Prävention

Vor Festsaison: Neheimer Vereine warnen vor K.O.-Tropfen

Sie sind geruch- und geschmacklos und genau deshalb so gefährlich: sogenannte K.O.-Tropfen. Die Betäubungsmittel können Opfer in Situationen bringen, in denen sie völlig wehrlos sind. Foto:dpa/Achim Scheidemann

Sie sind geruch- und geschmacklos und genau deshalb so gefährlich: sogenannte K.O.-Tropfen. Die Betäubungsmittel können Opfer in Situationen bringen, in denen sie völlig wehrlos sind. Foto:dpa/Achim Scheidemann

Neheim.   Vor dem Start der Festsaison in Neheim machen Vereine und Organisationen junge Frauen auf die Gefahr von K.O.-Tropfen aufmerksam.

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Kurz mal die Bierflasche abstellen, um die Tanzfläche unsicher zu machen oder während eines Gesprächs das Glas hinter sich auf der Theke platzieren – das bietet potenziellen Tätern Gelegenheit, ihren Opfern unbeobachtet sogenannte K.O.-Tropfen einzuflößen. Nimmt jemand eine hohe Konzentration solcher Mittel zu sich, verliert er die Kontrolle über seinen Körper, kann sogar bewusstlos werden und ist Tätern schutzlos ausgeliefert.

Genau davor wollen mehrere Neheimer Vereine und Organisationen vor der anstehenden Festsaison warnen und starten eine gemeinsame Präventions-Kampagne.

Jugendliche für die Gefahr von K.O.-Tropfen sensibilisieren

Die Idee zur Aktion hatte Kerstin Arndt, die Leiterin des Neheimer Kinder- und Jugendzentrums, kurz KiJu. Sie war auf die Schicksale von Opfern aufmerksam geworden und will nun Prävention vor Ort betreiben. „Wir haben momentan eine starke Gruppe von 14- bis 16-jährigen Mädels, die anfangen auf Partys zu gehen und sich schon sehr auf das Jägerfest freuen“, erklärt sie.

Die Vorfreude wolle sie den Mädchen keinesfalls nehmen, sie aber dafür sensibilisieren, auf sich selbst und ihre Freundinnen acht zu geben. „Viele haben sicher schon von K.O.-Tropfen gehört, aber denken dabei eher an Berliner Großraumdiskotheken als an Feste im Sauerland.“ Dass es auch in der Region Vorfälle mit K.O.-Tropfen gibt, bestätigt Polizei-Pressesprecher Holger Glaremin. „Es ist tatsächlich auch im Sauerland ein Thema“, sagt er. „Es kam schon vor, dass Frauen schlechte Erfahrungen damit gemacht haben.“

Konkrete Zahlen zu nennen sei allerdings schwierig, denn die Substanzen – es können verschiedene Arten geschmack- und geruchloser Betäubungsmittel sein – sind meist nur für kurze Zeit im Körper nachweisbar. Stellt ein Arzt sie kurz nach dem Vorfall zweifelsfrei fest, hat die Polizei die nötigen Beweismittel, andernfalls ist die Strafverfolgung meist schwierig.

Tipps zum eigenen Schutz

Über die richtigen Ansprechpartner im Notfall informieren deshalb die Teams von Kinder- und Jugendzentrum sowie Sozialdienst katholischer Frauen gemeinsam. Zu Beginn der Festsaison wollen sie an einem Info-Stand bei „Neheim live“ aufklären.

Sie raten Mädchen und Frauen, aufeinander zu achten, Getränke und Essen nicht unbeaufsichtigt zu lassen, bei Unwohlsein Freunde oder Sicherheitspersonal anzusprechen, im Notfall Polizei oder Rettungsdienst zu informieren bei Verdacht auf K.O.-Tropfen sofort einen Arzt zu kontaktieren. Aufmerksam zu sein und um Hilfe zu bitten, gelte auch in anderem Kontext, sagt Britta Jäger vom Sozialdienst katholischer Frauen. „Diese Tipps sind betreffen alle Notsituationen, in die junge Frauen oder Mädchen kommen können.“

Jäger und Schützen beteiligen sich

Hundertprozentige Sicherheit gebe es ohnehin nicht, aber die Aktion unter dem Motto „Kontrolle behalten – lass dich nicht ausschalten“ solle sie möglichst erhöhen. Mit Unterstützung der Neheimer Schützen und des Jägervereins verteilen die Helfer kostenlose Plastikdeckel für Gläser und spezielle Einsätze für Flaschenhälse, durch die nur ein Strohhalm passt.

Jeweils 750 Stück dieser bunten Plastikteile sind schon bestellt. Das soll es potenziellen Tätern schwerer machen. Aber selbst, wenn die kleinen Helfer in der Handtasche blieben, sei doch das Bewusstsein für das Thema geschärft, so hoffen die Initiatoren.

Der Jägerverein will die Aufmerksamkeit außerdem durch entsprechende Botschaften auf den Leinwänden im Festzelt auf dem Neheimer Markt unterstützen. Und auch die Schützen haben bereits signalisiert, dass sie bereit sind, als Veranstalter im kommenden Sommer weitere Präventions-Aktionen zu fördern.

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