„Die zwölf Geschworenen“

„Spielwerk“ Arnsberg am Puls des Publikums

Spielwerk  Arnsberg bei der Probe für die Premiere.

Spielwerk  Arnsberg bei der Probe für die Premiere.

Foto: Frank Albrecht

Arnsberg.  Die „zwölf Geschworenen“ beraten in der Aufführung des Spielwerks Arnsberg in der Kulturschmiede inmitten des Publikums.

Schon seit Ende April laufen die Proben für das neue Stück beim Spielwerk Arnsberg. Der Zusammenschluss von motivierten Laienspielern hat sich diesmal wieder einen Klassiker ausgesucht, gezeigt wird das Gerichtsdrama „Die zwölf Geschworenen“.

Gespielt wird in der Theaterfassung des Fernsehspiels nach dem Drehbuch von Reginald Rose aus dem Jahre 1957. Bis zur Premiere am 30. Januar 2020 üben die Schauspielerinnen und Schauspieler vor allem auf den Spannungsaufbau, denn die Szenen im Stück spielen sich hauptsächlich an einem Beratungstisch ab. Für die Regisseurinnen Susanne Gieseke und Gabi Renner macht gerade das den besonderen Reiz des Projektes aus. „Wir möchten bei der Aufführung etwas abseits der üblichen Wege gehen“, beschreibt Susanne Gieseke. Und gerade weil der Beratungstisch im Drama eine zentrale Rolle einnimmt, soll er bei den Aufführungen in der Kulturschmiede Arnsberg auch entsprechend zentral platziert werden – nämlich inmitten der Zuschauer!

An beiden Seiten des langen Tisches, der eigens für die vier geplanten Aufführungen von Bühnenbauer Michael Hahne angefertigt wird, finden in der Kulturschmiede auch die Zuschauer Platz. Von zwei Seiten aus können sie das Geschehen im Beratungszimmer neben dem eigentlichen Gerichtssaal beobachten, und mehr noch: Sie werden zu einem Teil der Show, wenn man es so nennen möchte. Gespielt wird wie immer beim Spielwerk Arnsberg ganz nahe an der Vorlage.

Spannung geht unter die Haut

Präsentiert wird den Zuschauern Spannung, die unter die Haut geht und ein tiefgründiger Einblick in die menschliche Psyche. „Diese Spannung möchten wir aufnehmen und an das Publikum weiter geben“, sagt die Regisseurin. Der Klassiker des amerikanischen Gerichtsdramas mit Henry Ford in der Hauptrolle hat es schon in der Kino-Fassung geschafft, die Dichte der Diskussionen und Beratungen über Leben oder Tod eines angeklagten jungen Mannes aus dem Slums in Puerto-Rico auf die Leinwand zu bringen. Eng an der Vorlage heißt für die Aktiven im Spielwerk, dass es auch hier um den Tatvorwurf des Mordes gegen ihn geht. Und die alles entscheidende Frage: Schenken die Geschworenen seinen Unschuldsbeteuerungen vor Gericht Glauben oder nicht. „Wir greifen hier die Themen wieder auf, die damals schon aktuell waren“, erklärt Gieseke. Wie bestimmen Migration oder das Leben in einem soziologisch speziell geprägten Milieu die Offenheit in der Meinungsfindung?

Ein Für und Wider in den Diskussionen prägen das Bild am Tisch, keine leichte Entscheidung für jeden einzelnen der Geschworenen und doch muss die Entscheidung über Tod oder Leben des Angeklagten einstimmig fallen. So haben sich auch die Schauspieler im Spielwerk Arnsberg wie in der Kino-Version in einen Nebenraum zurück gezogen, um ungestört eine einheitliche Meinung zu finden. Der Zuschauer wird ein Teil davon. Die Schauspieler werden bei den Proben darauf getrimmt, angesichts der besonderen Sitzordnung den Zuschauern auf beiden Seiten nicht zu lange den Rücken zu zeigen. Sie gehen um den Tisch, sprechen ihre Argumente in den Raum und können so die Zuschauer an der Meinungsfindung teilhaben lassen.

Beratungstisch nah am Zuschauer

„Wir folgen der neuen Idee, der Beratungstisch steht im Publikum“, erklärt Bühnenbauer Michael Hahne. Vom Tisch bis zur Möblierung des gesamten Beratungszimmer hat er sein handwerkliches Geschick ausgespielt und versetzt die Zuschauer ganz direkt in die Kulisse. Damit, so Hahne, wolle man das Publikum noch näher an das Stück heranholen. „Die Interaktion mit dem Publikum ist gewollt“, sagt Regisseurin Gieseke. Und so stehen die Spieler während der Diskussionen auf, spielen die von Zeugen angeblich beobachtete Mord-Szene nach, und von alldem können die Zuschauer hautnah Kenntnis nehmen. „Kann man jemanden von oben nach unten erstechen?“ – eine der Fragen, auf die im Stück auch praktisch eine Antwort gesucht wird.

„Wir folgen mit der Adaption des Fernsehspiels auch unserem eigenen Anspruch“, so Gieseke. Die Aufführungen des Spielwerks Arnsberg stünden für Qualität und Anspruch, das wollen die Schauspieler auch diesmal wieder deutlich machen. Dass sie bei den vergangenen Aufführungen damit schon erfolgreich waren, belegten doch schließlich die stets ausverkauften Aufführungen, so die Regisseurin. Die Proben in der Caritas-Schule Mariannhill laufen einmal wöchentlich, und die Stimmung im Ensemble ist gut.

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