Gastronomie

„Bochum Kulinarisch“ feiert im August 30. Geburtstag

Auf dem Dr.-Ruer-Platz wurde 1989 zum ersten „Kulinarischen Treffpunkt Bochum“ eingeladen. 2008 wechselte das Fest auf den Boulevard.

Auf dem Dr.-Ruer-Platz wurde 1989 zum ersten „Kulinarischen Treffpunkt Bochum“ eingeladen. 2008 wechselte das Fest auf den Boulevard.

Foto: Niggemann

Bochum.  „Bochum Kulinarisch“ ist ein Dauerbrenner. Seit 30 Jahren wird das Gourmet-Fest in der Innenstadt gefeiert. Im August steigt das Jubiläum.

„Im Sauerland würde man das Schützenfest nennen“, sagt Herwig Niggemann. 1989 war es der Lebensmittel-Großhändler, der mit Brauereichef Hugo Fiege und Haus-Oekey-Wirt Helmut Wicherek den „Kulinarischen Treffpunkt Bochum“ aus der Taufe hob. Mit der Anziehungskraft eines Schützenfestes. Doch mit Kochlöffeln statt Knarren, mit Entenbrust statt Schützenvogel. 30 Jahre später steht Bochums größte Schlemm-Meile noch immer unter Volldampf. Vom 7. bis 11. August steigt die runde Geburtstags-Auflage auf dem Boulevard.

Wiesbaden war Vorbild, als die drei Pioniere erstmals die Öfen anschmissen. In Hessen hatte Sternekoch Hans-Peter Wodarz in den 80er Jahren eines der ersten Gourmet-Straßenfeste in Deutschland etabliert. „So etwas müsste in Bochum doch auch machbar sein!“, sagte sich Stammgast Helmut Wicherek. Nicht als besserer Imbiss mit noch ‘ner Bratwurst mehr. Sondern mit Edlem, zugleich Bodenständigem auf der Gabel.

Drei Gründer sind bis heute dabei

Es bedurfte einiger Überzeugungsarbeit am Gastronomischen Stammtisch und des – auch finanziellen – Beistandes von Fiege und Niggemann, ehe im Juli 1989 auf dem Dr.-Ruer-Platz mit 16 Restaurants der erste „Kuli-Treff“ eröffnet wurde. Drei der Gründer sind bis heute dabei: die Lokale Borgböhmer (von Anfang an mit dem Klassiker Stielmus), Diergardt und Haus Kemnade.

2004 erfolgte der Namenswechsel zu „Bochum Kulinarisch“, vier Jahre später der Ortswechsel auf den Boulevard. Seither hat sich die Besucherzahl mit rund 50.000 mehr als verdoppelt – auch, weil nicht mehr nur an drei Tagen, sondern mittwochs bis sonntags gefeiert wird. Für zusätzlichen Zulauf sorgt seit gut zehn Jahren der Familiensonntag in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken und dem USB, nur echt mit der „Brummbärtüte“ mit Leckereien und Überraschungen für Kinder.

Für Gastronomen sind die Feier-Tage ein Kraftakt

Nur zu Beginn gab es Musik. Schnell habe man gemerkt, dass das Fest – anders als andernorts – ganz ohne Untermalung auskommt, dass „allein die Begegnung und Kommunikation wichtig sind“, so Herwig Niggemann.

Tatsächlich: Mucke, live oder von Band, vermisst niemand. Schon gar nicht die Gastronomen, für die die fünf Feier-Tage ein Kraftakt sind (was dem Sonntags-Frühstück 2018 ein jähes Ende bereitete). Ein Risiko ist ihr Engagement zugleich. Es gab viele verregnete, herbstlich kühle Sommertage. „Da geht’s dann zügig und tief in die roten Zahlen“, wissen die Macher. Ihre Maxime: „In besseren Jahren Geld zurücklegen, um schlechte Jahre ausgleichen zu können.“ Zum Jubiläum hat die Wirtegemeinschaft nochmals investiert. Neue Traversen schmücken die Pagodenzelte. Das Programmheft wurde um Rezepte erweitert. Wie immer ein Gemeinschaftswerk. „Denn anders als in manchen Nachbarstädten, wo sich ähnliche Feste aufgespalten haben, gab es bei uns nie größere Reibereien“, betont Niggemann.

Teilnehmerfeld bleibt unverändert

Dafür spricht auch die Jubiläumsauflage. Wie im Vorjahr bleibt das Teilnehmerfeld unverändert. Zu Tisch bitten aus Bochum die Restaurants Pablo, Kümmel Kopp, Strätlingshof, Livingroom, Franz Ferdinand, Tucholsky, Takeshi, Borgböhmers Waldesruh, Waldhaus und Vitrine, aus Hattingen An der Krüpe, Diergardt, Haus Kemnade und das Gasthaus Weiß, aus Witten „Hoppe’s Sinn.essLust“ sowie aus Herne das Haus Meistertrunk.

Herwig Niggemann nimmt Abschied

Vom Currywurst-Gamba-Spieß bis zum Blaubeer-Pfannekuchen, vom Zebra-Auflauf (!) bis zum Forellenfilet: „Bochum Kulinarisch ist auch eine Geschichte der wandelnden Esskultur des Ruhrgebiets“, sagt Herwig Niggemann. Nach Helmut Wicherek 2015 nimmt auch er in diesem Jahr Abschied. „Es ist Zeit, Jüngeren Platz zu machen“, sagt der 74-Jährige. Ganz ohne Tamtam. Ganz ohne Blaskapelle. Das wäre ja Schützenfest.

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