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Sinahs langer Weg aus Drogenabhängigkeit

Sinah verspürt großen Dank an Rudolf Hillenkamp vom Wendepunkt Arnsberg.

Sinah verspürt großen Dank an Rudolf Hillenkamp vom Wendepunkt Arnsberg.

Foto: Thora Meißner

Arnsberg.   Im Wendepunkt Arnsberg überwindet junge Frau ihre Drogenabhängigkeit und quälende Suizidgedanken. Jetzt verspürt sie tiefen Dank.

Fehlendes Gefühl der Nähe und Geborgenheit führte sie in den unermüdlichen Kampf gegen ihre Drogensucht - aber auch zu ihrem Therapeuten Rudolf Hillenkamp vom Wendepunkt Arnsberg. Dem einzigen Menschen, dem sie ihr Vertrauen schenkte. Seiner Menschenkenntnis, Empathie und seinem ernst gemeinten Engagement ist es zu verdanken, dass sich die 28-jährige Sinah heute persönlich bei ihm bedanken kann.

Ein runder Tisch. Drei Gedecke. Kaffee. Kuchen. Es soll Sinahs letzter offizieller Termin beim Wendepunkt Arnsberg sein. Smalltalk. Blicke treffen sich, schwirren umher. Dies und das. Der Kaffee fließt. Stille, während die Kuchengabeln zu den Mündern geführt werden. Keiner weiß so recht, wie er anfangen soll.

Tagesbuchauszug der Betroffenen

Sinah wagt den ersten Schritt - die Arnsbergerin war fleißig, schrieb in ihrer schwersten Zeit Tagebuch. Sie liest vor - auszugsweise: „15 Wochen Reha. Am 1. Juni 2016 wurde ich entlassen. Während der Reha schrieb ich einen Brief an Herrn Hillenkamp. Kurz darauf bekam ich eine Antwort. Ich hatte Tränen in den Augen, als ich den Umschlag in meinen Händen hielt. Auf dem Brief stand: Perspektiven schaffen für ein Leben. Genau diese Perspektive schenkte er mir mit diesem Brief. Für mich war der Inhalt des Briefes gar nicht so wichtig - vielmehr war es das Gefühl. Zum ersten Mal in meinem Leben erhielt ich einen persönlich an mich gerichteten Brief. Da war jemand, der an mich dachte! Ich fing langsam an, einem Menschen zu vertrauen - das erste Mal überhaupt!“

Persönliches Tagebuch

Eine suizidale Krise nach der anderen. „Für mich gab es keine Hoffnung mehr“, schreibt Sinah weiter. Auch der Kontakt zu Rudolf Hillenkamp half ihr zunächst nicht mehr weiter. „Mir ging es einfach nicht besser“. Im Januar 2018 folgte dann die zweite Entwöhnungsbehandlung. „Meine Suizidgedanken wurden wieder konkreter“. 9. April – ein Rettungswagen brachte Sinah in eine psychiatrische Klinik. „Mir ging es sehr schlecht und die Gedanken schossen wie Flashbacks durch meinen Kopf.“

Als sie entlassen wurde, ließ sie sich den Schriftzug „Life Goes on“ tätowieren. Dieser soll sie daran erinnern, dass es aus jeder noch so ausweglosen Situation einen Weg gibt. „Das hat mir Herr Hillenkamp gezeigt und dafür bin ich ihm sehr dankbar!”, so die Frau.

Minuten des Schweigens. Gänsehaut. Rudolf Hillenkamp kennt Sinah gut - ihre schlimmsten Erfahrungen. Doch dies ist neu - ihr ganz persönliches Tagebuch! Es macht sprachlos. So dermaßen hinter die Fassade eines Menschen schauen zu dürfen, ist selten. Doch Sinah möchte etwas bezwecken. Sie möchte, dass Rudolf Hillenkamp versteht, welche Rolle er in ihrem Leben spielt. Sie möchte nicht einfach nur Danke sagen. Sie möchte ihm ihren Dank zeigen. Hillenkamp ist betroffen - lange schaut er sie ohne Worte an.

„Dass da jemand sitzt, der noch nie einen persönlichen Brief bekommen hat…!”, sagt Rudolf berührt. Suizidgedanken – so ausführlich beschrieben. Keine bisherige Reflexion war so deutlich. Rudolf Hillenkamp zu Sinah: „Respekt - für diese Worte. Für die Offenheit und den Mut!” Erst jetzt wird ihm deutlich, dass es tatsächlich keine anderen Menschen in Sinahs Leben gab. Erst jetzt erfährt er, was wirklich hinter Sinahs Mails steckte. „Dass man sehen darf, was dahinter steckt, ist einzigartig”, sagt er.

Arbeit nicht als Job sehen

Rudolf Hillenkamp sieht seine Arbeit im Wendepunkt Arnsberg nicht als Job. „Es ist kein Job. Entweder du machst es oder du lässt es!”, sagte er im Interview zur Wendepunkt aktuell vom Oktober 2018. Genau das merkt man ihm an. Kein Beruf, Berufung! Im Dezember 2018 wird er das letzte Mal den Wendepunkt betreten. Denn der 65-Jährige Diplom-Pädagoge und Sozialpädagoge geht in den wohlverdienten Ruhestand. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Auch für Sinah. Sie hat ihren alten Job an den Nagel gehängt. Sich von allem Negativen losgesagt. Damals sagte sie: „Ich denke, meine Rückfallgefahr ist am größten, wenn ich zwischen den Belastungen des Alltags und den angenehmen Dingen kein Gleichgewicht herstelle.“ Zwei Jahre später hat sie ihre Mitte gefunden. Ihren Sinn des Lebens. Bald beginnt sie mit ihrer Ausbildung zur Hundetrainerin – fernab ihres vorherigen Jobs. Sie wird ihren Weg gehen!

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