Krötenwanderung

Mit „Navi“ im Gehirn gehen Kröten auf Wanderschaft

Mittlerweile gibt es sogar ein eigenes Verkehrszeichen (im Hintergrund), das auf die Krötenwanderung hinweist und Autofahrer in betroffenen Gebieten zu mehr Umsicht mahnt. Foto:Lars Fröhlich

Mittlerweile gibt es sogar ein eigenes Verkehrszeichen (im Hintergrund), das auf die Krötenwanderung hinweist und Autofahrer in betroffenen Gebieten zu mehr Umsicht mahnt. Foto:Lars Fröhlich

Arnsberg/Sundern.   Kröten sind derzeit wieder in Arnsberg und Sundern unterwegs. Helfer zur Bergung aus Eimern gesucht. Straßensperrung im Rumbecker Holz.

Bald sind wieder jede Menge Kröten im Eimer! Das ist für die Tiere kein Bein-, oder ­besser, „Schenkelbruch“, denn es rettet ihnen nicht selten das Leben. Allerdings ist es wichtig, dass die Amphibien zeitnah befreit werden, und dafür suchen der Hochsauerlandkreis und seine Kommunen ­jede Menge freiwillige Helfer/­-innen. Ansprechpartner ist Norbert Knievel von der Unteren Landschafts­behörde des HSK.

„Krötenwanderung“ – alle Jahre wieder machen sich die Erdkröten auf die Socken – warum eigentlich?

Die Fortpflanzung ruft: Die weiblichen Kröten suchen dafür den Tümpel auf, an dem sie selbst geschlüpft sind, und nehmen ihr(e) Männchen gleich mit: Die zierlicheren männlichen Kröten lassen sich meist huckepack von den Weibchen tragen; manchmal schleppt eine Krötendame sogar mehrere Herren.

13 „Wechselstellen“ im HSK

Den Weg zur Laichstelle macht ein spezielles Organ im Gehirn frei: Erdkröten verfügen über eine Art integriertes Navigationssystem.

Ein Schwerpunkt der jährlichen Krötenwanderung in der Region liegt in Arnsberg und Sundern: „Im Raum Oeventrop, in Niedereimer, im Hellefelder Bachtal und in Allendorf-Hüttebrüchen finden sich in unseren Breitengraden sogenannte ‘Wechselstellen’, von denen es insgesamt noch 13 im HSK gibt“, ­erklärt Norbert Knievel.

Dort werden dieser Tage mobile Zäune aufgestellt – sobald der Frost endgültig aus dem Boden gewichen ist, denn es gilt, die Zaunmatten so zu befestigen, dass die Tiere nicht darunter hindurch schlüpfen...

Milde Temperaturen

Laut Wetterbericht sei in den näch­sten Tagen mit milden Temperaturen zu rechnen, und darum mit starken Wanderbewegungen von Amphibien, sagt Dieter Hammerschmidt, Fachdienstleiter Umwelt der Stadt Arnsberg. Seine Behörde macht wegen der wandernden Kröten sogar erneut eine Straße dicht: Der Weg durch das Rumbecker Holz wird kurzfristig bis Ende April zwischen dem Waldfriedhof und dem „Rodelhaus” in den Nachtstunden (19 bis 7 Uhr) für den Verkehr gesperrt. Autofahrer werden um Beachtung dieser Sperrung gebeten. In der Vergangenheit gab es leider ­immer wieder „schwarze Schafe“...

Dauerhafte Schutzmaßnahmen

Besser als mobile Zäune sind übrigens dauerhafte Schutzmaßnahmen: „Eine vorbildliche Anlage hat Straßen.NRW nahe Ramsbeck errichtet“, weiß Norbert Knievel. Und an der K1 in Oelinghausen gebe es immerhin vier Durchlässe. Doch Bauten mit Durchlässen unter der Fahrbahn und festen Begrenzungen kosten oft mehrere 10 000 Euro – nicht selten zu teuer. Also sind weiter Retter auf zwei Beinen gefragt: Tausende Tiere sammeln sie an den Wechselstellen jedes Jahr ein.

Drei Fragen an Martin Reuther (Sprecher HSK)

1 Wer kümmert sich momentan um die „Rettung“ der Kröten in unserer Region?

Die Betreuung vor Ort im HSK übernimmt ein seit Jahren eingespielter Stamm von Ehrenamtlichen. Leider werden es Jahr für Jahr weniger Helfer, die in Zu­sammenarbeit mit den Straßenbauämtern von Land, Kreis und Kommunen – deren Mitarbeiter errichten in der Regel die Zäune – den Tieren das Überleben sichern. Selbst Umweltschutz-Organisationen stehen nicht immer parat.

2 Was müssen die ehrenamtlichen Krötenretter tun?

Schwerpunkt ist die Betreuung der Tiere an den mobilen Krötenschutzzäunen, in Zusammenarbeit mit den Straßenwärtern vor Ort. Es gilt, diese Zäune früh morgens und abends zu kontrollieren, um dort in die Eimer „geplumpste“ Tiere ­sicher über die Straße zu bringen. Bis zur Schaffung dauerhafter Maßnahmen bieten die Schutzzäune den Kröten den besten Schutz davor, unter die Räder zu kommen.

3 Wie wird man im Hochsauerlandkreis zum Krötenretter?

Wer helfen möchte, kann sich ­direkt telefonisch im Mescheder Kreishaus melden, unter 0291-94 16 65 oder 94 16 61. Wir versuchen dann, einen heimatnahen Einsatz zu organisieren, denn es macht wenig Sinn, wenn die Freiwilligen durch den halben HSK fahren müssen, um eine der Wechselstellen zu erreichen.

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