Bergmannsheil

Bochumer Schüler lernen, einen Menschen wiederzubeleben

Wie animiere ich einen Menschen? Das zeigt Dominik Kuberra bei der Vorführung mit Defibrillator den Siebtklässlern der Schillerschule.

Wie animiere ich einen Menschen? Das zeigt Dominik Kuberra bei der Vorführung mit Defibrillator den Siebtklässlern der Schillerschule.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Bochum.  Im Bergmannsheil haben Bochumer Schillerschüler gelernt, wie sie Menschen wiederbeleben. Sie wissen jetzt, wie sie einen Defibrillator benutzen.

„Hallo, hallo, hallo?“ Assistenzarzt Stephan Arndt rüttelt an den Schultern einer Reanimationspumpe. Keine Reaktion. „Ihr müsst jetzt die Atmung prüfen. Nehmt euch dafür Zeit, ungefähr zehn Sekunden“, erklärt er der 7c der Schillerschule.

Die Gymnasiasten sind am Montag ins Universitätsklinikum Bergmannsheil gekommen, um zu lernen, was sie im Notfall tun können – wenn eine Person nicht mehr ansprechbar ist oder nicht mehr atmet. Dominik Kuberra, Facharzt der Klinik für Anästhesiologie, erklärt: „Es gibt zwei Fälle. Wenn die Person atmet und der Kreislauf funktioniert, wird sie in die stabile Seitenlage gelegt. Ist das nicht der Fall, muss sie reanimiert werden.“

Atmung prüfen, Oberkörper von Kleidung befreien und Herzmassage

Wie das geht, wissen die Siebtklässler jetzt genau. „Nachdem die Atmung geprüft wurde, muss man den Oberkörper von der Kleidung befreien“, erzählt Matthea vom gerade Gelernten. „Dann kommt die Herzdruckmassage, 100 bis 120 Mal pro Minute soll der Brustkorb runtergedrückt werden.“ Mit ganz schön viel Kraft – wie die Schüler an der Puppe feststellen. Schülerin Elsa meint: „Ich hätte vorher nicht gedacht, dass das so feste sein muss.“ Muss es aber – erklären die beiden Ärzte. Denn auch wenn bei der Herzmassage Rippen oder andere Knochen verletzt werden, kann vielleicht nur so das Leben eines Menschen gerettet werden.

Die 27 Schillerschüler sind an diesem Mittag mit voller Aufmerksamkeit bei den Ärzten, die ihnen das Thema Reanimation näher bringen. Emilia sagt: „Jeder sollte wissen, wie man jemanden wiederbelebt oder die stabile Seitenlage macht. Ich finde es gut, dass wir das von klein auf lernen.“ Mitschülerin Paula ergänzt: „Außerdem ist es wichtig, dass wir selbst ausprobieren können, wie das funktioniert. Nur so ist man im Ernstfall richtig vorbereitet.“

Berührungsängste gegenüber des Defibrillators nehmen

Die 90-minütige Einheit im Bergmannsheil geht am Montag über einen normalen Erste-Hilfe-Kurs hinaus. „Mittlerweile gibt es in Bochum in jeder Schule Defibrillatoren. Wir wollen heute Berührungsängste nehmen und zeigen den Umgang mit dem Gerät“, sagt Kuberra. Und der ist gar nicht schwer – beweist er während er mit den Schülern rund um die Puppe hockt, die wiederbelebt werden soll. „Ihr müsst eigentlich nur einen Knopf drücken und dann machen, was die Stimme sagt“, erklärt der Facharzt.

Die häufigsten Fehler beim Leisten von Erster Hilfe
Die häufigsten Fehler beim Leisten von Erster Hilfe

Nachdem der Profi es vorgemacht hat, sind die Schüler dran. Die Stimme, die nach Knopfdruck aus dem Defibrillator ertönt, erinnert sie daran, dass zuerst ein Notruf abgesetzt werden soll. Danach müssen die Schüler die Kleidung vom Oberkörper der Puppe entfernen und Klebeelektroden an ihr befestigen. „Der Schock wird vorbereitet, berühren sie den Patienten nicht mehr“, fordert das Gerät. Nach der Schockabgabe sollen 30 Herzmassagen und zwei Beatmungen folgen.

Herzmassage ist wichtiger als Beatmung

„Die Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung ist aber nicht zwingend erforderlich, wenn ihr das nicht machen möchtet“, gibt Kuberra den Schülern mit auf den Weg. Wichtiger sei die Herzmassage. Wer es sich aber zutraut, einen Menschen zu beatmen, hat von den Ärzten eine Maske für den Mund des Patienten bekommen.

Matthea, Elsa, Emilia, Paula und ihre Mitschüler fühlen sich nun gut auf einen Ernstfall vorbereitet. Auch wenn sie alle hoffen, dass es nie so weit kommt – sie wissen nun genau, was sie tun können, um ein Menschenleben zu retten.

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