Rettungsdienst

Personalmangel: Arnsbergs Rettungswachen am Limit

Gefragte Fachkräfte: Zwei Arnsberger Retter in ihrem RTW.  Während die Rettungsassistentenausbildung seit 2015 eingestellt ist, beenden erst in diesem Jahr die ersten Notfallsanitäter ihre Ausbildung. Personalknappheit ist die Folge.Foto:Ted

Gefragte Fachkräfte: Zwei Arnsberger Retter in ihrem RTW. Während die Rettungsassistentenausbildung seit 2015 eingestellt ist, beenden erst in diesem Jahr die ersten Notfallsanitäter ihre Ausbildung. Personalknappheit ist die Folge.Foto:Ted

Arnsberg/Sundern.   Rettungsdienst: Die Stadt Arnsberg hat alle neuen Einsatzfahrzeuge beschafft, bislang aber immer noch nicht alle Stellen besetzt.

„Ziel des Hochsauerlandkreises ist es, 90 Prozent der an einer öffentlichen Straße ­gelegenen Notfälle innerhalb einer Hilfsfrist von zwölf Minuten zu ­erreichen.“ So sieht es der Bedarfsplan vor, den der Hochsauerlandkreis, als Träger des Rettungsdien­stes, aufstellen, kontinuierlich überprüfen und bei Bedarf (spätestens alle fünf Jahre) ändern muss.

Die vom Kreistag beauftragte Evaluierung der Umsetzung der zweiten Fortschreibung des Bedarfsplans (vollzogen am 1. August 2017) ist erfolgt: Eine detaillierte Analyse der Einsätze des Rettungsdienstes im Jahr 2017 für jede einzelne ­Rettungswache liegt vor.

Probleme mit der Umsetzung

Die Auswertung zeigt, dass es im Raum Arnsberg Probleme mit der Umsetzung gibt; und die 90-Prozentquote bei der Hilfsfrist wird kreisweit derzeit noch nicht erreicht. Doch woran liegt das?

Aus Mangel an Personal und Räumlichkeiten war seitens der Stadt Arnsberg eine Besetzung des zweiten Rettungswagens (RTW) zunächst nicht realisierbar. Als Zwischenlösung hat der private Anbieter Hagelstein zusätzlich samstags und stundenweise freitags Schichten dieses RTW (Standort Alt-Arnsberg) von Hüsten aus übernommen. Seit Februar 2018 besetzt die Stadt Arnsberg diesen RTW freitags komplett. Nach weiterer Personalge­winnung erfolgt nach und nach die Besetzung an allen Tagen.

Fallzahlen erheblich gestiegen

Die „Zwölf-Minuten-Problematik“ ist komplex: Zum einen sind die Fallzahlen erheblich gestiegen (von 2013 bis 2017 Steigerung um 14 Prozent). Hilfsfristrelevante Fahrten (nach Schilderung der Anrufer geht es um Leib und Leben der Patienten), legten über 20 Prozent zu.

Die Fahrzeuge des Rettungsdienstes sind somit viel stärker gebunden – die Gefahr, dass parallele Einsätze nicht mehr mit den eigentlich zuständigen Fahrzeugen abgewickelt werden können, steigt. Freie Kapazitäten benachbarter Rettungswachen müssen herangezogen werden. Das führt in einem Flächenkreis wie dem HSK zu weiteren Anfahrtswegen – und längeren Hilfsfristen, vor allem in Randbereichen. Hinzu kommen topografische Besonderheiten, Witterungseinflüsse, Straßenschäden oder Umleitungen, so dass die tatsächlichen Erreichbarkeiten häufig von den planerischen Zeiten abweichen.

Lösungen in Arbeit

An Lösungen wird bereits gearbeitet. Die Kreisverwaltung wird vor Planung des Neubaus der Rettungswachen Bad Fredeburg, Meschede und Winterberg eine Standortanalyse in Auftrag geben. Die Notarztstandorte werden gutachterlich überprüft. Ergebnisse fließen in die weitere Fortschreibung des Bedarfsplans ein.

Weitere Lösungsansätze im Drei-Fragen-Interview:

Drei Fragen an Christof Dürwald, Fachdienstleiter Rettungsdienst, Feuer- und Katastrophenschutz HSK

1 Stichwort 90-Prozent-Quote bei der 12-Minuten-Hilfsfrist – welche Lösungsansätze zur Erreichung gibt es?

Die Steigerung der Fallzahlen muss in eine Überarbeitung des Bedarfsplans einfließen. Es ist nicht absehbar, dass sich die Einsatzzahlen wieder deutlich nach unten entwickeln. Dies kann z.B. eine Ausweitung der Vorhaltestunden an einzelnen Rettungswachen zu bestimmten Tageszeiten bedeuten.
Ferner wird der Hochsauerlandkreis seine Wachenstandorte noch einmal kritisch hinterfragen. Da drei der neun Rettungswachen ohnehin eines Neubaus oder einer Erweiterung bedürfen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür.

2 Kann auch die Bevölkerung im HSK einen Beitrag leisten?

Anrufe unter 112 sollten auf das absolut notwendige Maß reduziert werden: Die Steigerung hilfsfristrelevanter Fahrten beruht überwiegend nicht auf einer höheren Anzahl lebensbedrohlicher Erkrankungen, sondern eher auf einem gesteigerten Sicherheitsbedürfnis. Mancher Rettungseinsatz ließe sich durch rechtzeitigen Besuch des Haus- oder Facharztes oder durch Einschaltung des kassenärztlichen Notdienstes unter der Rufnummer 116 117 vermeiden.

3 Der neue Bedarfsplan hat zu Aufstockungen bei Fahrzeugen und Personal geführt?

Erweiterte Vorhaltung von Fahrzeugen zieht zwangsläufig Aufstockung des Personals nach sich. In der Stadt Arnsberg und im Stadtbereich Brilon wurden z.B. zwei zusätzliche Notarzteinsatzfahrzeuge für 24 Stunden eingerichtet. Allein diese Fahrzeuge haben einen Personal­bedarf von je vier bis fünf Mitarbeitern. Insgesamt mussten HSK, Stadt Arnsberg und der private Anbieter Hagelstein wöchentlich 600 zusätzliche Vorhaltestunden abdecken. Sechs neue Fahrzeuge wurden angeschafft, ca. 30 neue Mitarbeiter/-innen im Rettungsdienst sind erforderlich. Hinzu kamen für den HSK sieben neue Stellen in der Leitstelle.

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