Stadtgeschichte

Der lange und schwierige Weg zum Musikforum Bochum

So feierten die Bochumer 2016 die Eröffnung des Anneliese-Brost-Musikforums.

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Bochum.   Im Oktober 2016 ist das Anneliese-Brost-Musikforum in Bochum nach viel Kritik eröffnet worden. Heute gilt das Haus als Bochumer Vorzeigeprojekt.

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Das letzte Oktoberwochenende 2016 wird in die Annalen der Stadt Bochum eingehen. Fast 35.000 Besucher strömten beim Tag der offenen Tür ins Musikforum am Marienplatz, um das nagelneue Haus in Augenschein zu nehmen. Der Andrang und das Interesse an der Spielstätte der Bochumer Symphoniker waren nicht zuletzt eine Bestätigung für Steven Sloane persönlich: Fast 20 Jahre hatte sich der Generalmusikdirektor für das neue Haus stark gemacht. Nun war es geschafft.

„Es war ein Kraftakt!“, sagt auch Michael Townsend, Kulturdezernent im Ruhestand. Unter seiner Federführung war das Musikforum geplant und entwickelt worden. Keine leichte Aufgabe, denn das Vorhaben war zwischenzeitlich höchst umstritten, und auch Townsend selbst musste harsche Kritik wegstecken.

„Das war manchmal schwierig, weil auch viel Polemik dazwischen war“, erinnert sich der Ex-Stadtdirektor. Gleichwohl sagt er: „Ich war immer von der Richtigkeit überzeugt. Der Bau des Musikforums war eine Idee, die fest in der Bevölkerung verankert ist.“ Die inzwischen sehr positive Resonanz habe ihn letztlich in allem bestätigt.

Norman Faber gab Anschubfinanzierung von fünf Millionen Euro

Die Entstehungsgeschichte des Hauses reicht lange zurück. Die Symphoniker, 1919 gegründet, waren seit je ein Klangköper ohne Zuhause; zuletzt pendelten die BoSy zwischen dem akustisch prekären Schauspielhaus und dem Audimax der Ruhr-Universität. Immer wieder gab es Pläne für ein eigenes Konzerthaus, doch entpuppte sich stets die Finanzierung als Hemmschuh.

Bewegung kam erst in die Sache, als der Unternehmer Norman Faber 2006 eine Anschubfinanzierung von fünf Millionen Euro auf den Tisch legte. Daraufhin stellte die Stadt ein City-Grundstück zu Verfügung, eine Bürgerinitiative und eine private Stiftung sammelten Spenden ein. Doch als Bochum 2010 in den Nothaushalt rutschte, schien alles für immer vorbei.

Fördergelder von der Europäischen Union

Dann wurde das Ei des Kolumbus aber doch noch gefunden: Wegen einer Konzeptänderung durch die Hinzunahme eines Musikschulsaals wurde aus dem Projekt Konzerthaus das Vorhaben Musikzentrum. Dafür gab’s Fördergelder vom Land und der EU, so dass der Rat im März 2011 den Bau des Musikzentrums beschloss, mit folgenden Eckdaten: private Spenden in Höhe von 14,3 Mio. Euro, öffentliche Zuschüsse von 16,53 Mio. Euro, Einhalten einer Baukostengrenze von 33,3 Mio. Euro.

Den Architektenwettbewerb gewann das Planungsbüro Bez + Kock aus Stuttgart, das die Neubauten des großen und kleinen Konzertsaals in die historische Marienkirche integrierte. Die Eröffnung als „Anneliese-Brost-Musikforum Ruhr“ erfolgte schließlich plangemäß im Oktober 2016.

Kosten stiegen auf 38 statt 33 Millionen Euro

Das Vorhaben war bis zuletzt umstritten. Der Bund der Steuerzahler setzte den Neubau auf die Steuerverschwendungsliste 2011. Auch ein Bürgerbegehren wurde initiiert; es scheiterte vor dem Verwaltungsgericht. Am Ende betrugen die Kosten rund 38 Millionen Euro. War die Finanzierung im Rückblick doch der größte Knackpunkt? Michael Townsend meint: nein. „10 Prozent Kostenüberschreitung sind für öffentliche Bauten dieser Größe ein gutes Ergebnis“, sagt er. Und: „Für die 38 Millionen, die das Haus gekostet hat, werden Sie nirgends ein ähnliches Projekt realisieren können.“

Eröffnung des Musikforums 2016

Heute dient das Musikzentrum vor allem den BoSy für Proben und Konzerte und der Musikschule als Auftrittsort für ihre Schüler und Ensembles. Ganz nebenbei ist es als architektonisch ansprechender Bestandteil der Innenstadtgestaltung anerkannt. Selbst ehemalige Gegner der „Fiedelbude“ sind inzwischen vom kulturellen Mehrwert des schmucken Hauses für Bochum überzeugt.

>> Multimedia-Chronik: Bochum von 1948 bis 2018

Dieser Artikel ist Teil des Projektes „70 Jahre WAZ – 70 Jahre Bochum“. Unser Zeitstrahl Bochum70.waz.de bietet zu Nachrichten und Ereignissen, die für Bochum(er) zwischen 1948 und 2018 wichtig waren, historische Filmaufnahmen, Fotos und die alten WAZ-Zeitungsseiten zum Durchblättern. Auf dem Spezial können Sie auch eigene Bochumer Stadtgeschichten und Fotos hochladen. Das erste Jahresthema der Multimedia-Chronik: die Gründung der WAZ in Bochum im Jahr 1948.

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