Ausbildung

900 Firmen im Fokus: IHK Bochum startet Ausbildungsoffensive

ThyssenKrupp zählt zu den bedeutendsten Ausbildern in der Region, hier bei einem Aktionstag an einem elektropneumatischen Aufbau für Industriemechaniker mit Philip Doan (Mitte) und Deniz Bicakci, Rene Hilgers, Bianca Ellerbrock und Pascal Rekowsi.

ThyssenKrupp zählt zu den bedeutendsten Ausbildern in der Region, hier bei einem Aktionstag an einem elektropneumatischen Aufbau für Industriemechaniker mit Philip Doan (Mitte) und Deniz Bicakci, Rene Hilgers, Bianca Ellerbrock und Pascal Rekowsi.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bochum.  900 Betriebe in Bochum bilden nicht aus, obwohl sie es können. Das nimmt die IHK im Lehrstellenendspurt zum Anlass für eine Ausbildungsoffensive.

Trotz steigender Zahlen bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen suchen Hunderte Firmen und Betriebe in Bochum noch händeringend Lehrlinge. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) startet deshalb eine Last-Minute-Offensive. 900 Unternehmen werden angeschrieben und angerufen. Ziel: Im Endspurt noch möglichst viele Lehrstellen zu besetzen.

Auf dem Papier stimmt die Bilanz der Arbeitsagentur. Mehr als 800 Ausbildungsplätze in Bochum waren Ende Juli noch offen. Zugleich gab es 725 unversorgte Jugendliche. Doch die Rechnung geht nicht auf. „In vielen Branchen mangelt es sowohl noch an Ausbildungsplätzen als auch an passenden Bewerbern“, beobachtet Kerstin Groß von der IHK Mittleres Ruhrgebiet. Das sei umso verhängnisvoller, als dass der Fachkräftemangel in immer mehr Wirtschaftsbereichen „inzwischen voll durchschlägt“, etwa in der Pflege oder Teilen des Handwerks.

IHK nimmt Kontakt zu Betrieben auf

Die Kammer geht in die Offensive. Sie hat in Bochum 1589 Mitgliedsunternehmen, die ausbilden können. Derzeit tun dies aber nur 645. Heißt: 900 Firmen bilden trotz Qualifikation keinen Nachwuchs aus: vielfach, weil geeignete Interessenten fehlen, aber auch, weil sie über keinen Ausbilder verfügen (der im ersten Jahr gar nicht erforderlich ist). Kerstin Groß: „Wir nehmen in den nächsten Wochen Kontakt zu diesen 900 Betrieben auf und fragen gezielt: Wen braucht ihr? Was wünscht ihr euch von uns?“

Die Endspurt-Kampagne ergänzt die Lehrstellenbörse, die die IHK im Internet eingerichtet hat (www.ihk-lehrstellenbörse.de). Den Unternehmen dient sie als Plattform, um für ihre Ausbildung zu werben, den Schülern als eine von mehreren Möglichkeiten, sich über das Angebot vor Ort und in der Region zu informieren. Die Börse werde auch von Eltern rege nachgefragt, berichtet Kerstin Groß: „Sie sind nach wie vor die wichtigsten Ansprechpartner und Ratgeber für die Jugendlichen, wenn es um die Berufswahl geht.“

Lehrstellenbörse mit Luft nach oben

Auch die Lehrstellenbörse habe „noch Luft nach oben“, konstatiert die IHK. Für das im September beginnende Ausbildungsjahr 2019/20 nutzen sie derzeit 14 Bochumer Unternehmen, die kurzfristig 16 Plätze offerieren. „Und zwar querbeet: im IT-Bereich, im gewerblich-technischen und im kaufmännischen Bereich sowie in der Gastronomie“, so IHK-Sprecher Jörg A. Linden.

Auf einen Erfolg der IHK-Offensive hofft man insbesondere im Gastgewerbe. Restaurants und Hotels fällt es immer schwerer, ihre Lehrstellen zu besetzen. Christian Bickelbacher zum Beispiel könnte in seinen sieben Betrieben (u.a. Tucholsky, Three Sixty) 15 Azubis in fünf verschiedenen Berufen ausbilden. Aktuell sind sieben Stellen besetzt. Die Branche müsse für den Nachwuchs eine „neue Wertschätzung gewinnen“ und attraktivere Rahmenbedingungen, nicht zuletzt beim Lohn, schaffen, sagt der Unternehmer. Viele Betriebe seien bereits auf diesem Weg: „Wir bieten Jobs mit Herzblut!“

Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Auf den Weg gemacht haben sich auch andere Branchen, würdigt die Industrie- und Handelskammer. Mit vielfältigen Aktionen werde um Azubis geworben. Kerstin Groß: „Jetzt endlich hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass der berufliche Nachwuchs unsere Zukunft ist.“

Eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft dennoch, erkennt die scheidende Arbeitsagentur-Chefin Regine Schmalhorst. Die Zahlen allein seien nicht entscheidend. „Das Anforderungsprofil der Unternehmen und die Vorstellungen der Jugendlichen müssen ebenso übereinstimmen.“

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