Auf 'nen Kaffee

Annika Neumeister tritt für die Grünen im HSK an

Annika Neumeister will die Politik im Bundestag mitgestalten

Annika Neumeister will die Politik im Bundestag mitgestalten

Foto: Martin Haselhorst

Arnsberg.   Sie weiß, was sie will: Politik gestalten - und das möglichst auch als Bundestagsabgeordnete. Dafür kämpft Annika Neumeister aus Arnsberg.

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Sie gilt noch als politischer Nachwuchs. Dennoch weiß die 29-jährige Arnsbergerin Annika Neumeister klar, was sie will. Bei der Bundestagswahl im Herbst kommenden Jahres tritt sie als Direktkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen im Hochsauerland­kreis an und steht im Rampenlicht. „Mein Ziel ist es, langfristig im Bundestag zu landen“, verrät sie beim Gespräch „Auf ‘nen Kaffee“ mit unserer Redaktion ihre ernsthaften Ambitionen auf das Mandat.

Ob das nun schon klappt, ist fraglich. Der Hochsauerlandkreis ist nicht der Ort, wo eine „Grüne“ ernsthaft damit rechnen kann, ein Direktmandat für den Bundestag gewinnen zu können. „Auf jeden Fall möchte ich aber grüne Politik im Sauerland nach vorne bringen“, sagt die Berufskolleg-Lehrerin. Und auch rechnet sie damit, dass die Mehrheiten zwischen Ruhr, Röhr, Alme und Henne längst nicht mehr so stabil sind wie in der Vergangenheit. „Es ist eine große Umbruchszeit“, sagt sie, „das ist es gut, wenn wir als Grüne deutlich Position beziehen“.

Das tat Annika Neumeister schon immer gerne und engagiert.

Während ihres Studiums in Bochum war sie bei den Studenten-Protesten gegen die Erhebung von Studiengebühren vorne dabei und in der Vollversammlung der Studierenden engagiert. 2009 trat sie dann den Arnsberger Grünen bei.

„Protestieren ist gut und wichtig“, stellte sie damals fest, „wenn man aber etwas bewegen will, muss man mehr machen!“

In das politische Tagesgeschäft in Arnsberg ist sie dann erst nach der Kommunalwahl eingetreten. Nach dem Ende des Studiums wusste sie ja noch nicht, wohin es sie verschlagen wird. Zunächst ging sie zum Referendariat nach Köln, ehe sie 2014 ihre Lehrerinnenstelle am Berufskolleg in Menden antrat.

Nun ist sie angekommen im Sauerland. Seit 2014 ist sie die Kreisvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. Bei den Vorüberlegungen für die Auswahl der Direktkandidatur für die nächste Bundestagswahl reifte dann ihr Entschluss. „Ich würde das gerne machen“, sagte sie. Und wurde mit großer Zustimmung gewählt.

Annika Neumeister ist jung. Ins kalte Wasser geworfen, fühlt sie sich aber nicht. Seit September weiß sie Bescheid, dass sie die HSK-Kandidatin ist und kann sich schon einmal Gedanken über den Wahlkampf machen. „Ich bin drauf eingestellt“, sagt sie selbstbewusst. Sie spürt die Rückendeckung ihres Ortsverbandes, und auch Familie und Freunde reagierten sehr positiv auf die Nachricht ihrer Kandidatur. Das bedeutet ihr viel. „Familie ist mir wichtig“, sagt sie.

Grüne Politik ist für die Arnsbergerin eine Überzeugungssache. Sie will sich gegen Tendenzen nach Rechts stemmen, sich für Vielfalt und ein Miteinander einsetzen und ökologische Fragen stets im Blick behalten. „Das sind alles polarisierende Themen, die sachlich diskutiert werden müssen“, sagt sie. Und in dieser Art möchte sie auch im Wahlkampf auftreten.

Große Rückendeckung

„Das ganz Laute ist nicht mein Stil“, sagt sie leise und nippt fast schon ein wenig verlegen an der Kaffeetasse. In den Wahlkampf will sie „frischen Wind“ hereinbringen und Kreativität einbringen. Wie das genau passieren wird, weiß sie noch nicht. Wirklich scharf darauf, dass ihr Konterfei von Wahlplakaten hinabgrinst, ist sie nicht. Themen seien wichtiger als Gesichter. Das passt zu ihren Hobbys: Spazieren gehen mit dem Familienhund, Lesen, Wandern und gemütlich Fahrrad fahren. „Eigentlich ganz langweilig“, sagt sie über sich selbst – und lächelt. Ihre Haltung aber ist spannend:

Die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus zieht sich wie ein roter Faden durch ihre junge politische Laufbahn. Sollte sie einmal im Bundestag landen, wäre daher auch der Innenausschuss ein ­attraktives Ziel für sie. Der NSU-Ausschuss und das Thema Bildung reizen sie auch. Zukunftsmusik!

Der Weg nach Berlin wird kein leichter sein für eine junge grüne Politikerin im Sauerland.

Immerhin sagte der Bezirksrat der Grünen der Arnsbergerin im Juni Unterstützung im Falle einer Bewerbung auf einen Listenplatz zu. Die Landesdelegiertenkonferenz in Oberhausen wird am ersten Dezember-Wochenende darüber entscheiden. So oder so will Annika Neumeister einen Sitz im Bundestag als Ziel im Auge behalten.

„Ich sehe das Ganze ja nicht nur als einmaliges Experiment!“

Abitur am Laurentianum

Annika Neumeister (29) besuchte das Gymnasium Laurentianum in Arnsberg. Nach dem Abitur studierte sie an der Ruhr-Universität Bochum Deutsch und Biologie auf Lehramt.


Nach ihrem Referendariat in Köln wurde sie im Jahr 2014 Lehrerin am ­Berufskolleg im benachbarten Menden.


Seit dem Jahr 2009 ist sie Mitglied der Arnsberger Grünen. Im Jahr 2014 wurde sie zur Kreisvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen gewählt.

Kommunalpolitisch ist Neumeister als stellvertretendes Mitglied im Bezirksausschuss Arnsberg aktiv.


Im Landesverband der Grünen sitzt die 29-Jährige im Öko-Fonds-Vergabeausschuss.

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