Strom- und Gasverkauf

Stadtwerke wollen keinen Preiskampf mit Discountern führen

Im Wettbewerb mit Online-Discountern positionieren sich die Stadtwerke Arnsberg mit Beratung und Service: Im Stadtwerke-Kundencenter an der Neheimer Apothekerstraße macht Kundenberater Florian Maszun dem Kunden Amir Kurtic ein Angebot für den Bezug von Strom und Gas.

Im Wettbewerb mit Online-Discountern positionieren sich die Stadtwerke Arnsberg mit Beratung und Service: Im Stadtwerke-Kundencenter an der Neheimer Apothekerstraße macht Kundenberater Florian Maszun dem Kunden Amir Kurtic ein Angebot für den Bezug von Strom und Gas.

Foto: Martin Schwarz

Arnsberg.  Bei Vermarktung von Strom und Gas setzen die Stadtwerke Arnsberg verstärkt auf Service, Klimaschutz und Kooperationen mit anderen Anbietern.

Anfang Juni 2020 hatten die Stadtwerke Arnsberg die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Vermarktung von Strom und Gas näher beziffert. In einer Verwaltungsvorlage für den Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Arnsberg wurde der Ergebnisrückgang in der Energievertriebsgesellschaft auf 175.000 Euro im Jahr 2020 geschätzt.

Unsere Zeitung fragte jetzt beim Stadtwerke-Geschäftsführer Ulrich K. Butterschlot und beim zuständigen Geschäftsbereichsleiter Thomas Stock nach, ob mittlerweile genauere Aussagen getroffen werden können und inwiefern in der Corona-Zeit Änderungen in der Marketing-Strategie getroffen werden müssen.

Müssen Sie Ihre Prognose-Zahlen hinsichtlich des Strom- und Gasverkaufs im Jahr 2020 revidieren?

Ulrich K. Butterschlot: Wir gehen derzeit immer noch von der gleichen Größenordnung wie im Frühjahr aus. Eine genaue Aussage können wir noch nicht treffen, da das aktuelle Geschäftsjahr noch läuft und die Jahresverbrauchsabrechnung für das Jahr 2020 mit Zählerablesung noch aussteht.

Beim Vertrieb von Strom und Gas kooperieren die Stadtwerke Arnsberg mit den Stadtwerken Soest. Planen die Stadtwerke Arnsberg weitere Kooperationen mit anderen Energieanbietern aus Arnsbergs Umgebung?

Butterschlot: Die Kooperation mit den Stadtwerken Soest macht weiterhin sehr große Freude und hat sich gerade in Krisenzeiten bewährt. Zudem haben wir die Corona Zeit auch dazu genutzt, um weitere Kooperationen vorzubereiten. Hier ist das gemeinsame Projekt zur Abbildung eines Bewerberportals mit der Energieversorgung Beckum und den Stadtwerken Soest zu nennen. Außerdem führen wir Gespräche mit den Versorgern aus Beckum, Menden, Soest und Werl, um gemeinsam regionale Themen kostengünstig und vor Ort zu bearbeiten.

Warum haben die Stadtwerke Arnsberg zusammen mit zwei weiteren Energieversorgern ein neues Stellenportal angelegt?

Ulrich K. Butterschlot: Gerade im Bereich der Versorgungsberufe sind Auszubildende und Fachkräfte sehr begehrt. Das gemeinsames Karriereportal ermöglicht es Stellen-Interessenten, sich mit einem Klick für eine oder mehrere Stellen in den unterschiedlichen Häusern gleichzeitig zu bewerben. Zudem besteht die Möglichkeit, sich in unserer gemeinsamen Bewerberdatenbank listen zu lassen, wodurch wir später bei Bedarf auf potenzielle Bewerber/innen im Fachkräfte Recruiting zugreifen können. Regelmäßige Stellenangebote-Checks und erneute Bewerbungen bei den Stadtwerken Arnsberg, der Energieversorgung Beckum und den Stadtwerken Soest sind dadurch passé, denn sobald eine passende Stelle online geht, werden die Bewerber/innen direkt von der jeweiligen Personalabteilung angeschrieben. Das neue Stellenportal ist über die jeweilige Karriereseite des Versorgers erreichbar. Es gibt auch den Link dein-energie-job.de

Ex-Stadtwerke-Chef Karlheinz Weißer kreierte bereits vor Jahren den Leitsatz: „Wir wollen gar nicht der Anbieter mit den günstigsten Preisen für Strom und Gas sein, wir setzen vielmehr auf Service!“ Gilt das heute immer noch?

Thomas Stock: Ja, klar, die Strategie gilt weiter. Die Stadtwerke Arnsberg haben haben derzeit rund 11.000 Strom- und Erdgas-Kunden. Dies sind rund 23 Prozent aller Arnsberger Haushalte. Wir sind kein Discount-Anbieter mit Discount-Produkten. Bei uns steht Kundenservice an erster Stelle. Unsere Produkte sind alle auf unsere Kunden und die Region zugeschnitten und zahlen allesamt auf das Konto Nachhaltigkeit und Klima ein. Wir können beobachten, dass der persönliche Kontakt nach wie vor gefragt ist.

Allerdings greifen die Kunden/innen jetzt eher zum Telefonhörer, schreiben eine Mail oder kommen über Direct Message bei Facebook oder Instagram zu uns. Zudem macht Corona den persönlichen Vertrieb bei Gewerbe- wie auch Privatkunden (mobiles Kundencenter, wo wir regelmäßig unser Kundencenter für einen Tag in die Ortsteile verlegen) sehr schwer bzw. unmöglich. Nicht zuletzt daher liegt auch die Aussicht auf unser Jahresergebnis begründet. Um in Zukunft noch besser zu werden, werden wir vor Weihnachten eine telefonische Kundenumfrage durchführen. Hiervon erhoffen wir uns detaillierte Erkenntnisse und Handlungsfelder darüber, wie wir unseren Service weiter verbessern können.

Wie läuft das Kombi-Geschäft mit Photovoltaik? Privatkunden erhalten ja entsprechende Angebote.

Thomas Stock: Nach einem anfänglich verhaltenen Start vor drei Jahren, nimmt das Thema Fahrt auf. Wir planen und realisieren durchgängig PV-Anlagen im privaten, wie auch im gewerblichen Bereich. Zudem wird das Thema Speicherlösungen stärker nachgefragt. Wir bieten den Kunden mit unserem Energiedach ein komplettes Rundum-Sorglos-Paket an und bauen so Hürden ab und Vertrauen in die Technologie auf. Jede PV-Anlage wird auf den Kunden maßgeschneidert. Wenn es sich im Einzelfall nicht lohnt, eine Anlage zu bauen, geben wir dem Kunden ein ehrliches Feedback. Gerade diese Ehrlichkeit schätzen unsere Kunden sehr. Schön an dieser Entwicklung ist, dass unsere Kunden so zufrieden mit der Umsetzung sind, dass wir die meisten Anfragen aufgrund von Weiterempfehlungen erhalten.

Die Stadtwerke Arnsberg engagieren sich in den Themenfeldern Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Was ist an konkreten Maßnahmen in der Zukunft geplant?

Ulrich K. Butterschlot: Unser Selbstverständnis ist, dass wir uns als geborener Partner für nachhaltige Projekte und Klimaschutz in Arnsberg und der Region verstehen. Angefangen von der bezahlbaren PV-Anlage auf dem eigenen Dach, über Energiemanagement-Projekte und autarke Stromversorgung des Wasserwerks Möhnebogen bis hin zu unserem neusten Produkt „Regionalstrom“.

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