Mondlandung

Das Mondmobil lockt die Massen in die Wattenscheider City

Das nachgebaute Mondmobil fuhr u.a. 1971 mit Oberbürgermeister Schwirtz durch Wattenscheid, am Steuer Otto Schmidt.

Das nachgebaute Mondmobil fuhr u.a. 1971 mit Oberbürgermeister Schwirtz durch Wattenscheid, am Steuer Otto Schmidt.

Foto: Foto: von Neudeck/Repro Gero Helm

Wattenscheid.  Vor 50 Jahren landeten die Amis auf dem Mond. Und durch die Wattenscheider Innenstadt fuhr etwas später ein Mondmobil, besetzt mit Astronauten.

Wenn Otto Schmidt heute über die Oststraße flaniert, fällt der 67-Jährige in seiner Kleidung unter den Besuchern in der Einkaufsstraße kaum auf. Das war einmal anders, ganz anders. Heute, als vor 50 Jahren zum ersten Mal Menschen auf dem Mond landeten, waren Raumfahrer in eine neue Dimension vorgedrungen – und auch Otto Schmidt hat bereits einen Astronautenanzug getragen und ist schon in einem Mondmobil gefahren.

Inspiriert vom Apollo-Programm

Rücksturz zur Erde. Inspiriert vom ehrgeizigen US-amerikanischen Apollo-Programm, reifte damals im Wattenscheider Großkaufhaus Horten ein Plan heran, in dessen Mittelpunkt ein Fahrzeug stand. Otto Schmidt, er nahm im Dezember 1966 mit 15 Jahren eine Lehre im erst zwei Monate zuvor auf dem Gertrudisplatz eröffneten Flaggschiff des Wattenscheider Einzelhandels auf, spielte eine zentrale Rolle. Gemeinsam mit dem Leiter der Dekoabteilung, Manfred Schwertmann, und den Kollegen baute er das legendäre Mondauto der Amerikaner nach. Möglichst originalgetreu sollte das Vehikel werden, orientiert an vorliegenden Plänen – Operation Luna-Mobil, ein Geheimprojekt. „Das Raumfahrtprojekt der USA mit der Mondlandung als Höhepunkt hat uns damals schwer beeindruckt.“

Hinter verschlossenen Türen einer Werkstatthalle des Mineralwasser-Unternehmens Aquella an der Berliner Straße arbeiteten Mechaniker des Hauses und Dekorateure Hand in Hand, tüftelten herum und investierten insgesamt Hunderte Arbeitsstunden.

Idee und Arbeit von Horten-Mitarbeitern

Als Chassis diente das tragende Teil einer weiteren rollenden Legende. „Es stammte von einem VW Käfer“, erinnert sich Otto Schmidt lächelnd. Stabil genug, um Insassen, zwei schwere Elektrobatterien und den futuristischen Aufbau zu tragen. Eine dreistufige Schaltung sorgte für Bewegung. Beim Mondmobilfahrer war Feingefühl gefragt während des Schaltens. Und das hatte Otto Schmidt, er lenkte das Mondmobil im detailgetreu entworfenen Astronautenanzug.

Schimmernder Astronautenanzug

Das schimmernde Outfit eines Astronauten gehörte dazu, dominiert von einem massiven Helm mit dunklem Visier und einem wuchtigen Tornister. Und es war der wohl schrillste Dienstwagen, in dem jemals der Oberbürgermeister einer deutschen Mittelstadt chauffiert wurde. So im Herbst 1971, als OB Herbert Schwirtz an Bord des Exoten durch die Wattenscheider Innenstadt gefahren wurde. Die Kaufleute setzten den rollenden, stets von unzähligen Neugierigen umlagerten Hingucker ebenfalls gern ein. Schlitten war gestern, der Nikolaus rollte im Mondmobil durch die Wattenscheider Innenstadt und verteilte Stutenkerle, auf Erden gebacken von Meister Peter Peitzmeier.

„Astronaut“ schwärmt noch heute

Der bodenständige Pilot des Mondmobils verbindet den heutigen 50. Jahrestag der Landung auf dem Mond mit ganz besonderen Erinnerungen. „Die Touren mit diesem Mondauto waren mit nichts zu vergleichen“, sagt Otto Schmidt jetzt noch voller Stolz, während er auf dem Alten Markt noch einmal demonstrativ einen Teil der irdischen Strecke mit ausgebreiteten Armen nachzeichnet.

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