WIRTSCHAFTSINTERVIEW

Volksbank-Chef Dommes sucht „händeringend Bankkaufleute“

Volksbank-Chef Karl-Michael Dommes (rechts, mit seinem ehemaligen Vorstandskollegen Norbert Kaufmann) beim Bilanzgespräch in Neuenrade

Volksbank-Chef Karl-Michael Dommes (rechts, mit seinem ehemaligen Vorstandskollegen Norbert Kaufmann) beim Bilanzgespräch in Neuenrade

Foto: volksbank südwestfalen

Balve/Lüdenscheid/Siegen.  Gute Zeiten, schlechte Zeiten: Volksbank-Chef Karl-Michael Dommes beklagt Strafzinsen. Zugleich gibt es neue Chancen im Geld-Geschäft.

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Strafzinsen sind eine Gefahr für Geldinstitute wie die Volksbank Südwestfalen. Vorstandschef Karl-Michael hat im WP-Gespräch aber auch gute Nachrichten.

Der Chef der Commerzbank kündigte letztens an, er wolle mit Blick auf Strafzinsen die Treppe von oben kehren. Haben auch Sie den Besen in der Hand?

Karl-Michael Dommes Den haben wir schon ein bisschen länger in der Hand. Wir haben Großanlegern, die ansonsten nichts mit uns machen, bereits im Jahr 2018 gesagt, wir müssen uns mal über das Thema unterhalten. Das waren vielleicht eine Hand voll Kunden. Und jetzt wird das eine Nummer kleiner.

Bisher trafen Strafzinsen Einlagen mit sieben Stellen. Trifft es bald Einlagen mit sechs Stellen?

So wird es sein.

Müssen Normalsparer flattrig werden?

Normalsparer müssen sich keine Sorgen machen. Nein, wir reden über Einlagen zwischen 250.000 und 500.000 Euro – und zwar nur von solchen Kunden, die uns als Geldparkplatz sehen. Kunden, die darüber hinaus mit uns Geschäfte machen, sind nicht davon betroffen.

Für Banken ist es schwierig geworden, mit Kunden-Einlagen Geld zu verdienen. Welche Bereiche bringen noch gute Erträge?

Das klassische Kreditgeschäft bringt Erträge. Auch an der Baufinanzierung verdienen wir eine kleine Marge. Das gilt auch für die Firmen-Finanzierung. Neben dem Privat- und Mittelstandsgeschäft gibt es ein paar Spezialdisziplinen, auf die wir stolz sind. Dazu zählt das Auslandsgeschäft, um das wir uns schon vor vielen Jahren gekümmert haben. Da haben wir sehr erfreuliche Wachstumsraten. Wir kümmern uns um das Geschäft Ware gegen Geld am Kai in Shanghai. Das können wir hier in Südwestfalen gut abwickeln, mit fünf Mitarbeitern. Andere Wettbewerber machen das in Dortmund oder in Düsseldorf. Der andere Bereich, der gut läuft, ist das Geschäft mit Immobilien. Wir haben dieses Jahr acht Prozent mehr Objekte vermittelt. Bei der Courtage haben wir elf Prozent zugelegt.

Sind Grundstücke und Gebäude auch in Südwestfalen teurer geworden?

Sie sind im Preis ein Stück weit gestiegen. Die Preissteigerungen sind aber nicht so exorbitant wie in den Metropolen.

Ziehen Großstädter aufs Land und werden Pendler?

Wenn Sie Hagen oder Dortmund meinen, stimmt das. Herscheid, beispielsweise, profitiert davon. In der Stadt ist alles da, was man so braucht – und man ist schnell auf der Autobahn.

Ich höre: Zwei Dinge sind wichtig – Lage und Verkehrsanbindung.

Balve ist auch eine wunderschöne Stadt, aber Balve liegt eben nicht an der Autobahn.

Bisher lief die Wirtschaft super. Jetzt ist aber von Stagnation die Rede. Macht sich das bemerkbar?

Wir liegen noch im Trend, was unsere Erwartungen betrifft. Wir hören aber von Unternehmen, dass es erste Bremsspuren bei Umsatz und Erträgen gibt. In der Summe ist das Jahr noch okay. Wir stellen uns aber die Frage: Sind das nur Bremsspuren – oder gibt es einen Abwärtstrend wie vor zehn Jahren?

Dazu kommt die Diskussion über die Zukunft der Mobilität.

Wir sind klassisches Auto-Zulieferland. Wenn wir wüssten, wie lange wir noch ruhigen Gewissens einen Diesel mit Euro-6-Norm fahren dürfen, würde sich die Situation ein Stück weit entspannen. Beim Thema E-Mobilität sind noch viele Fragen offen – wie die Zahl der Ladesäulen.

Was braucht die Industrie?

Der Mini-Zins ist für die Industrie nicht ausschlaggebend. Die Industrie braucht Zuverlässigkeit und eine gute Stimmung. Der Unternehmer braucht Gewissheit: Kann ich meine Ware verkaufen? Wenn ich verkaufen kann und eine gute Perspektive sehe, dann investiere ich.

Die wirtschaftliche Lage wird auch von Mitarbeitern der Banken mit Sorge gesehen. Ist die Angst berechtigt?

Alles was digitalisierbar ist, wird digitalisiert. Die meisten Kunden wollen das so. Für einfache Tätigkeiten brauche ich keine Bankkaufleute mehr. Aber ich brauche gute ausgebildete Bankkaufleute und künftig noch mehr Leute, die ein Duales Studium absolvieren, die sich in der digitalen Welt auskennen und die Spaß an komplizierteren Beratungsthemen haben. Eine Existenzgründung kriege ich nicht im Internet hin. Auch Altersvorsorge ist ein Thema. Wir suchen händeringend Bankkaufleute, wir suchen Informatiker, Mathematiker und Menschen, die mit anderen Menschen können.

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