Frauentag

Meist sind doch noch die Männer am Ruder

Foto: Oliver Berg

Arnsberg/Sundern.   Blick auf Anteil von Frauen auf Chefsesseln des öffentlichen Lebens in Arnsberg und Sundern. In Politik setzen nur Grüne konsequent auf Frauen.

Alle reden heute über Frauen, denn heute ist der Internationale Frauentag. Rund 100 Jahre nach dessen Einführung reden Frauen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik in Arnsberg und Sundern nicht zu gleichen Anteilen in führenden Positionen mit. Unsere Redaktion wirft einen Blick auf den Status quo in Institutionen und verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen.

Verwaltungsspitze

Die Bürgermeister in Arnsberg und Sundern sind Männer: Der frisch gewählte Ralf Paul Bittner hatte nur Männer unter seinen drei Mitbewerbern. Ralph Brodel in Sundern hatte sich 2015 gegen Kerstin Pliquett (CDU) durchgesetzt. In den Chefetagen der Verwaltung sieht es anders aus: In Sundern sind, wenn die 1. Beigeordnete ihr Amt antritt, zwei von fünf Fachbereichen (Personal: Katharina Grothe, Finanzen Ursula Schnelle) mit Frauen besetzt. Im Höheren Dienst der Stadt sind lediglich 2 Prozent Frauen, so steht es im ersten Bericht der neuen Gleichstellungsbeauftragten Martina Knöpken. Quantitativ stehen 199 Frauen 136 Männern gegenüber.

Kommunale Betriebe

Die Chefetagen der kommunalen Betriebe oder Gesellschaften sind in Arnsberg ebenfalls männlich dominiert: Sei es Karlheinz Weißer als Geschäftsführer bei den Stadtwerken, Bernd Löer im Freizeitbad Nass, Rainer Schörnich als Chef der Technischen Dienste oder Bernd Lepski als führender Kopf der Wirtschaftsförderung Arnsberg. In Sundern sind mit Martin Levermann (Sorpesee GmbH) und Jürgen Schwarberg (Stadtwerke) zwei Männer am Ruder.

Wirtschaft

Die heimische Wirtschaft hat mit Dr. Ilona Lange als Geschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Arnsberg schon seit Jahren eine Frontfrau. In den obersten Managementebenen der großen Betriebe hingegen dominieren nach wie vor die Männer.

Geldinstitute

Die Vorstandsriegen der beiden großen örtlichen Geldinstitute werden von Männern bestimmt. Michael Sittig und Norbert Runde bei der Sparkasse Arnsberg/Sundern und Dr. Florian Müller und Michael Reitz bei der Volksbank Sauerland geben den Ton an.

Justiz

Die Stadt Arnsberg ist Gerichtssitz: Mit Charlotte Merz sitzt eine Frau am Amtsgericht in der Leitungsposition. Das Landgericht (Peter Clemen) und das Verwaltungsgericht Arnsberg (Jürgen Jaenecke) werden hingegen von Männern geführt.

Bildung

100 Prozent weiblich besetzt sind die Leitungsfunktionen an den Grundschulen in Arnsberg und Sundern. Hier sind Männer in den Kollegien allerdings ohnehin eine absolute Rarität (siehe Bericht auf Lokalseite 2). Ganz anders sieht es an den weiterführenden Schulen aus. Auf dem „Schulberg“ in Sundern sind zwei Chef-Posten mit Männern besetzt, die Realschule leitet Renate Hackmann. In Arnsberg gibt es an acht weiterführenden Schulen mit Annemarie Ostermann-Fette (Mariengymnasium) und Beate Nordmann (Gymnasium Laurentianum) nur zwei Frauen in der Verantwortung.

Politik

Auch hier kommen Frauen zwar zum Zuge, sind jedoch in der Minderheit. Im Arnsberger Rat sind aktuell von den 47 Ratsmitgliedern nur zehn Frauen (21,2 Prozent). Die höchste Quote erreicht in Arnsberg noch die Grüne Fraktion (2 von 4) vor FDP (1/4), CDU (5/22) und SPD (2/12), während die AfD und „Linken“ keine Frau im Rat sitzen haben. In Sundern sind acht Frauen im 40-köpfigen Stadtrat aktiv, je drei bei der CDU und der SPD, zwei bei der FDP.

In den Parteien sind es nur unwesentlich besser aus: Die Stadtverbandsvorsitzenden in Arnsberg und Sundern sind bei der CDU und der SPD männlich. In Arnsberg haben die Grünen mit Verena Verspohl eine gleichberechtigte Sprecherin. Bei der FDP in Sundern hat Dorothee Thiele den Vorsitz, während in Arnsberg Renate Niemand gerade den FDP-Stadtverbandsvorsitz in jüngere, aber männliche Hände gelegt hat. Was die letzten übergeordneten Wahlen anging schickten die Grünen mit Verena Verspohl (Landtagswahl) und Annika Neumeister (Bundestagswahl) jeweils eine Frau ins Rennen. Auch die SPD setzte bei der Landtagswahl auf weibliche Kompetenz mit Margit Hieronymus (Hüsten).

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