Jubiläum

Das Ruhrstadion in Bochum feiert 40. Geburtstag

Immer wieder Herbert Grönemeyer: Zehntausende Fans feierten den „Bochum“-Sänger 2015 im Ruhrstadion.

Immer wieder Herbert Grönemeyer: Zehntausende Fans feierten den „Bochum“-Sänger 2015 im Ruhrstadion.

Foto: Ingo Otto

Bochum.  Vor 40 Jahren wurde das Bochumer Ruhrstadion eingeweiht. Nicht nur der VfL fühlt sich hier zu Hause, sondern auch Grönemeyer und David Bowie.

40 Jahre Ruhrstadion: Kinder, wie die Zeit vergeht! Viele Bochumer/innen können sich noch gut an jenen Samstag im Juli 1979 erinnern, als das neue Stadion eingeweiht wurde.

70.000 Menschen drängelten sich am 21. Juli den ganzen Tag über an der Castroper Straße; nicht nur das Stadion wurde in Dienst gestellt, sondern auch die Leichtathletikanlagen und die Rundsporthalle. Vorm abendlichen Eröffnungsspiel unter Flutlicht, schwebte Ruhrpott-Sänger Ährwin Weiss („Wenn Dich dat Mäusken beißt“) mit dem Hubschrauber ein und überreichte OB Heinz Eikelbeck den schwarz-weiß gefleckten Ball für den ersten Kick im „Schmuckkästchen“.

Jungenlied mit Pfiff

Im Duell 1. Bundesliga gegen 2. Bundesliga siegte der VfL standesgemäß 3:0 gegen die SG Wattenscheid; bevor es losging, sangen aber noch die diesmal nur aus Bochumern bestehenden „Fischer-Chöre“: 50.000 stimmten, angeleitet von Chorleiter Gotthilf Fischer, mit ein. Nie hatte das „Bochumer Jungenlied“ so viel Pfiff wie an diesem unvergesslichen Abend.

Das Ruhrstadion! 26 Millionen DM hatte der Neubau gekostet, der genau genommen ein Umbau war. Mit dem Aufstieg des VfL in die Fußball-Bundesliga 1971 wurde der Ruf laut, das veraltete Stadion zu modernisieren. Dass das Projekt überhaupt in Gang kam, ist zweifellos mit dem Namen Ottokar Wüst (1925-2011) verbunden, dem legendären VfL-Vorsitzenden, der, redegewandt und mit besten Verbindungen zur Stadtspitze, immer wieder nachhakte.

VfL einst „unabsteigbar“

1979 war es soweit: Das Hochbauamt begann, die Sportarena stückweise umzubauen. Während dieser Zeit gewährte Westfalia Herne dem VfL Bochum im „Westfalia-Stadion“ sportliches Asyl. Das gute, alte Stadion „anne Castroper“ wurde baulich aufgepeppt, 38 tragende Betonbinder entstanden als neuer Blickfang und prägen heute noch das Bild der Großsportanlage gegenüber dem Knast „Krümmede“. Am 21. Juli 1979 wurde die seit 1972 unter dem Namen „Ruhrstadion“ eingetragene Sportstätte offiziell eingeweiht.

Berühmt wurde das Ruhrstadion in den Jahren danach nicht nur wegen der Ups and Downs der (einst) „unabsteigbaren“ VfLer, sondern auch wegen der Veranstaltungen, die neben König Fußball die Menschen lockten. Von der Top-Akustik des rundum überdachten Stadions profitierten nämlich alsbald auch zahllose Freiluftkonzerte, die dafür sorgten, dass Bochums Fußball- auch als Show-Arena bekannt wurde. Ständiger Stargast, der hier immer seine „Heimspiele“ absolviert, ist und war Herbert Grönemeyer. Unvergessen sein Konzert im strömenden Regen am 19. Juni 2015 beim ersten von zwei Jubiläumskonzerten fürs legendäre „4630 Bochum“-Album im damaligen „Revierpowerstadion“.

Massenproteste gegen Raketen

Die erste Großveranstaltung jenseits des Sports war allerdings das Festival „Künstler für den Frieden“ anno 1982; es war die hohe Zeit der Friedensbewegung und der Massenproteste gegen die Stationierung von Pershing-Atomraketen in Deutschland. Entsprechend voll wurde es am 11. September 1982; das Ruhrstadion konnte die Zuschauermassen nicht fassen, das erste Mal übrigens seit dem Umbau.

Monsters of Rock

Das Open-Air-Konzert setzte 250.000 Zuschauer in Marsch, die im und rund um das Stadion ein riesiges Aufgebot internationaler Sängerinnen und Sänger bejubelten. Über 200 Künstler traten an diesem Samstag auf, Harry Belafonte, Joseph Beuys, die Bots („Alle, die gegen Atomraketen sind, sollen aufsteh’n!“), Konstantin Wecker und Ulla Meinecke. Weitere Top-Events der 80er Jahre waren das Monsters of Rock-Festival am 28. August 1988 vor 20.000 Fans (Ticketpreis: 44 Euro + Geb.), das ganz große Hardrock-Nummern wie Iron Maiden, Kiss und David Lee Roth versammelte.

Heute noch Gesprächsthema sind die Auftritte von Marius Müller-Westernhagen („Geiler is’ schon“) und David Bowie („China Girl“) vor jeweils über 40.000 Fans. Marius rockte das Haus am 1. Juni 1985, der große Bowie absolvierte am 15. Juni 1983 ein fantastisches Konzert im Ruhrstadion – auf dem Plakat stand „Ruhrlandstadion“.

Man könnte noch viele Geschichten über Bochums Fußballtempel erzählen, der immer auch ein Anziehungspunkt für Nicht-Sportfans gewesen ist. Das darf gern in Zukunft so bleiben. Aber endlich wieder Bundesliga-Fußball im 40 Jahre alten Schmuckkästchen, das wäre natürlich auch schön!

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