Freizeit

Stricken verbindet Menschen in Hüsten

Flüchtlingsfrauen kommen zum Stricken  im Engagementzentrum zusammen. Die Gruppe wurde von Susanne Keller (Zweite von rechts) gegründet.

Foto: Frank Albrecht

Flüchtlingsfrauen kommen zum Stricken im Engagementzentrum zusammen. Die Gruppe wurde von Susanne Keller (Zweite von rechts) gegründet. Foto: Frank Albrecht

Hüsten.   Hier kommen Flüchtlingsfrauen zweimal im Monat in lockerer Runde zusammen. Es gibt Tipps und Tricks zur Handarbeit und auch Hilfsangebote.

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Auf den runden Tischen im Engagementzentrum „E“ in Hüsten stehen Kaffee und Plätzchen, es sieht gemütlich nach Handarbeiten aus.

In den Kisten ist die Wolle verstaut, die nur darauf wartet, von den Teilnehmerinnen verstrickt zu werden.

Tipps und Tricks

Leise tauscht man sich über Tipps und Tricks beim Stricken oder Häkeln aus, die kleinen Verständnisschwierigkeiten stören nicht.

Für Susanne Keller aus Hüsten, die die Initiative vor rund zwei Jahren ins Leben gerufen hat, ein angenehme Atmosphäre, was sie auch regelmäßig von den Teilnehmerinnen widergespiegelt bekommt.

Gruppe besteht seit zwei Jahren

Es sind nämlich in der Regel nur Frauen, die sich inzwischen zweimal im Monat zu diesem besonderen Handarbeitskreis in Hüsten treffen. Hin und wieder sind auch mal Kinder mit dabei und freuen sich auf eine eigene Betreuung mit Spielen und mehr, wenn ihre Mütter mit den Stricknadeln arbeiten.

„Wir bieten einen zeitlichen Rahmen nur für die Frauen, und Handarbeit kommt an“, freut sich Keller, die als Musikschullehrerin Violine und Bratsche unterrichtet. Schon seit rund zweieinhalb Jahren ist sie in der Flüchtlingsarbeit tätig.

„Needles For Fun“

Ihre Tochter habe es ihr vorgemacht, erklärt sie, und sei an der Flüchtlingsunterkunft Berliner Platz mit Flüchtlingsarbeit gestartet. Mit einem Team von Frauen, das sich regelmäßig bei „Needles For Fun“ einbringt, ist Susanne Keller längst eins geworden, obwohl das Handarbeiten erst gar nicht so ihre Sache war.

Längst schon hat sie tatkräftige Unterstützung gewonnen, heute hilft Renate Gerken aus Hüsten mit, die auch schon zwei Jahre bei „Needles For Fun“ aktiv ist.

Auf der Suche nach einer Beschäftigung

Nach ihren Ausscheiden aus dem Lehrerberuf war sie auf der Suche nach einer neuen, sinnvollen Beschäftigung und hat sie bei diesem Projekt gefunden.

„Und es bleibt nicht bei den Tipps rund um das Stricken“, erklärt Gerken. So begleite man die Frauen aus dem Arbeitskreis zum Beispiel auch bei Arztbesuchen, es liegt am Vertrauen, das sich in der Handarbeitsgruppe inzwischen ausgebildet hat.

Gelegenheit zum Kennenlernen

Immer wieder kommen neue interessierte Frauen aus dem Kreis der in Arnsberg lebenden Flüchtlinge hinzu. Heute hat Claudia Klaus vom Sozialdienst Katholische Frauen eine Dame mitgebracht.

„Hier im Projekt können sich die Frauen bei der Handarbeit kennen lernen, die Sprache ist gar nicht so wichtig“, hat sie erfahren. Viel wichtiger sei das Kennenlernen neuer Menschen, das den Weg in die Gesellschaft ein Stück leichter mache. „Das ist eine gute Hilfe zur besseren Integration“, davon ist Claudia Klaus überzeugt.

Wichtiger Erfahrungsaustausch

Frauen treffen Frauen aus dem eigenen Heimatland oder Frauen, die ähnliche Flüchtlingsschicksaale teilen. „Wir haben mit unserem Angebot schon einiges erreicht“, sagt Susanne Keller, vor allem das Vertrauen der teilnehmenden Frauen. Nach der Hilfe für Flüchtlinge mit Sachgütern, müsse jetzt doch auch die emotionale Hilfe folgen.

Schließlich sei die Situation für viele Flüchtlinge in Arnsberg schwierig, oftmals lebe die Hälfte der Familien noch in einem anderen Land. „Beim Handarbeiten wird der Kopf ganz locker, und sie erzählen hier, was sie sorgt und bedrückt“, weiß die Projektmitarbeiterin.

Wolle gespendet

Helfen wollen auch die anderen Menschen, und sie spenden die Wolle, die bei „Needles For Fun“ munter verstrickt werden kann. Das Projekt hat seinen Beliebtheitsgrad im Laufe der Monate weiter gesteigert.

Im November konnte der zweijährige Geburtstag gefeiert werden und rund 30 Gäste, viele aus dem Kreis der Flüchtlingsfrauen, genossen das Miteinander.

Integrierende Treffen

Das kann beim heutigen Treffen auch Hamideh aus dem Iran. Vor zwei Jahren war sie nach Deutschland geflohen, lebt jetzt mit Ehemann und zwei Kindern in Hüsten und hat erfolgreich den B1-Sprachkurs Deutsch bestanden.

„Wenn es mal stressig wird, kann das Stricken gut beruhigen“, lacht sie durch ihre große Brille. Über „Needles For Fun“ habe sie den Weg in die Gesellschaft bereits gut gefunden.

Herausforderungen

Mit Susanne Keller stellen sich auch die anderen Frauen aus dem Team der Herausforderung, denn nicht immer sei es leicht, den Zugang zu den Teilnehmerinnen zu finden, die aus einer anderen Kultur kommen.

Bei „Needles For Fun“ ist es gut gelungen, und nach der Winterpause freuen sich alle schon wieder auf die Fortsetzung. Am 1. Montag nach den Weihnachtsferien geht es im „E“ weiter. Weitere interessierte Frauen sind herzlich willkommen.

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