Stadtgeschichte

Nach 52 Jahren standen die Bänder bei Opel für immer still

Eine Ära geht zu Ende: Nach 52 Jahren Autoproduktion schließt das Bochumer Opel-Werk im Dezember 2014.

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Bochum.   13,7 Millionen Autos wurden in 52 Jahren bei Opel in Bochum gebaut – bis 2014. Zehn Jahre lang hatte sich die Belegschaft gegen das Aus gewehrt.

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Als in der Nacht vom 4. auf den 5. Dezember 2014 der letzte Zafira vom Band des Opel-Werks in Laer lief, da ging eine Ära zu Ende. 52 Jahre lang wurden in Bochum Autos mit dem Blitz auf dem Kühler gebaut – mehr als 13,7 Millionen Fahrzeuge. 20.000 Menschen arbeiteten zu Spitzenzeiten in den drei Werken in Laer und Langendreer. Und plötzlich standen die Bänder still.

Doch so plötzlich kam das Aus gar nicht. Es war ein Tod auf Raten. „Bis 2014 hatte ich sieben Schließungspläne gesehen“, erinnert sich Rainer Einenkel; der Mann, der wie kein anderer für den Kampf um den Erhalt des Werkes steht. Dass dieser Kampf verloren ging, war auch für ihn, der 43 Jahre lang Opelaner und zehn Jahre lang Betriebsratsvorsitzender war, ein schmerzhafter Einschnitt.

Zuerst gab es viel Verbitterung

„Die ersten Jahre waren stark von Verbitterung geprägt“, räumt er ein. So langsam gewinne er zwar Abstand und versuche, „die Dinge neutraler zu sehen“. Aber ganz hat er noch nicht abgeschlossen. „Es bleibt dabei, die Schließung war eine unrechtmäßige Entscheidung.“ Noch immer steht er mit dem Unternehmen vor Gericht, um genau das klären zu lassen.

Was bleibt, sind Erinnerungen – „vor allem die an die riesengroße Solidarität der Menschen.“ Opel, das war immer mehr als Bochum. Wenn sie in Laer und Langendreer gehustet haben, drohte der ganzen Region eine Lungenentzündung.

Dass eine Studie der Technischen Universität Aachen 2012 den Bochumern attestiert, eine große Bedeutung für das ganze Unternehmen zu haben, sollte ihnen ebenso wenig nutzen wie die Pläne, hier den sanften Übergang vom Verbrenner- zum Elektro-Auto zu vollziehen. „Am Ende wollte General Motors nur noch raus aus Bochum“, so Einenkel.

Opelaner haben hart gekämpft und gut gearbeitet

Spätestens 2012 hat er gewusst, dass es eng werden würde. Die Opel-Mutter GM wollte einen 3,2 Milliarden Euro schweren Kredit nur gewähren, wenn das nächste europäische Werk schließen würde. Zwar schlossen daraufhin alle Standorte einen Solidaritätspakt. Aber als die britischen Kollegen in Ellesmere diesen unterliefen, wurde es eng für Bochum.

Auch für den Betriebsrats-Chef, dem angekreidet wurde, dass er den von Gewerkschaft und Unternehmen ausgehandelten Sanierungsplan nicht unterschreiben mochte, der immerhin eine Autoproduktion bis 2016 garantiert hätte. Dieses „Nein“ zementierte den Ruf Bochums als besonders kämpferische, ja aus Sicht des Arbeitgebers renitente Belegschaft.

Auch das sei eine Mär, so Einenkel. Ja, in Bochum hätten sie oft und hart für ihre Rechte gekämpft. Aber die Aachener Studie belege auch, dass die Bochumer Belegschaft immer kompromissbereit gewesen sei.

Hoffnung keimte zwar 2013 noch einmal auf, als 20.000 Menschen auf die Straße gingen und für den Erhalt des Werks protestierten. Aber 21 Monate später rollte der letzte Zafira – der Nachfahre von Kadett, GT, Manta, Ascona und Astra – aus dem Werk.

>> Multimedia-Chronik: Bochum von 1948 bis 2018

Dieser Artikel ist Teil des Projektes „70 Jahre WAZ – 70 Jahre Bochum“. Unser Zeitstrahl Bochum70.waz.de bietet zu Nachrichten und Ereignissen, die für Bochum(er) zwischen 1948 und 2018 wichtig waren, historische Filmaufnahmen, Fotos und die alten WAZ-Zeitungsseiten zum Durchblättern. Auf dem Spezial können Sie auch eigene Bochumer Stadtgeschichten und Fotos hochladen. Das erste Jahresthema der Multimedia-Chronik: die Gründung der WAZ in Bochum im Jahr 1948.

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