Auf 'nen Kaffee

Verspohl will mit klaren Haltungen in die große Politik

Verena Verspohl

Verena Verspohl

Arnsberg.   Mit Verena Verspohl „auf’nen Kaffee“: Die Arnsberger Landtagskandidatin der Grünen spricht über Haltungen, das Anderssein und Bildungspolitik.

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Ihren Cappuccino trinkt sie - wenn möglich - aus ökologisch und sozial nachhaltigem Anbau. Auch sonst geht es im Gespräch „Auf’nen Kaffee“ im Bioladen „Regenbogen“ am Gutenbergplatz mit der Arnsberger Landtagskandidatin Verena Verspohl (Bündnis 90/Grüne) viel um klare Linien und Haltungen. Damit will sie Politik machen. Und damit strebt sie auch eine systematisch anvisierte parlamentarische Karriere an.

In der Jugend in der Punk-Szene

„Ich scheue die Kontroverse nicht“, sagt die Politikerin. Und das schon immer: Als Jugendliche wurde sie im Hammer Westen groß in einer protestantischen Familie mit einem FDP-Mann als Vater. „Diskutiert wurde bei uns viel“, erinnert sie sich. Auch über ihren eigenen Weg, der sie zunächst in die Punk-Szene und den „Kampf gegen Rechts“ geführt hatte. „Für meinen Vater damals bestimmt nicht immer leicht“, weiß Verena Verspohl jetzt. Heute trifft sie sich immer wieder mal mit dem Papa in Köln zum politischen Austausch bei reichlich Kölsch.

Links-Grün im Sauerland

Die Grünen-Politikerin sieht sich selber als eine „Links Grüne“.Ihre Leitlinien sind eine offene inklusive und integrierende Gesellschaft sowie Nachhaltigkeit. Sie ist Vegetarierin, verzichtet in der Stadt („außer zum Bierholen“) weitestgehend auf das Auto. Passt auf den ersten Blick nicht so recht in ein konservatives Sauerland - ebenso wenig wie ihr Lebensentwurf in einer standesamtlich bezeugten lesbischen Partnerschaft mit Ehefrau Nina. Wirklich nicht? „Mir geht es ja nicht um das Anderssein, sondern um meine Haltungen“, sagt Verspohl, „und wenn man nicht penetrant ist, akzeptieren die Menschen das, auch wenn sie andere Überzeugungen haben“. Und so kommt sie gut klar in Arnsberg, wo sie seit 2009 lebt, engagiert sich neben der Politik sowohl im Vorstand des Altstadtvereins als auch in der Flüchtlingshilfe. Passt doch irgendwie alles zusammen.

Parteipolitisch aktiv wurde die Pädagogin erst in Arnsberg. Prägend seien für sie Jahre bei der Welthungerhilfe gewesen, für die sie neben ihrem Studium in Bonn auf vielfältiger Weise tätig gewesen war. „Wenn Politik, dann Grün!“ - daran bestand für Verspohl nie ein Zweifel.

Jetzt will sie eine große politische Laufbahn starten. Mit 37 Jahren ist sie im dritten Jahr im Landesvorstand der Grünen, gilt da auch als ausgesprochene Bildungsexpertin. Verena Verspohl ist Deutsch- und Erdkundelehrerin am Gymnasium Laurentianum Arnsberg. Sie steht für die inklusive Schule und bringt ihre Kompetenzen in die Landespolitik ein. Das überzeugt an Ruhr und Rhein. Verspohl ist nicht nur Direktkandidatin der Grünen im Hochsauerlandkreis, sondern auf Rang 23 der Landesliste eine sehr aussichtsreiche Anwärterin auf den Einzug ins NRW-Parlament.

„Ich gehe mit der Botschaft nach draußen, dass ich eine echte Chance habe, als erste grüne Frau und Abgeordnete aus dem Sauerland in den Landtag einzuziehen“, sagt Verena Verspohl. Der Wahltag am 14. Mai 2017 soll das Leben der Arnsbergerin ein Stück weit verändern. Bei allem, was danach kommen könnte, spricht sie nicht im Konjunktiv. „Ich werde nicht nach Düsseldorf ziehen, sondern in Arnsberg bleiben“, sagt sie. Und auch ihr Ratsmandat will sie behalten.

Der Neheimer CDU-Landtagsabgeordneter Klaus Kaiser mache ja vor, dass das geht. Kurios: Mit ihm gestaltet Verena Verspohl in Arnsberg gemeinsam Stadt- und Schulpolitik in der schwarz-grünen Ratsmehrheit und muss jetzt zugleich gegen Kaiser - ausgerechnet dem Schulexperten der NRW-Union - in den Landtagswahlkampf ziehen. „Wir werden Wahlkampfrivalen sein“, sagt die Grüne, „kommunal arbeiten wir aber beide an der Sache orientiert gut zusammen!“

Rückendeckung ihrer Frau

Bei ihrer politischen Karriereplanung vertraut sie auf die Rückendeckung ihrer Frau und der Familie. Die Wahl wird zur Weichenstellung: Ganz in die Politik oder künftig weniger. „Ich habe lange geguckt, ob ich das möchte und ob ich das aushalte“, sagt sie. Die Praxis in der Schule werde sie vermissen. „Das macht mir Spaß“, betont Verena Verspohl, „aber nun ist es wichtiger, dass ich an den großen Stellschrauben des Bildungssystem drehen kann“. Wieder nutzt sie keinen Konjunktiv mit „hätte, würde, wäre“. Die Frau glaubt an ihre Chance.

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