Holzhackschnitzel-Brand

Tagelanger Schwelbrand: Hackschnitzel-Lager nicht genehmigt?

Voßwinkel: Auf Gut Nierhof brannte eine Holzhackschnitzel-Halde.

Voßwinkel: Auf Gut Nierhof brannte eine Holzhackschnitzel-Halde.

Foto: Martin Haselhorst

Arnsberg.  Der Schwelbrand des Holzhackschnitzel-Lagers in Voßwinkel ist abgelöscht. Nun schwelt ein juristischer Konflikt um Verantwortung und Verträge.

Nach dem mehrtägigen Schwelbrand auf der selbstentzündeten Holzhackschnitzel-Halde auf Gut Nierhof ist dem betreibenden Unternehmen vorerst die Nutzung des Areals durch die Stadt Arnsberg untersagt worden. Vorerst darf kein weiteres Material gelagert werden, sondern nur noch der Status quo erhalten bleiben und Arbeiten zur Schadensminderung vorgenommen werden.

Welche weiteren juristischen, finanziellen und vertraglichen Konsequenzen der Brand hat, steht aktuell aber in den Sternen. Hintergrund: Das Unternehmen betrieb die Halde auf dem Grundstück der Arnsberger Wirtschaftsförderungsgesellschaft WfA offenbar ohne städtische Genehmigung, aber sehr wohl mit deren Wissen.

Kaufvertrag in der Mache

Dass die Voßwinkler Firma Raumbedarf und Erweiterungswünsche hatte, ist seit längerer Zeit bekannt gewesen. Tatsächlich waren Vertragsgespräche zum Ankauf von rund 13.000 Quadratmeter Fläche auf zwei Arealen auf Gut Nierhof auf dem Wege. „Die Verhandlungen waren eigentlich schon so weit, dass wir fast alles geregelt hatten“, sagt WfA-Geschäftsführer Bernd Lepski. Da der WfA bereits seit Februar eine schriftliche Bestätigung vorgelegen habe, dass das Unternehmen die Flächen kaufen wolle, wurde zugelassen, dass der Firma die Fläche schon nutzen würde. Ein Nutzungskonzept, so die Stadt, sei mehrfach eingefordert worden, lag aber offenbar noch nicht vor. Das, so betont die Stadt nun aber, sei keine „Duldung im rechtlichen Sinne“ gewesen. Vielmehr habe diese Nutzung „klein angefangen und sich schleichend entwickelt“. Von der Größe der Halde, die in dieser Form möglicherweise, so der städtische Justiziar Jörg Freitag, nicht den „Regeln der Technik“ entsprochen habe, hätten weder WfA noch die städtische Bauaufsicht und die Feuerwehr gewusst. Schon im August war die Feuerwehr zu einer Selbstentzündung an der Lagerstätte ausgerückt. „Da war das aber alles noch nicht so hoch!“, sagt Feuerwehrchef Bernd Löhr.

Tatsächlich war das Unternehmen unter Druck geraten. Der Betreiber hatte gegenüber unserer Zeitung am Montag vom Flächenbedarf gesprochen, weil der Absatz von Holzhackschnitzeln durch den durch Borkenkäfer-Holz überschwemmten Markt und auch durch den vorübergehenden Ausfalls eines großen abnehmenden Heizkraftwerkes gestockt habe. Zudem war vor zwei Jahren ein Lager im Werler Stadtwald bei Wickede weggefallen. Das Unternehmen sprach auch von den schwierigen Verhandlungen mit der Wirtschaftsförderung der Stadt und wünschte sich, dass auch auf die Bedarfe kleinerer Unternehmen mehr Rücksicht genommen werde. Bernd Lepski betont, dass die WfA das Grundstück „reserviert hat, obwohl es viele andere Anfragen gab“.

Stadt war schon eingeschaltet

Die Stadt ist schon länger mit dem Betreiber beschäftigt. Erst in der vergangenen Woche hatte es einen Ortstermin auf Gut Nierhof gegeben, nachdem es Beschwerden aus der Bürgerschaft gegeben habe. Die Bauaufsicht war draußen gewesen. „Wir wären eh tätig geworden“, so Falk Stankowski von der städtischen Bauaufsicht. Nun kam der Brand dazwischen, der über mehrere Tage die Feuerwehreinheiten auf Trab hielt.

Grundsätzlich sei das Lagern von Holzhackschnitzeln in dem Gewerbegebiet, so Falk Stankowski, „wohl zulässig“. Zumal das Lagern des Heizmaterials nicht als erheblich lärmintensiv gilt. „Regeln der Technik“ und Brandschutzvorgaben beim Betreiben des Lagers müssten natürlich eingehalten werden. Geplant auf dem Areal seien im Falle des Kaufes aber auch Hochbauten, die unter Baurecht fallen würden.

Bürgerbeschwerden

Auch im Vorfeld hatte es Klagen aus der Bürgerschaft aus dem Bereich Wiedhofstraße gegeben, weil Container und Fahrzeuge - offenbar unter anderem auch durch die Holzhackschnitzel-Firma - an Straßenrändern geparkt worden seien. „Das konnten wir aber bei einem Ortstermin schnell klären“, so Lepski.

Wer übernimmt Einsatzkosten?

Jetzt sind dennoch viele Fragen offen: Auch die, wer für den Feuerwehreinsatz aufkommen muss. Feuerwehrchef Bernd Löhr rechnet mit Kosten in Höhe in einem fünfstelligen Betrag. „Es wird geprüft, ob wir das jetzt bei dem Betreiber geltend machen müssen“, so Löhr. Dafür gebe es klare Richtlinien und „keinen Spielraum“. Hierbei gehe es dann um Schuld- und Verursacherfragen und nicht um das Grundstücksthema. Wie es mit den Vertragsgesprächen weitergeht, vermag Bernd Lepski nicht zusagen: „Auch das gilt es jetzt zu prüfen!“, sagt er, „natürlich aber wollen wir das Gewerbegebiet weiter entwickeln“. Bürgermeister Ralf Bittner sprach am Dienstag davon, dass eine „einvernehmliche, aber rechtssichere Lösung“ angestrebt werde.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben