James B. Irwin

Astronaut sprach die "Space Sinfony"

Foto: Abakus-Verlag

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Der eine, James B. Irwin, war der achte Mensch auf dem Mond, der andere, Siegfried Fietz, im Siegerland aufgewachsen, ist christlicher Komponist und Liedermacher. Beide einte bis zu Irwins Tod 1991 in Glenwood/Colorado eine lange Freundschaft, die über die Produktion einer Langspielplatte entstand.

Fietz schrieb 1980 die „Space Sinfony”, der Apollo 15-Astronaut erzählte von seinen Erlebnissen auf dem Mond, das Londoner Royal Philharmonic Orchestra spielte die Musik dazu.

Der Siegerländer und der Amerikaner fanden über den in Norwegen lebenden Filmemacher Jochen Schilde zusammen. Der hatte einen Film über Irwin gedreht und davon seinem Freund Siegfried Fietz erzählt: „Dann sagte er: Eigentlich solltest Du eine Weltraum-Sinfonie schreiben.”

Fietz nahm die Anregung auf: „Ich bin abends nach draußen gegangen, habe mir den Mond angesehen, dachte an ,Guter Mond Du gehst so stille' und ,Der Mond ist aufgegangen'. Dann habe ich mir gesagt: Ich müsste Kontakt zu Irwin bekommen, um mit ihm über seine Erfahrungen zu reden.” Tatsächlich stand Irwin eines Tages in den Räumen des Abakus-Verlags in Greifenstein-Allendorf, den Fietz-Ehefrau Barbara betreibt. Während nebenan Vertreter von Presseagenturen und Zeitungen warteten, erklärte Fietz dem Mondfahrer sein Konzept: „Da war noch keine Note geschrieben.” Als dies geschehen war, wollte der Komponist ein dem Projekt angemessenes Orchester: „Wir haben viel riskiert und die königliche Philharmonie ausgesucht, sind mit 55 000 kleinen Scheinchen nach London gefahren und haben die innerhalb von zwei Tagen verbraten.”

Stehende Ovationen in Huntsville/Alabama

Mittlerweile war aus der Partnerschaft eine „tiefe Freundschaft”geworden. Fietz und Irwin reisten mit einem Musik-/Erzählprogramm durch Deutschland und Österreich – Tag für Tag Bürgermeister-Empfänge, die allmählich müde machten. Siegfried Fietz: „Ich erinnere mich noch an Memmingen. Da standen wir vor dem Rathaus, zögerten hineinzugehen, bis Jim Irwin sagte: ,Ich tue es für Dich, Siegfried'. Ich antwortete: ,Ich tue es für den Bürgermeister und die Leute, die auf uns warten.' Er machte einen Schritt Richtung Rathaustür, sah mich an und sagte nur: ,Komm, wir tun es für Gott '.”

Eine USA-Tournee startete in Huntsville/Alabama, dem Ort, an dem deutsche Wissenschaftler um Wernher von Braun die Mondraketen entwickelten. Fietz: „Wir wurden von diesen Leuten mit standing ovations als ,German and American heroes' gefeiert.”

James Irwin war da schon nicht mehr gesund: „Bei seinem Mondaufenthalt hatte der Raumanzug nicht richtig funktioniert”, berichtet Siegfried Fietz, „Jim musste immer wieder zurück in die Mondfähre, um, wie er sagte, ,gallons of water' zu trinken.” Der Astronaut wurde nach der Rückkehr vom Mond am Herzen operiert und hatte seitdem mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen – Probleme, die letztlich zu seinem Tod im Alter von 61 Jahren führten.

Siegfried Fietz wird den 8. August 1991 nie vergessen: „Wir waren noch durch den kleinen Ort gejoggt und dann bei einem Arzt-Ehepaar zum Essen eingeladen. Jim sagte, ihm gehe es nicht gut, und legte sich zum Ausruhen hin. Als wir nach ihm sahen, sagte er nur noch: ,Siegfried, mach auf jeden Fall weiter' – dann ist er gestorben.” Der Komponist der „Space Sinfony” wollte zunächst nicht am gleichen Abend auftreten und erfüllte den letzten Wunsch seines gestorbenen Freundes dann doch: „Alle haben gesagt: ,Das musst Du einfach machen'.”

Erinnerung gingen tief unter die Haut

Die Rolle von James Irwin übernahm ein Bekannter. „Tricksy”, wie er genannt wurde, hatte die Mondanzüge der Apollo-Astronauten entworfen: „James hatte mir gesagt, der Mann sei nicht besonders christlich. Am Abend von Jims Todestag hat er aber geredet, dass es allen Anwesenden tief unter die Haut ging.”

Nicht mehr realisieren konnten Fietz und Irwin unter anderem eine geplante China-Reise. Zurück blieb und bleibt für den Komponisten die Erinnerung: „Er hat mich mit seinen Erzählungen zutiefst fasziniert. Wenn er berichtete, dass er vom Mond aus die Erde zwischen zwei Finger fassen konnte und dass man von dort keinerlei Grenzen sah – das werde ich nie vergessen.”

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