auf den zweiten ein Traumort für Oldtimerfans: Bei Mittelmotor dreht sich alles um Porsche.

Ortsbesuch in Bochum-Laer, Werner Hellweg. Klingt unspektakulär. Aber bei dem Firmennamen fängt das Herz schon ein wenig schneller an zu klopfen. Mittelmotor. Sind das nicht die, die Porsche-Oldtimer auf Vordermann bringen?

Das sind sie. Und schon beim Betreten des Betriebshofs pocht das Herz in Richtung Stakkato; muss ich aufpassen, dass mir nicht die journalistisch gebotene Distanz abhanden kommt. Da stehen sie: Gut ein Dutzend ältere bis alte Porsche, 911er, 914er und auch ein 924, vom dem Niklas Ewertz natürlich weiß, dass er als „Hausfrauen-Porsche“ gilt. Aber für den 29-jährigen Werkstatt-Leiter von Mittelmotor ist das für Oldtimer-Rennen aufgemotzte Schätzchen trotzdem etwas besonderes. Es war sein erstes Auto. Und es ist ein Porsche.

Quasi eingerahmt wird der Wagen von zwei besonderen, „echten“ Porsche: Ein 912er – der 911er mit dem besonders kurzen Radstand und dem Hang, in jeder Kurve zu driften – und ein noch motorloser 3-Liter-Turbo von 1975 in Knallrot. „Ein sehr rares Auto“, sagt Niklas Ewertz und taxiert den Preis des Wagens, wenn er denn völlig hergestellt ist, auf etwa 200.000 Euro. Wahnsinn.

Wie so vieles im Oldtimer-Geschäft. „Die Preise haben sich in den vergangenen Jahren verdreifacht“, sagt Ewertz, die Hobbyschrauber vom alten Schlag seien ein wenig in den Hintergrund gedrängt worden von Investoren, die zwar kein Benzin im Blut, aber viel Geld auf der Bank haben. Auch deshalb sind etwa die 911-er Modelle aus den 70er Jahren, von denen einst viele beinahe für einen Appel und ein Ei zu haben waren, heute begehrt und extrem teuer geworden. Immerhin: „Der überhitzte Markt hat sich wieder etwas beruhigt.“

Weiter Weg für die Ausbildung

Was bleibt sind die Emotionen. Vor allem rund um die Stilikone 911 und den satten Sound seines Boxermotors. Unweigerlich geht mein Blick in Richtung Hof, als Mechaniker Nico Karpinski einen schwarzen Targa anlässt und ihn mit der gebotenen Sorgfalt in die Halle fährt. Ein Zittern geht durch den Wagen – und in Sekundenbruchteilen von meinem Ohr durch den ganz Körper. Wowh.

22 ist der Mechaniker. „Wir sind eine ziemlich junge Mannschaft“, sagt Werkstattleiter Ewertz. Er selbst ist gelernter Bürokaufmann, der Neffe von Mittelmotor-Inhaber Michael Wittke und schon frühzeitig mit dem Porsche-Virus infiziert worden. Der restlichen Crew geht es mehr oder weniger ähnlich.

Viel Schrauben, wenig Elektronik

Christian Schwarz (36) etwa. Der fährt privat zwar keinen Porsche, sondern einen kaum minder herrlichen BMW 1602, den er etwas verschämt in einer Ecke des Hofes platziert hat. Aber eines stand für den Mann aus dem Münsterland fest, als er vor Jahren die Schule beendet hat: „Ich wollte unbedingt in einer Oldtimer-Werkstatt lernen.“ Dafür hat er einen weiten Weg auf sich genommen. In Rheinland-Pfalz hat er seine Lehre absolviert, ehe er zu Mittelmotor kam. Mittlerweile ist er Kfz-Meister. Er sagt: „Wer mit Oldtimern gelernt hat, kommt hier schnell rein.“ Etwas länger dauert es bei Mechanikern, die bei einer herkömmlichen Werkstatt ausgebildet wurden, viel über neue Autos und über Elektronik wissen, aber vom Schrauben alter Schule nicht mehr ganz so viel mitbekommen haben.

Niemals ohne Profi kaufen

„Aber auch die wissen bald, worauf es ankommt“, sagt Christian Schwarz und nimmt für einen kurzen Moment den Blick vom Unterboden eines schwarzen 911ers, der aus Portugal kommt und in Bochum flott gemacht werden soll. Motoren sind die Spezialität der Werkstatt in Laer, deren zweites Standbein der weltweite Teileverkauf inklusive Fertigung von Ersatzteilen ist.

Bis zu einigen Monaten dauern und einige Zehntausend Euro kosten kann die Überholung eines Motors. Am Ende steht so ein 911er dann fast da wie nagelneu. Trotzdem muss jeder Liebhaber, und vor allem jeder Einsteiger in die Oldtimerszene wissen: „Ein altes Auto bleibt ein altes Auto“, so Niklas Ewertz. Und, wenn es um die bei einigen Kunden besonders wichtige Originalität von Teilen geht: „40 Jahre altes Zeug bleibt 40 Jahre altes Zeug.“ Und dann sieht er meinen sehnsüchtigen Blick auf diesen bildschöne Targa, eines der begehrten, eleganten F-Modelle. „Der hat keine Servolenkung, der hat kein ABS und er verliert womöglich Öl. Das muss man wissen.“

Was haben Sie gesagt? Erst später bin ich wieder zugänglich für Fakten. Zwei sind besonders wichtig für Schwärmer, die vielleicht mal Besitzer werden wollen. Erstens: Jeder luftgekühlte Porsche ist ein Oldtimer, die letzte Serie war der bis 1998 gebaute Typ 993. Zweitens: „Niemand sollte ein Fahrzeug ohne Einschätzung eines Profis kaufen.“Wird gemacht. Wann auch immer.

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