Motorradunfälle

Wird die Hellefelder Höhe für Motorräder gesperrt?

Wie kann die Raserei der uneinsichtigen Fahrer unterbunden werden?

Wie kann die Raserei der uneinsichtigen Fahrer unterbunden werden?

Foto: Wolfgang Becker

Arnsberg/Sundern.  Alle Appelle an die Vernunft verpuffen, die Raserszene zeigt sich resistent. Eine Bürgerinitiative fordert jetzt drastischere Maßnahmen.

Immer wieder rückt die Hellefelder Höhe nach schlimmen Unfällen – zuletzt verlor dort ein 20-jähriger Motorradfahrer sein junges Leben – in den Fokus.

„In den letzten zwei Jahren hat sich die Straße zwischen Arnsberg und Hellefeld zu einer wahren Rennstrecke entwickelt,“ klagt Jens Kuhnen von der Sunderner Bürgerinitiative „Motorradlärm und Motorradraserei“. Und fordert nun rigorose Maßnahmen. Denn Appelle von Bürgerinitiative, Polizei und dem Bund der Motorradfahrer an die Vernunft hätten bislang keine Wirkung gezeigt.

Bleiben also nur noch rigorose Maßnahmen wie eine Streckensperrung für Motorräder?

Appelle an die Vernunft verpuffen ohne Wirkung

„Es ist leider tatsächlich so: Durch Prävention erreichen wir nicht viel.“ Holger Glaremin, Sprecher der Kreispolizeibehörde in Meschede, kennt die Sachlage aus dem Effeff.

Schon seit langer Zeit versuche die Polizei, hier im positiven Sinne, im Sinne der Vernunft, auf diejenigen Motorradfahrer einzuwirken, für die Geschwindigkeitsregeln und Rücksichtnahme auf andere Verkehrsteilnehmer und lärmgeplagte Anwohner nicht zu gelten scheinen. Doch erreicht würde in der Regel nur der Motorradfahrer-Kreis, der ohnehin korrekt unterwegs sei, so Glaremin.

„Man kann das Motorradfahren auch praktizieren, ohne andere Personen zu belästigen“

Eine Erfahrung, die auch Jens Kuhnen so gemacht hat. Gemeinsam mit dem Bund der Motorradfahrer hatte die Bürgerinitiative – wie berichtet - auf dem kleinen Parkplatz an der Einfahrt zum Kompostwerk auf der Hellefelder Höhe die Aktion „Kaffee statt Knöllchen“ aufgelegt, um mit den Kradfahrern ins Gespräch zu kommen.

„Aber angehalten und mit uns über die Situation geredet haben nur die vernünftigen Fahrer. Die Raser dagegen hatten wohl kein Gesprächsinteresse.“

Dabei, erklärt Kuhnen, habe man mit dieser Aktion nur das gegenseitige Verständnis, die gegenseitige Rücksichtnahme schärfen wollen. „Schließlich geht es uns nicht darum, jemandem die Freude am Motorradfahren zu nehmen. Aber dieses Hobby kann man auch so praktizieren, ohne andere Personen zu belästigen.“

An der Hellefelder Höhe hat sich eine Raserszene entwickelt

Daher sei es der Bürgerinitiative bislang auch in erster Linie nicht um die Sperrung oder zeitweise Sperrung der kurvenreichen Waldstrecke für Kräder gegangen. „Doch inzwischen hat sich hier an der Hellefelder Höhe eine richtige Raserszene entwickelt: Innerhalb der Woche kommen Motorradfahrer aus dem Ruhrgebiet, an den Wochenenden sind es Fahrer aus Ostwestfalen, die sich hier gezielt verabreden.“

Verabreden, um einmal „richtig die Sau herauszulassen“, wie es auf einem Facebook-Aufruf einer dieser Gruppen hieß. Jens Kuhnen: „So ein Aufruf ist für mich kriminell.“

Bürgerinitiative: Verantwortliche müssen endlich aktiv werden

Vor diesem Hintergrund fordert Kuhnen, der als Mitglied der „First Responder Hellefeld“ oft selbst als Ersthelfer bei Unfällen auf der Hellefelder Höhe im Einsatz ist und daher weiß, welche schlimmen Folgen Raserei haben kann, alle Verantwortlichen dazu auf, „hier endlich aktiv zu werden, auch wenn die rechtlichen Möglichkeiten begrenzt sind. Wir als Bürgerinitiative sind da jedenfalls mit unserem Latein am Ende“.

Das eingeführte Tempolimit für Motorradfahrer jedenfalls werde seiner Ansicht nach von der Raserszene nicht eingehalten, auch die Polizeikontrollen würden nicht fruchten.

„Denn diese Szene ist gut über WhatsApp und Facebook vernetzt. Ist Polizei vor Ort, ist kaum jemand von der typischen Szene da. Kaum aber ist die Polizei weg, rasen die Pulks wieder durch die Gegend.“

Vollsperrung oder nur eine Fahrtrichtung sperren?

Daher, fordert Jens Kuhnen, müssten jetzt drastischere Maßnahmen erfolgen. Auch, um die Raser vor sich selbst zu schützen. Also Vollsperrung der Strecke oder Sperrung nur einer Fahrtrichtung, um den Pendelverkehr zu unterbinden.

Weil Appelle an die Vernunft der Raserszene - das ist nach Einschätzung der Polizei aber nur ein sehr kleiner Teil der Motorradfahrer -als probates Mittel auszuscheiden würden.

Das ist auch die bittere Erfahrung der Polizei. Ein klassisches Beispiel: „Nur einen Tag nach dem letzten tödlichen Motorradunfall,“ ist selbst Holger Glaremin fassungslos, „haben wir auf der Hellefelder Höhe einen Motorradfahrer mit 105 km/h ermittelt.“ Erlaubt sind dort 50 km/h. Nicht der einzige Sünder an diesem Tag.

„Es geht aber leider nur noch repressiv: über Geld und Fahrverbote“

Die Polizei jedenfalls, sagt Glaremin, stehe regelmäßig an den vielen Strecken im Hochsauerlandkreis, um konsequent gegen Raserei und technische Manipulationen an den Zweirädern vorzugehen. „Es geht aber leider nur noch repressiv: über Geld und Fahrverbote.“

Denn vielfach würden sich – wie am Parkplatz zur Deponieeinfahrt Hellefelder Höhe– Motorradgruppen gezielt verabreden, um – teils ausgerüstet mit Helmkameras – auf Zeit zu fahren.

„Dabei,“ erklärt Holger Glaremin, „nehmen sie ihr eigenes Risiko und das unbeteiligter Verkehrsteilnehmer bewusst in Kauf.“

Hellefelder Höhe aktuell kein Unfallschwerpunkt mehr

Eine Streckensperrung allerdings, verweist der Polizeisprecher auf die rechtliche Situation, sei eine politische Entscheidung.

Interessant hier: Die Hellefelder Höhe ist aktuell nicht mehr als sogenannte Unfallhäufigkeitsstelle ausgeflaggt. Weil es dort von 2015 bis April 2019 „nur“ 18 schwere Unfälle – davon 15 mit Motorrädern – mit vier schwer verletzten Personen gegeben habe. „Doch das dürfte sich nach dem tödlichem Unfall im Juni wohl wieder ändern.“

Grundsätzlich aber gelte, stellt Holger Glaremin klar: „Motorradfahrer sind uns im Sauerland willkommen. Sie müssen sich aber vernünftig verhalten.“

Auch das Pilotprojekt „Rüttelstreifen“ von Straßen NRW bringt keinen Erfolg

Eine Lösung, um uneinsichtige Motorradfahrer zu stoppen, hat auch die für die Hellefelder Höhe zuständige Straßen-NRW-Niederlassung „Hochstift Sauerland“ in Meschede nicht.

Diese hatte nach langjährigen Messungen an einem besonders unfallträchtigen Teilstück der kurvenreichen Strecke, an einem sogenannten Unfallhäufungspunkt, 2011 als Pilotversuch Rüttelstreifen auf die Fahrbahndecke aufgetragen, um Kradfahrer zu einer angemessenen Fahrweise anzuhalten.

„Dann haben wir diesen Abschnitt weitere drei Jahre kontinuierlich beobachtet, um zu prüfen, ober dieser Eingriff Wirkung zeigt,“ sagt Hochstift-Sprecher Oscar Santos. „Doch das Ergebnis ist gleich Null: Es konnten keine Verbesserungen erzielt werden.“

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