ST. BLASIUS

Organist Maximilian Wolf: „Menschen sind sehr herzlich“

Organist Maximilian Wolf improvisiert an seinem Arbeitsplatz im WP-Gespräch

Organist Maximilian Wolf improvisiert an seinem Arbeitsplatz im WP-Gespräch

Foto: Jürgen Overkott

Balve.   Ein Bayer in Preußen. Seit vier Wochen ist Organist Maximilian Wolf in Balve. Wie fühlt sich das an? Zeit für ein WP-Gespräch.

Seit dem 1. Oktober arbeitet und wohnt der neue Organist des Pastoralverbundes Hönnetal in Balve. Maximilian Wolf kommt aus der Nähe von Regensburg – Zeit, über erste Erfahrungen zu reden.

Sie sind von Bayern nach Preußen gewechselt. Wie fühlt sich das an?

Maximilian Wolf: Erst mal ungewohnt, aber gut.

Was ist für Sie ungewohnt?

Ich würde sagen, die Mentalität ist erst mal ungewohnt, auch die Sprache. Aber ganz ehrlich: Ich hab’s mir schlimmer vorgestellt. Ich hatte mit stärkerem Dialekt gerechnet. Gut, es gibt Wörter wie „woll“, die man bei uns überhaupt nicht kennt. Ungewohnt sind auch architektonische Sachen wie die Fachwerkhäuser. Aber das war’s. Nein, ich fühl’ mich bisher sehr wohl.

Die Menschen sind also freundlich auf Sie zugekommen.

Ja, das betone ich immer wieder: Die Menschen hier sind sehr herzlich. Egal wen man auf der Straße trifft – man kann mit allen Leuten reden; sie sind sehr offen. Das ist mir beim Vorstellungsgespräch schon aufgefallen, und das ist auch ein Grund, warum ich mich hierher beworben habe.

Sie haben vor nicht allzu langer Zeit die Koffer gepackt. Hatten Sie eine Träne im Knopfloch?

Was heißt: eine Träne? Je mehr der Termin näher und je mehr man die Koffer packt, desto mehr realisiert man, was man zuhause gehabt hat. Die Familie, die Freunde, die ich in Regensburg hatte. Aber man kommt ja hier gleich mit neuen Leuten in Kontakt. Ich glaube, ich habe an einem Tag gleich fünf neue Leute kennengelernt. Das war überhaupt kein Problem. Außerdem kann man ja im Zeitalter von Internet und WhatsApp problemlos in Verbindung bleiben.

Hat einer der alten Freunde schon seinen Besuch angedroht?

Ja! Ja! Meine Familie war schon hier, und mein Bruder mit seiner Freundin kommt dieses Wochenende her. Meine Freunde sind auch sehr herzlich willkommen, auch wenn es von Regensburg bis hier her 530 Kilometer sind. Da braucht man schon ein bisschen Zeit. Wenn man zügig fährt, braucht man vier Stunden. Meistens sind es aber mehr, wegen der vielen Baustellen.

Baustelle Arbeitsplatz – wie läuft es dort?

Gut, sehr gut. Macht höllisch Spaß, die Arbeit. Die Orgel ist gut, und auch das Singen macht Spaß, die Chorprobe. Konzerte planen, Konzerte organisieren: Das habe ich bis jetzt noch nicht gemacht, aber das habe ich vor. Auch die Organisten-Kollegen sind übrigens sehr herzlich, sehr entgegenkommend. Das macht die Arbeit einfach und sehr, sehr schön.

Man könnte Sie verdächtigen, Sie hätten Spaß bei der Arbeit.

Das kann man so sagen. Das ist das Schöne: Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Man hat ja auch viel mit Leuten zu tun, Erwachsenen, aber auch mit Schülern. Mir ist es wichtig, dass ich meine Freude, meine Leidenschaft weitergeben kann.

Ich erlebe Sie als kommunikativen Menschen. Haben Sie früher Jugendarbeit gemacht?

Aber nur im Schüler-Lehrer-Bereich. Ich habe Unterricht gegeben. Eine Ausbildung in dem Bereich habe ich aber nicht gemacht.

Es gibt ja Lernen durch Erfahrung.

Bis zum Gymnasium war ich Messdiener, und da hatte ich auch mal mit Kleineren zu tun. Auch als ich bei den Regensburger Domspatzen war, musste ich bei Konzerten ein bisschen auf die Kleineren aufpassen.

Reden wir mal über Ihr Arbeitsgerät. Wie ist denn das?

Auch gut. Die Orgel hat einen sehr guten Klang, vor allem für Barockmusik, auch wenn noch ein, zwei Kleinigkeiten fehlen (lacht). Aber das ist eben so in den Gemeinden, dass jede Orgel ihre Besonderheit hat.

Was macht für Sie eine gute Orgel aus?

Vornehmlich der Klang, einerseits. Andererseits auch die Register, die Klangfarben. Die große Orgel in der St.-Blasius-Kirche hat viele Register. Man kann allgemein sagen: Je mehr Klangfarben eine Orgel hat, desto prächtiger klingt sie. Wichtig ist natürlich auch die Interaktion mit dem Raum.

Die Kirche sieht von oben, von der Orgel-Empore, prächtig aus. Klingt sie auch prächtig?

Ja! Sie hat eine gute Akustik. Es ist etwas Nachhall da.

Eine volle Kirche schluckt Schall.

Die Orgel hat so viele Klangfarben, dass ich auch für viele Leute spielen kann. Und die Orgel hat die entsprechende Kraft.

Um mal eine Redensart wörtlich zu nehmen: Haben Sie schon mal alle Register gezogen?

Oh ja!

Bei welchem Stück kann man das denn?

Bei Max Reger. Das ist ein Komponist aus der Gegend, aus der ich komme: aus der Oberpfalz. Er hat viele Stücke über Kirchenlieder geschrieben, die Melodie wird variiert, mal im Sopran, mal im Bass, und am Ende gibt’s eine Steigerungsfuge: Da werden alle Register gezogen.

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